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Zehn gute Jahre für das Theater Regensburg

Zum Abschied des Theater-Teams erscheint eine liebevoll gestaltete Festschrift: „2002 bis 2012: Die Intendanz Ernö Weil in Worten und Bildern“
Von Ulrich kelber, MZ

Intendant Ernö Weil und Chefdramaturgin Friederike Bernau präsentieren die Publikationen zur endenden Intendanz Weil. Foto: altrofoto.de

Regensburg. Das war noch einmal ein schönes Zuckerl, auf das Intendant Ernö Weil „sehr stolz“ ist: der mit 3000 Euro dotierte Hauptpreis, der kürzlich bei den Bayerischen Theatertagen in Augsburg dem Regensburger Theater zuerkannt wurde. Die Jury war höchst beeindruckt von der „herausragenden Ensembleleistung“ bei Jochen Schölchs Inszenierung des Stückes „Eisenstein“, dieser scharfsinnigen Familienchronik von Christoph Nußbaumeder. Nur schade, dass es so einen Wettstreit nicht auch für das Musiktheater gibt, denn da hätten auch viele Inszenierungen von Ernö Weil sicher beste Chancen gehabt.

Hitliste der schönsten Versprecher

Auf zehn gute Jahre für das Regensburger Theater ist zurückzublicken, Jahre, in denen es mit der künstlerischen Qualität in allen Bereichen bestens gestimmt hat, ob bei Oper oder Musical, ob bei Konzert, Schauspiel oder Ballett. So lobt denn auch Oberbürgermeister Hans Schaidinger in einer Dankadresse die „glückliche Hand“ des Intendanten: „Ernö Weil hat Regensburger Theatergeschichte geschrieben. Die unzähligen Facetten dieses Theaterschaffens haben die Bürger unserer Stadt nachhaltig beeindruckt und berührt, sie haben uns erheitert, mit neuen Themen oder Ansichten konfrontiert und insbesondere unsere Herzen erweitert.“

Auch die Herzen seiner Mitarbeiter muss Ernö Weil gewonnen haben, denn unter der Federführung von Chefdramaturgin Friederike Bernau ist als Fleißaufgabe neben der normalen Theaterarbeit eine schön gestaltete Festschrift entstanden, der die Grafiker von „Janda+Roscher“ zu einem recht pfiffigen Layout verholfen haben. Eigentlich besteht diese Festschrift aus drei Teilen. Einer – illus-triert mit einer opulenten Fülle von Fotos – beinhaltet den „offiziösen“ Rückblick. Dann gibt es eine Art Zusatzband im Querformat alter Comichefte, in dem ein Blick hinter die Kulissen geboten wird. Da findet sich eine Hitliste der schönsten Versprecher, wird von allerlei Pannen berichtet, von Problemen bei den Proben, gibt es rührende Zuschauerbriefe oder einen Foto-Zyklus, der die heißesten Theaterküsse festgehalten hat. Und drittens gehört eine CD dazu, in der die Höhepunkte dieser zehn vergangenen Jahre dokumentiert sind.

„Es ist ein schönes Buch geworden, eine sehr schöne Erinnerung“, zeigte sich Ernö Weil gerührt. „Ich habe in drei Städten als Intendant gearbeitet (vor Regensburg waren das Coburg und Pforzheim), und ich habe mich immer bedingungslos auf die jeweilige Stadt eingelassen“, erzählt Weil, verhehlt dabei aber nicht, dass Regensburg ihm und seiner Frau (der international gefeierten Sopranistin Mechthild Gessendorf-Weil) immer besonders gefallen hat. Hier wird das Künstlerpaar auch wohnen bleiben. Aber er wird viel unterwegs sein, denn Ernö Weil ist weiter als Regisseur aktiv. In der kommenden Spielzeit wird er in Innsbruck (wo Johannes Reitmeier neuer Intendant geworden ist) die Korngold-Oper „Die tote Stadt“ inszenieren, die auch in Regensburg große Beachtung gefunden hatte. In Bamberg wird er Regie führen bei dem Musical „Der Mann von La Mancha“.

Der Anfang in Regensburg sei schwer gewesen, meint Ernö Weil im Rückblick. Er hatte den Eindruck, auf allerlei Widerstände zu stoßen. Und so ist er besonders stolz darauf, beim „Regensburger Publikum so großes Vertrauen gewonnen“ zu haben. Selbst bei schwierigen Stücken sei es „uns gewogen geblieben“ und nennt dazu die Opern-Uraufführungen von „Der Patient“ und „Der Hutmacher“. Der Dank an alle Mitarbeiter ist Ernö Weil besonders wichtig. Ausdrücklich nennt er Ballettdirektor Olaf Schmidt, der ebenfalls Ende der Spielzeit ausscheidet. Dessen „Handschrift“ sei es zu verdanken, dass das Ballett heute so große Akzeptanz finde. Lob zollt er auch Michael Bleiziffer, der seinen Abschied als Oberspielleiter nimmt. Beim Schauspiel habe er für Kontinuität und künstlerische Erfolge gesorgt. Beide werden in der Festschrift mit eigenen Kapiteln gewürdigt.

Weils große, bleibende Leistung

Als „phänomenal gut“ bezeichnet Ernö Weil die Situation des Theaters. Die Statistiken in der Festschrift unterstreichen diese Einschätzung. Jahr für Jahr ist die Zahl der Abonnenten gestiegen, liegt nunmehr bei 5757. Und in der aktuellen Spielzeit ist die Platzauslastung auf sensationelle 88 Prozent gestiegen. Bei der Gesamtbesucherzahl dürfte wieder die Rekordmarke von 175000 erreicht werden. Deutlich ansteigend ist deshalb die Kurve bei den Eigeneinnahmen durch Kartenverkauf und Sponsoring.

Der „einzige Wermutstropfen“ für Ernö Weil: dass er „nicht mehr selbst das Kinder- und Jugendtheater eröffnen kann“, das 2014 eine eigene Spielstätte im „Haus der Musik“ im ehemaligen Präsidialpalais bekommen soll. Es ist Weils große, bleibende Leistung, dass es ihm gelungen ist, 2008 mit dem „Theater Regenbogen“ eine eigenständige Sparte zu etablieren, die sich engagiert um die jungen Besucher kümmert. Klug hat Ernö Weil gewirtschaftet, hat finanzielle Freiräume geschaffen, denn zusätzliche Mittel gab es für „Regenbogen“ nicht. Weil verwendet das Wort „Kulturerziehung“, um zu unterstreichen, wie wichtig es ihm ist, dass Kinder schon ganz früh an das Theater herangeführt werden.

Die schönsten Theatererlebnisse

Der Mensch Ernö Weil: In der Festschrift lässt er sich kennenlernen – dank eines einfühlsamen Textes von Franz Csiky (dem Germanisten, Dramaturgen und Librettisten der Oper „Der Hutmacher“). Da geht es um Jugendjahre und Studium in München, um prägende Erfahrungen durch Assistenzen bei August Everding und Jan-Pierre Ponnelle oder in Bayreuth bei Harry Kupfer; 1971 das Regie-Debüt in Augsburg mit „Lucia di Lammermoor“.

Ein ungemein eifriger Regisseur ist Ernö Weil, über die Gesamtzahl seiner Inszenierungen sagt er nur: „Bei hundert habe ich aufgehört zu zählen.“ In Regensburg hat er sich vor zwei Wochen als Regisseur mit Verdis „Falstaff“ verabschiedet, in dem es heißt: „Die ganze Welt ist Bühne – der Mensch ein Narr, ein Komödiant.“ Und Weils Bilanz in der Festschrift: „Nicht Trauer um das Vergangene, sondern Freude und Dankbarkeit für das Gewesene erfüllt mich jetzt, da ein wichtiger Abschnitt meines Berufslebens in einen neuen übergeht. Über beiden steht‚ Theater muss sein!‘“

In der Festschrift passieren die schönsten Theatererlebnisse der vergangenen zehn Jahre Revue, angefangen vom „Rosenkavalier“ (mit dem Weil alle seine Intendanzen eröffnet hat). Quer durch alle Sparten reicht der Bilderbogen (der auch demon-striert, welch exzellente Theaterfotografin Juliane Zitzlsperger ist). Und da wird jeder die Stücke wiederfinden, an die er sich besonders gern erinnert. Es war eine interessante, spannende Zeit!

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