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Wucht der Farbe: „I See You“ von The xx

Auf ihrem aktuellen Album bricht die britische Indie-Gruppe um Romy Croft und Oliver Sim zu neuen Ufern auf.

Die britische Indie-Pop-Rock-Band „The xx“ hat ein neues Album aufgelegt.
Die britische Indie-Pop-Rock-Band „The xx“ hat ein neues Album aufgelegt. Foto: dpa

Berlin.Nach Schwarz und Weiß jetzt also spiegelnd Silber. Wer auf das Plattencover des neuen Albums der Indie-Lieblinge von The xx schaut, blickt in die eigenen, verschwommenen Augen. „I See You“ heißt das Werk und soll wohl als eine Reflexionsmaschine gelten: Wer sind wir? Und wo wollen wir hin?

Nach dem überwältigenden schwarzen Debüt „xx“ vor knapp acht Jahren und dem weißen Nachfolger „Coexist“ setzen die Briten mit dem dicken X über der Hülle erneut auf schlichtes Design – und auf Wiedererkennung. Doch diesmal ist etwas anders: Durch die Spiegelung bekommt das Album – je nachdem, wo man steht – richtig Farbe.

Und das merkt man auch am Sound: Mit solcher Wucht hat selten ein Album-Opener die neue Attitüde einer Band eingeleitet. „Dangerous“ steuert ohne Vorwarnung auf die Tanzrezeptoren im Ohr – dicker Bass, Fanfaren-Samples und ein Dubstep-Beat, der das Übermorgen schon in sich trägt. „Mich könnte es nicht weniger interessieren, wenn sie uns waghalsig nennen bis sie atemlos sind“, singen Romy Madley Croft und ihr Kollege Oliver Sim, während Jamie Smith alias Jamie xx unglaublich mächtig an der Drum Machine tüftelt.

„Man will ja raus an die Öffentlichkeit mit der neuen Musik, und es schlägt einem auf die Laune, wenn das nicht so läuft wie geplant.“

Oliver Sim

Ähnlich mitreißend ist „I Dare You“, das seinen stoischen Clap-Beat wie einen Teppich unter Crofts und Sims Stimmen ausrollt, die hier besonders schnurrend und warm daherkommen. Der Song scheut sich nicht vor Liebesplattitüden („meine Gefühle müssen entflammt werden“) und ist doch neben „Dangerous“ eines der Zuckerstücke des Albums.

Schon 2014 hatten The xx eigentlich eine neue Platte in den Startlöchern, doch dann – so erzählt es kürzlich Bassist und Sänger Sim dem „Zeitmagazin“ – hätten sie das frustrierende Gefühl gehabt, dass etwas fehlte. „Man will ja raus an die Öffentlichkeit mit der neuen Musik, und es schlägt einem auf die Laune, wenn das nicht so läuft wie geplant.“ Nichts sollte mehr nach den Anfängen klingen.

Atmosphärische Beats untermalt mit Piano

Die Anfänge: Da waren The xx noch zu viert. Was sie damals austüftelten, waren atmosphärische Beats untermalt mit Piano oder Orgel – und seinerzeit genau der nüchterne Zeitgeist in Sachen Musikgeschmack. Noch Jahre später bezeichnet der in Indie-Fragen tonangebende „NME“ aus Großbritannien das fulminante „xx“ als die „großartigste Platte unserer Zeit“, die „den Soundtrack zu innerstädtischen Zersiedelungen und nächtlichen Heimfahrten im öffentlichen Verkehr neu definierte“.

Der Nachfolger „Coexist“ war 2012 schon polierter, strukturierter und mehr auf Erfolg gebürstet. Nach dessen Erfolg war es um The xx etwas ruhiger geworden, jedes Bandmitglied hatte einiges für sich selbst auf der Agenda: Bassist Sim modelte für die Herrenlinie von Dior und Jamie xx begab sich mit seinem bravourösen „In colour“ auf Solopfade und arbeitete nebenher für R&B-Musiker wie Alicia Keys und Drake sowie das Alterswerk von Soul-Jazzer Gil Scott-Heron.

Die von ihm produzierten Arrangements unterwerfen sich auf „I See You“ nun vollends den beiden Sängern. (dpa)

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