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Musik

Xavier Naidoo setzt auf Romantik

„Hin und Weg“ heißt das neue Album des Mannheimers. Anders als vor zwei Jahren klammert der Sänger politische Themen aus.
Von Martin Oversohl

Skandal? Fehlanzeige. Naidoo zelebriert auf seinem neuen Album „Hin und Weg“ eher ein gutes Gefühl. Foto: Alexandra Wey/dpa
Skandal? Fehlanzeige. Naidoo zelebriert auf seinem neuen Album „Hin und Weg“ eher ein gutes Gefühl. Foto: Alexandra Wey/dpa

Mannheim.Keine Politik, kaum Religion – nur Liebe, Sehnsucht und Romantik, Pathos und ein wenig Pose. Xavier Naidoos neue Soloplatte „Hin Und Weg“ kommt als Soundtrack für Verliebte und ein wenig Verlorene daher – und das dürfte vor allem im Mannheimer Rathaus erleichtert aufgenommen worden sein.

Denn in der Heimatstadt des Pop- und Soulsängers herrschte Krisenstimmung, nachdem Naidoo vor zwei Jahren vorgeworfen worden war, mit einem Song rechtsextremes und verschwörungstheoretisches Gedankengut zu bedienen. Sein achtes Studioalbum kommt nun deutlich entschärft daher.

Naidoo arbeitet mit MoTrip, Chefket und Kontra K zusammen

Naidoo ist vorsichtig geworden, er geht auf Nummer sicher. Die scharfe Kritik an seinen Äußerungen und seinem Auftreten in den vergangenen Jahren dürften Spuren hinterlassen haben. Geblieben ist ein typischer Sound, eine unverwechselbare Stimme, ein recht abwechslungsreicher Mix – ein bisschen Soul oder Pop, vor allem aber Anklänge an Hip-Hop und Rap. Naidoo arbeitet bei „Hin Und Weg“ mit MoTrip und Chefket zusammen, und er lässt den derzeit überaus erfolgreichen Rapper Kontra K ans Mikrofon.

„,Hin Und Weg“ würde ich insgesamt als ein sehr warmes Album bezeichnen“, sagte Naidoo. „Es ist Ausdruck meiner Emotionen.“ Allerdings seien die Songs keine Liebeslieder im klassischen Sinne. „Es geht vielmehr um die verschiedensten Arten von Beziehungen in all ihren Stadien und Erscheinungsformen und das Miteinander.“

Naidoo singt von Tiefschlägen und vom Hochloben

Nur zwischen den Zeilen und mit sehr viel Willen lässt sich der eine oder andere Verweis auf vergangene Debatten heraushören. „Ich danke allen Menschen“, singt Naidoo zum Beispiel im gleichnamigen Song, „die mich zu dem machten, der ich bin, den guten wie den schlechten. Vielleicht hatten sie nie Böses im Sinn“. Er singt von Tiefschlägen und vom Hochloben und von „Menschen, die Dich bekämpfen“.

Die 14 Lieder auf „Hin Und Weg“ sind vor allem getragen von persönlichen Empfindungen. Ein neuer Song wie der scharf gescholtene Titel „Marionetten“ (2017) mit den Söhnen Mannheims, für dessen Textpassagen sich Naidoo vorwerfen lassen musste, ein Rechtspopulist zu sein? Fehlanzeige.

Brachiale Metaphern von Krieg, Armageddon und Söldnern? Kaum eine Spur. Naidoo tobt sich nicht mehr verschwörungstheoretisch aus, sondern konzentriert sich auf das, was er am besten kann: auf’s Singen, auf seine konkurrenzlose, bisweilen etwas weinerliche Stimme, auf die eine oder andere Soundtüftelei.

Ehre für Naidoos Mutter in „Königin“

Glatt arrangiert singt sich Naidoo soulig durch Liebeskummer, er feiert „Diese Eine“, würdigt seine Mutter („Königin“) gemeinsam mit Chefket - und bleibt dabei eingängig, im Rahmen des Erwartbaren. Mit „Gute Zeiten“ pendelt Naidoo an der Seite von MoTrip zwischen Pop und Hip-Hop. „Mein Glück ist besiegelt“ kommt als Klavierballade daher, bei „Welt“ greift Rapper Kontra K zum Mikrofon.

Es könnte für Naidoo schwer werden, mit einem der neuen Songs in der Wiederholungsschleife der Radiosender und in den Hitparaden zu landen. Das neue Album ist eingängig und fehlerfrei produziert - ein echter Hit, der die Massen mitnimmt, ist aber nicht dabei. Es könnte damit an die Erfahrungen des siebten Studioalbums „Für Dich“ anschließen, mit dem Naidoo – anders als in all den Jahren zuvor – nicht auf dem Spitzenplatz der Charts landete.

Sechsmal hintereinander hatte er mit seinen Alben Platz eins belegt, auch Auskopplungen wie „20 Meilen“, „Wo willst du hin“ und der Fußball-WM-Gassenhauer „Dieser Weg“ waren Karriere-Meilensteine oder zumindest kommerzielle Erfolge. Danach sorgte er vor allem abseits der Musik für Gesprächsstoff. Ein Ruf als christlicher Fundamentalist eilte ihm jahrelang voraus. Immer wieder musste sich der einst größte deutsche Popsänger auch gegen Antisemitismus-Vorwürfe wehren – vor Gericht zumindest erfolgreich.

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