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Kunst

Zhao Bin: Der Maler als Pandabär

Der hintersinnige Ostkünstler Zhao Bin zeigt vertrackte Westkunst im Artspace Erdel. Harmlosigkeit trifft auf Schrecken.
Von Helmut Hein

Zhao Bin steht vor dem Bild „Art“. Foto: Wolf Erdel
Zhao Bin steht vor dem Bild „Art“. Foto: Wolf Erdel

Regensburg.Wenn Zhao Bins Fantasie so richtig schmutzig und seine Malweise drastisch wird, dann verwandelt er sich flugs in einen Bären mit Unschuldsmaske. Dann steht er in einer Ecke des großformatigen Bildes und lugt hinter einer Staffelei vor; auf eine schöne, kaum bekleidete junge Frau, die da hingebungsvoll-aufreizend posiert. Was ist das? Eine Aktstudie, die einer dubiosen Wunscherfüllung dient? Oder doch eher ein Porträt des Künstlers als junger Bär?

Dass das Gemälde den Titel „Panda 5“ trägt, scheint darauf hinzudeuten, dass es noch andere aus einer Serie gibt, die der kritische Betrachter innig ironisch als pornografisch bezeichnet, was der Galerist, der ans Geschäft denken muss, ein wenig erschrocken in „erotisch“ verbessert.

Aber warum verkleidet sich Zhao Bin hier als Bär? Oder eben genauer: als Panda? Weil diese stets vom Aussterben bedrohten, extrem zeugungsunwilligen Tiere die meisten Zeitgenossen so rühren wie wenig anderes? Und man ihnen folglich auch kleinere Untaten verzeiht? Oder steckt dahinter Zhao Bins Auffassung des wahren Künstlers, der für ihn einer raren und bedrohten Spezies angehört?

Fast wie ein alter Meister

Wie auch immer. Man kann jedenfalls feststellen, dass dieser Chinese, der in München und dann auch in Regensburg eine zweite Heimat gefunden hat, sich verändert, souveräner geworden ist. Früher verpackte er seine Wut auf all die unverständigen Behörden, die einen Ausländer mit überflüssigen Vorschriften drangsalieren, in comic- und karikaturnahe Szenarien, die den humanen Kosmos in ein wüstes Bestiarium verwandeln.

Jetzt ist er fast schon ein alter Meister ohne Berührungsängste, was dann dazu führt, dass ihm das in derlei Dingen doch kundige Diözesanmuseum eine Kreuzdarstellung abkauft; und dass hier, im Artspace Erdel, ein Jesus an der Wand hängt, der in Grau und Gold aller Erdenschwere schon enthoben scheint – wenn auch unübersehbar leidend.

Zhao Bin

  • Leben:

    Zhao Bin wurde 1968 in der südchinesischen Stadt Guilin geboren.

  • Auszeichnung:

    Der Künstler wurde 2006 mit dem Laura-und-Lorenz-Reibling-Preis der Akademie der schönen Künste München ausgezeichnet.

  • Ausstellung:

    Zhao Bins Bilder sind in der Galerie Artspace Erdel, Fischmarkt 3, zu sehen.

Zhao Bin verbindet Harmlosigkeit mit Schrecken

Ansonsten aber frönt der neue Zhao Bin vor allem der Selbstreflexion, man könnte auch sagen der Selbstdarstellung. Da gibt es dann zwei eher kleinformatige Arbeiten mit den sprechenden, aber nicht ohne Weiteres dechiffrierbaren Titeln „Master Bin – egal“ und „Master Bin – welcome“. Wer nähere Aufschlüsse möchte, sollte Zhao Bin in die Augen schauen, denn da erfährt er nichts Genaueres. In gewisser Weise ist dieser Künstler immer ein Bär, auch wenn er gerade keine Pandamaske trägt; also ein Wesen aus einer anderen Welt, das wir nicht so leicht durchschauen, das uns aber ganz genau zu kennen scheint.

Bei Zhao Bin verbinden sich demonstrative Harmlosigkeit und der pure Schrecken. „Dreaming“ ist dafür das beste Beispiel: Da liegt ein Mann – er kehrt uns den Rücken zu – offenbar auf einer Dachterrasse und betrachtet versonnen ein romantisches Bergpanorama, das gespenstisch nah vor ihm liegt. Man denkt sich dabei nichts Schlimmes. Aber dieses Bild verarbeitet ein Trauma; es ist in seinem Kern eine Geschichte auf Leben und Tod.

Denn dieser Mann, der Zhao Bin auf so undefinierbare Weise ähnelt wie die meisten Männerdarstellungen in dieser Ausstellung, ist tatsächlich der Künstler, der einst wirklich schlafend auf so einer Matratze lag, die dann als Folge eines Kurzschlusses urplötzlich in Flammen stand. Und der Künstler verbrannte zwar nicht, erstickte aber beinahe und musste für Tage ins Krankenhaus. Im fertigen Bild ist von dieser Abgründigkeit, diesem Schicksalhaften nichts mehr zu sehen. Man ahnt es nur; weil man jeder Idylle, die zu rein daherkommt, zurecht misstraut

Unbeherrschbare Mächte

Zhao Bin interessiert sich für die Momente, wenn die Natur über den zivilisierten Menschen hereinbricht und er sich kaum zur Wehr setzen kann. Am bedrängendsten verdichtet sich diese Natur in uns, sofern wir – religiös gesprochen – Kreatur sind. Immer dann also, wenn uns das jähe Bewusstsein oder auch nur Gefühl der Sterblichkeit oder Lüsternheit sublimierende Auswege nicht mehr gestattet.

Zhao Bin, der ein kluger, wissender Maler ist, präsentiert uns folgerichtig auf einem Bild, das er „ART“ nennt, das unendliche Meer und davor eine Frau, deren „ausuferndes“ Gesäß an Kim Kardeshian erinnert. So eine Art Memento-Stillleben, das uns an den Tod und den dunklen Drang erinnert, an Mächte also, die wir nicht immer beherrschen.

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