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Regensburg

Zwei Mark für zehn Minuten Schweigen

Wanninger? Fällt dieser Name, so denkt das historisch geschulte Kabaretthirn zuerst an Valentins Buchbinder gleichen Namens.
Von Peter Geiger

Und zwischendrin greift Franziska Wanninger auch zur Gitarre. Vom 6. bis zum 8. November gastiert sie im Statt-Theater.  Foto: Peter Geiger
Und zwischendrin greift Franziska Wanninger auch zur Gitarre. Vom 6. bis zum 8. November gastiert sie im Statt-Theater. Foto: Peter Geiger

Regensburg.Wanninger? Fällt dieser Name, so denkt das historisch geschulte bayerische Kabaretthirn zuerst an Karl Valentins Buchbinder gleichen Namens. Der musste sich am Bakelit-Telefon bei Meisl & Co. bis Dienstschluss von Pontius zu Pilatus durchreichen lassen, bis er mit einem finalen „Saubande, dreckade!“ sein Scheitern eingestand.

Seit die bei Altötting aufgewachsene Kabarettistin Franziska Wanninger die Bühne betreten hat, 2011 war das, seither hat der Name „Wanninger“ sein Bedeutungsfeld recht bedeutsam in die Gegenwart erweitert. Denn mit der am Lee-Strasberg-Institut in Los Angeles im Schauspielfach ausgebildeten 37-Jährigen, die in Niederbayern zur Schule ging und in der Oberpfalz studierte, ist der bajuwarischen Szene ein echter Typus zugewachsen. Eine Charakterdarstellerin, die mit ihrem aktuellen Programm „Furchtlos glücklich“ einen ganzen Kosmos an Figuren auf die Bühne zaubert, von der esoterischen Angsttherapeutin Melissa Schneebergen bis hin zur Bierzeltbedienung Christa. Oder jenem Wirtshausstammgast, der sein notorisches Liebespech in biergeschwängerten Tränen des Selbstmitleids ertränkt.

Franziska Wanningers Bühnentalent trat früh zutage. Zehn war sie, da boten ihr die Eltern zwei Mark an, dafür, dass sie doch nur zehn Minuten lang schweigt. Die Geschwister waren sogar bereit, draufzusatteln und ihr gesamtes Taschengeld zu opfern. Alles vergeblich. Franziska hegte und pflegte ihre Leidenschaft fürs Lustigsein und fürs Leutnachmachen. Und absolvierte damit jene harte Schule, die unerlässlich ist, wer emporklettern möchte, aufs Bühnenbrettl.

Erste Kostproben bot sie beim Schultheater am Gymnasium in Eggenfelden. Später perfektionierte sie ihre Fähigkeiten bei der englischsprachigen Gruppe des Regensburger Uni-Theaters. So kommt das Publikum heute in den Genuss ihres reichhaltigen Humors. Gelegenheit, dieser grandiosen Künstlerin bei ihrem Wirken zuzuschauen, besteht für Regensburger Kabarettfans von heute an bis Freitag, den 8. November. Da gastiert sie nämlich im Statt-Theater. Und wird die Tiefen bayerischer Seelenlandschaften erkunden.

Nach Regensburg zu kommen, das ist für die mittlerweile in München lebende Franziska Wanninger immer ein bisschen wie Heimkommen. Beste Erinnerungen verbindet sie mit ihrer Zeit hier. Ohne die Uni-Theater-Gruppe, so gesteht sie lachend, hätte sie ihr Lehramtsstudium wahrscheinlich gar nicht absolviert. Die Proben, das waren ihre Pflichttermine. Da erfuhr sie schließlich alles, was sie wissen musste, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Ihr größter Erfolg freilich ist es, den Namen „Wanninger“ als wohlklingenden Bühnennamen institutionalisiert zu haben. (mgn)

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