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Musik

Zartsinnige „Weihnachtsgeschichte“

Robert Göstls Kammerchor Vox ani-mata veröffentlicht CD.
Von Gerhard Dietel

Vox animata Foto: Monique Verondini
Vox animata Foto: Monique Verondini

Waldetzenberg.Die Geburt Jesu in Tönen geschildert zu bekommen: da ist für viele Musikfreunde Bachs sechs Kantaten umfassendes „Weihnachtsoratorium“ die erste Wahl. Wer es romantischer liebt, kann zu Berlioz‘ „L’enfance du Christ“ oder Josef Rheinbergers „Stern von Bethlehem“ greifen, wer volkstümlichere Töne bevorzugt, zur „Christnacht“ von Joseph Haas. Eine weitere, anders geartete Alternative bietet Hugo Distlers 1933 entstandene „Weihnachtsgeschichte“: sie verzichtet in Erinnerung an die Motettenkunst des 17. Jahrhunderts auf alle instrumentale Einkleidung und fängt im reinen A-cappella-Satz das Geheimnisvolle, das Mystische der Geburt des Heilands ein.

Distlers „Weihnachtsgeschichte“ bildet das Zentrum einer rechtzeitig zu den kommenden Festtagen erschienenen CD-Neuveröffentlichung, die der Kammerchor Vox animata unter Leitung von Robert Göstl eingesungen hat. Aufgenommen wurde diese CD ganz in der Nähe Regensburgs, nämlich in der Kirche St. Markus in Waldetzenberg. „Das Volk, so im Finstern wandelt, siehet ein großes Licht“ verkündet der Chor gleich anfangs den Zuhörern und gestaltet dann, in vierstimmigem oder auch doppelchörigem Satz die chorischen Anteile der von Gerhard Hölzle als Evangelisten und weiteren aus dem Ensemble hervortretenden Solisten vorgetragenen Weihnachtserzählung. Zarte, innige Töne findet der Chor für das wunderbare Geschehen im nächtlichen Stall von Bethlehem, die stets harmonisch rund wirken, selbst dort, wo Distler Ausdrucksmittel der Klangsprache des zwanzigsten Jahrhunderts benutzt. Integriert in die Evangelientexte sind kunstvolle Choralvariationen über die Strophen des Lieds „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, welche Vox animata als ruhig nachsinnende Reflexionen ertönen lässt.

Eingerahmt wird Hugo Distlers „Weihnachtsgeschichte“ auf der vorliegenden CD von weiteren inhaltlich verwandten Gesängen. Sie greifen das „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ neuerlich auf, geben Max Reger mit den bekannten Sätzen „Unser lieben Frauen Traum“ und „Schlaf wohl du Himmelsknabe“ Stimme oder schildern das „Magnum mysterium“ der Geburt des Heilands: einmal in altmeisterlicher Vokalpolyphonie bei Tomas Luis de Victoria, dann in den zeitgenössischen Tonsprachen Francis Poulencs und Morten Lauridsens. In ganz ruhigem Fluß, mit sanft schwebenden Klängen und subtil abschattierter Dynamik erklingen diese beiden neueren Kompositionen – sozusagen als verfeinerte vokale Kammermusik. „Aus einer Wurzel zart“ lautet das Motto der neuen CD von Vox animata: genau passend für eine Folge weihnachtlicher Chorsätze, in denen weniger überschäumender Gloria-Jubel herrscht als sanftes, glückerfülltes Staunen.

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