mz_logo

Kultur
Donnerstag, 16. August 2018 30° 1

Konzert

Zauberhafte Interpretation Schumanns

Alice Sara Ott harmonierte im Zusammenspiel mit der Dresdner Philharmonie. Die Regensburger im Audimax waren begeistert.
Von Claudia Böckel

Alice Sara Ott harmonierte im Zusammenspiel mit der Dresdner Philharmonie. Foto: Becker/DG
Alice Sara Ott harmonierte im Zusammenspiel mit der Dresdner Philharmonie. Foto: Becker/DG

Regensburg.„Wie reich an Erfindung, wie interessant vom Anfang bis zum Ende ist es, wie frisch und welch ein schönes zusammenhängendes Ganze!“ Das schreibt Clara Schumann über das für sie komponierte, aber doch nicht ihr zugeeignete Klavierkonzert Robert Schumanns. Und eine Freude war es auch, dieses Konzert in der Interpretation der jungen Pianistin Alice Sara Ott und der Dresdner Philharmonie unter Michael Sanderling bei Odeon zu hören. Die Pianistin legte ihren Klavierklang schon von Beginn an ganz silbrig an, spielte die Klaviersoli zurückhaltend, oft aus dem absoluten Pianissimo heraus entwickelt, wenig konkret, eher so, als wären die Melodien ihr gerade durch den Kopf geweht. Im Intermezzo mochte sich diese Schlankheit im Ton nicht gut mit den manchmal mulmig gesetzten Akkorden im Orchester mischen.

Der dritte Satz wirkte kraftlos, so ganz ohne große Geste, gewann aber dadurch an Durchsichtigkeit. Sanderling wagte hier forschere Tempi, die allerdings in jedem Klaviersolo durch Rubati wieder ausgebremst wurden. Freundlich ging es zu zwischen Klavier und Orchester, man ergänzte sich in den motivischen Verästelungen, verstärkte gegenseitig die zauberhaften Melodielinien. Niemand trumpfte auf, alles nahm entspannt seinen Lauf. Schumann’sche Abgründe gab es nicht zu hören an diesem Abend, dafür zauberische Details, klangliche Klavier-Finessen, keine Opulenz, aber konzentriertes Miteinander von Solistin und Orchester. Als Zugabe wählte Alice Sara Ott ein Nocturne von Chopin und präsentierte es mit zarten Klängen.

Der Dirigent spielte früher Cello

Dirigent Michael Sanderling ist Cellist gewesen, bevor er Dirigent und Chef der Dresdner Philharmonie wurde. Völlig unaufgeregt steht er am Pult des riesigen Klangapparates von Anton Bruckners siebter Sinfonie. Er entlockt den Streichern satte Fülle, führt die Holzbläser, allen voran die Soloflötistin, zu musikalischen Höhenflügen, hält die Blechbläser, auch die erstmals bei Bruckner verwendeten Wagnertuben, klanglich in der Balance. Der erste Hauptgedanke der Sinfonie, ein wahrhaft königliches Thema von 21 Takten, immer aufstrebend, soll Bruckner angeblich im Schlaf eingefallen sein. Einer seiner alten Linzer Freunde sei ihm im Traum erschienen, habe das Thema mit dem breit gezogenen Gesang der Celli, Bratschen und Hörner diktiert und gesagt: „Pass auf, mit dem wirst du dein Glück machen.“

Der Boden des Audimax bebt

Sanderling baute den Satz ganz breit gelagert auf, am Ende, im Orgelpunkt der Coda auf dem Grundton e, bebte der Boden des Audimax. Eigentlich ging er alle vier Sätze sehr langsam an, für die beiden ersten brauchte er jeweils 25 Minuten. Das Adagio steigerte sich in einer golden glänzenden Apotheose zum berühmten Beckenschlag hin als fast reine Blechsache. Das Scherzo kam plakativ und gleichzeitig kleinteilig daher, das Finale war mit dickem Pinsel gemalt. Sorgfältige Interpretationen lieferte dieses Konzert, gewann Schumann neue Facetten ab, ließ Bruckner vielleicht ein wenig zu ausladend wirken. Ein gutes Konzert. Spuren im Gedächtnis wird es wohl nicht hinterlassen.

Weitere Meldungen aus der Kulturredaktion lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht