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Kirchenmusik

Zwei musikalisch fesselnde Stunden

Die Chorphilharmonie Regensburg führt Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Elias“ auf – und wird begeistert beklatscht.
Von Gerhard Dietel, MZ

Die Sängerinnen und Sänger der Regensburger Chorphilharmonie in der Herz-Jesu-Kirche
Die Sängerinnen und Sänger der Regensburger Chorphilharmonie in der Herz-Jesu-Kirche Foto: Kemmerer

Regensburg.Mächtig verhallt der letzte D-Dur-Akkord in der Regensburger Kirche Herz Jesu, dann, nach einem kurzen Atemholen, bricht begeisterter Applaus los. Er ist mehr als verdient für eine hochkonzentrierte, geschlossene Gesamtleistung der Regensburger Chorphilharmonie, ihres Orchesters und der Vokalsolisten unter der Gesamtleitung von Horst Frohn. In zwei langen, doch musikalisch fesselnden Stunden erlebten die Zuhörer die Schicksale des biblischen Propheten Elias, wie Felix Mendelssohn Bartholdy sie Mitte des 19. Jahrhunderts in seinem Oratorium vertonte.

Elias: Das ist ein sendungsbewusster und gegenüber den gegnerischen Baals-Priestern unversöhnlicher Prophet – ein Fundamentalist, würden wir heute sagen. Als Paraderolle erweist er sich für den vom Regensburger Theater bestens bekannten Adam Kruzel. Er gibt dem Elias mit seinem Heldenbariton eifernde, kraftvoll-markante Gestalt, selbst dort noch, wo im zweiten Teil eigentlich Töne des Selbstzweifels angesagt wären.

Ein eindringliches „Höre Israel“

Viel Aufgewühltes und Dramatisches ertönt auch aus dem präzise auf Frohns Dirigat reagierenden Orchester, dazu viel pathetisch Feierliches, das breit und pastos entfaltet wird. Nicht weniger punktgenau agiert der von Marianna Maxim miteinstudierte Chor. Kraftvolle Unisoni und große plakative homophone Klangflächen gestalten die Sängerinnen und Sänger, verbinden hier jedoch stets Eindringlichkeit mit Klangkultur. Am Gegenpol der dynamischen Skala stehen Sätze wie „Wer bis an das Ende beharrt“, wo der Chor ein tragendes, warm leuchtendes Piano vernehmen lässt. Abgerundet wird die Leistung noch durch die Reaktionssicherheit, welche die einzelnen Stimmen dort zeigen, wo Mendelssohns Satz sich polyphon auffächert.

Am meisten Wandlungsfähigkeit muss unter den Vokalsolisten Vera Egorova (Mezzosopran) mitbringen, die einerseits mit mildem Ton von Erlösung kündet, zum anderen später in die Rolle der gegen Elias hetzenden Königin Isebel schlüpft. Bestens gefällt auch Katharina E. Leitgeb-Cardinis Sopran, deren eindringliches „Höre Israel“ im Ohr bleibt. Juan Carlos Falcóns Tenor besticht sowohl mit innig-lyrischen Tönen wie mit klarer Diktion in den Rezitativen. Die kurze Rolle des Knaben gestaltet Naemi Schlichting, wirkungsvoll auf der Kanzel postiert, mit klarer, schlanker Sopranstimme

Das Feuer wärmt die Zuhörer

Besonderen Zauber üben jene Nummern des Oratoriums aus, die einzeln populär geworden sind: das klangschwelgerische Doppelquartett „Denn er hat seinen Engeln“, das dynamisch gestaffelte „Heilig“ oder das von einem kleinen Frauen-Ensemble angestimmte Terzett „Hebe deine Augen auf“. Freilich: gegen Schluss des Werks gibt es einige Nummern, die ähnlich hohe Inspiration vermissen lassen, was wohl auf das Konto des dramaturgisch den Faden verlierenden Textbuchs geht. Doch der Schwung der Aufführung in der Herz-Jesu-Kirche trägt problemlos darüber hinweg. So voll Feuer erklingt der Schlusschor, dass man nahezu vergisst, wie kühl es einem nach zwei Stunden bewegungslosen Lauschens inzwischen geworden ist.

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