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Ausstellung

Wundersame Weltenfahrt am Eriekanal

„ReiseReise“: Carola Insinger zeigt in Distelhausen Graphik von Eckhard Froeschlin. Die Ideen kamen unterwegs.
Von Florian Sendtner, MZ

Eckhard Froeschlin mit dem „Abfahrer“ in Distelhausen
Eckhard Froeschlin mit dem „Abfahrer“ in Distelhausen Foto: Sendtner

Pielenhofen.Ein ewig langer, knallroter LKW auf einem Parkplatz, davor nächtliche Wiesenflächen, zerschnitten von Asphalt, im Vordergrund ist ein Wegweiser zu erkennen. Über dem roten Tieflader wölbt sich ein stahlblauer Sternenhimmel. „Man muss nur aus dem Fenster gucken“, sagt Eckhard Froeschlin zu seiner Reisegraphik-Werkschau in Carola Insingers wunderbarer Galerie in Distelhausen.

Der Künstler, 1953 in Tettnang in Württemberg geboren, ist regelmäßig mit dem Mietauto an der West- und an der Ostküste der USA unterwegs, um seine in eigener Handpresse hergestellten bibliophilen Bücher mit Original-Druckgraphik zu verkaufen. Die – auch in Nicaragua, Italien und Deutschland –gesammelten Reise-Impressionen hat Froeschlin auf Aquarellen festgehalten und zuhause dann ausgewählte Motive für großformatige Pastellbilder verwendet.

Eckhard Froeschlin neben „Ister“
Eckhard Froeschlin neben „Ister“ Foto: Sendtner

Irgendwo in Amerika stand da eines Nachts dieser rote LKW vor dem Motelfenster, der jetzt in Pastell in Distelhausen an der Wand hängt, „mit dem Nachthimmel quasi als Ladung“, wie Froeschlin sagt. Inmitten eines Reigens surreal verwobener Reisebilder, in die auch alte kartographische Elemente integriert sind, aus den Zeiten, als Landkarten noch mit der Hand gezeichnet wurden. „Landschaftsabstrahierende Formen kommen in die Landschaft rein“, erklärt Froeschlin. Durch die Landschaften fließen Flüsse mit mythischen Namen: wie Ister (so heißt die Donau bei Hölderlin) und Eriekanal (im 19. Jahrhundert zwischen Eriesee und New York gegraben).

Imposant: das Pastell „Ursprung“

„Was aber jener tuet, der Strom, / Weiß niemand.“ So endet Hölderlins Hymne „Der Ister“. Immerhin, woraus er sich speist, das ist in Distelhausen unübersehbar: Der Besucher dieser exzellenten Ausstellung wird von dem imposanten Pastell „Ursprung“ empfangen (125 mal 161 Zentimeter), ein großer, tiefer, blauer See, dessen Name auch von Courbet inspiriert sein dürfte. Links und rechts der Haupt- und Nebenflüsse erscheinen traumhafte Gebilde: eine große, rote Scheune ohne Fenster und mit einem kleinen Türmchen am First (so in einer von zwei großen querformatigen Radierungen), Kaimauern, Schleusentore.

Über weitere Ausstellungen in der Galerie Insinger lesen Sie hier.

Daneben „Der Abfahrer“: das einzige figurative Bild der Ausstellung, ein Mann mit Hut, der mit einem Ruder buchstäblich in See sticht. Eine Allegorie auf den Reisenden schlechthin. Es geht auf ein historisches Foto zurück, das einen Auswanderer in Bremerhaven zeigt. „Reise“ bedeutet bei Froeschlin beileibe nicht nur Urlaubsreise, sondern auch Weltenfahrt und schließt auch die unfreiwillige Reise mit ein, die Auswanderung, die Flucht, selbst die Deportation. Eine Handvoll Skulpturen aus bemaltem Aluminium (u.a. „Zwei Trommler“ und „Little Mean Man“) verweist auf eine ganz andere Seite des Künstlers. Froeschlin: „Ein bisschen Größenwahn gehört dazu.“

Die Ausstellung „ReiseReise“ von Eckhard Froeschlin ist bis 10. Juli zu sehen: Galerie Insingen in Distelhausen

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