MyMz

Regensburg.

Wo sich Mammon und Muse treffen

In der Ausstellung „Kunst BeiSteuern“ im Finanzamt zeigen die Künstler Paul Schinner und Georg Tassev ihre Werke.

Werke mit Tempo: Dieses Bild von Georg Tassev zeigt das Finanzamt.

Von Uta von Maydell, MZ

Wen pekuniäre Probleme ins Finanzamt führen, der sollte dieser Tage etwas Zeit mitbringen. Nicht, weil das Steuer-Labyrinth unserer Republik ein Stundenfresser ist, sondern weil es lohnt, die neue Ausstellung „Kunst BeiSteuern“ in Augenschein zu nehmen – sei es, um die von Zahlenkolonnen irritierte Seele zu glätten oder um einfach nur anzuschauen, was man mit Linien so alles anstellen kann, wenn sie nicht zu Trennungsstrichen zwischen Soll und Haben herabgewürdigt werden.

Zwei von ihrer Vita her unterschiedliche Künstler haben hier zu einer umfassenden Schau von knapp 100 Exponaten zusammengefunden: Der Ur-Oberpfälzer Paul Schinner aus Windisch-Eschenbach und dessen 30 Jahre jüngerer bulgarischer Kollege Georg Tassev, der nach seiner Ausbildung in Sofia auf allerlei Umwegen 1993 nach Regensburg kam und mittlerweile einen festen Platz in der Szene hat. Schon zum sechstenmal wird im Licht durchfluteten neuen Tempel der Geldverwaltung am Galgenberg Kunst beigesteuert. Hausherr Peter Stumpf verwies zur Vernissage in launiger Rede auf allerhand Parallelen zwischen Mammon und Muse: Ratloses Staunen etwa, das Staatsbürger vor Steuerbescheiden und moderner Malerei gleichermaßen anfällt. Mit hoher Kunst habe es auch zu tun, die Schwiegermutter zu adoptieren, um beim Vererben eines Häuschens nicht allzu ärmlich auszusehen. Kühle Sachlichkeit dann von Dr. Herbert Schneidler, Ex-Chef des „Leeren Beutels“: Er brachte etwas paradox aber doch nachvollziehbar auf den Punkt, was Schinner und Tassev verbindet – ihr höchst unterschiedlicher Umgang mit Linien nämlich. Nah der Gruppe STURM ortet er den expressiven Bulgaren mit Markenzeichen Bunt. „Er denkt mit Linien und baut ein Spannungsgefüge verschiedener Ebenen auf“, so der Museums-Mann. Auch von „kalkulierten Zufällen“ ging seine Rede, und Nachhilfe kam für alle, die an Tassevs sonderbarer Signatur plus Datierung rätseln. Da sind immer Jahreszahl, Monat, Tag und Uhrzeit aufgelistet. Auch Titel liefert Tassev, vielleicht obsolet: „Miez I“ oder „bis der Tod uns scheidet“. Es ist auszumachen, dass es da um Katzen geht oder um kummervoll Liebende. Gleichviel: Tassevs Arbeiten in opulenter Vielschichtigkeit nehmen gefangen, haben enormes Tempo.

Verglichen mit dem Bulgaren erscheint Schinner als großer Schweiger. Goldschmied ist er, Bildhauer und Maler. Einer, der laut lachen kann, aber immer leise ist. Einer, dessen Händedruck schmale Frauen fürchten, die aber gern neben ihm stehen. Und natürlich auch er ein Meister der Linien – ganz ohne Titel, versteht sich. Er ertastet sein Terrain mit trügerischer Behutsamkeit: Graphit, ein Hauch Farbe, Kreide vielleicht, die Beziehungen von Außen nach Innen fühlbar machen. Das Quiz-verdächtigte Wort vom „Palimpsest“ fällt da ein: Alte Schriften wurden von wertvollen Pergamenten abgeschabt um Platz für Neues zu schaffen. Bei Schinner möchte man immer gern wissen, was vielleicht drunter war: Ein Spannungsbogen, etwas ganz Zartes oder das pure Chaos. Er ist wachsam, wartet ab, macht Angebote. Im Finanzamt, bei der Vernissage zum Blues von Scotty Gottwald & Co., hat er gelächelt. Einen Original-Schinner abzuschaben, wäre töricht.

Bis 31. Januar 2009 während der üblichen Öffnungszeiten

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht