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Zwischen Trash und Werbeästhetik

Der Blick in die Region zeigt ganz unterschiedliche künstlerische Herangehensweisen. Die Themen sind teilweise existenziell, teilweise abseitig.
Von Fred Filkorn, MZ

  • Nicht nur ein Spaß für Brillenträger: „Die Linse“ beruht auf einer wahren Begebenheit.
  • Am Ende erfolgreiches Brainstorming bei Rotwein: „Wir machen’s diesmal einfach anders!“

Regensburg.Wenn man so etwas wie einen roten Faden im vielfältigen Regionalprogramm der Kurzfilmwoche finden wollte, dann wäre das vermutlich der Tod. Kein anderes Thema bewegt den Menschen so stark wie der Tod, neben der Liebe natürlich.

Auch der Heimatfilm muss sich immer wieder mit Gevatter Tod auseinandersetzen, gerne im Kontext gesellschaftlicher Dissidenz. In „Mord aus Angst“ hat der König von Bayern 1840 ein absolutes Jagdverbot erlassen. Die Untergebenen halten sich nicht daran, weil sie Hunger haben. Dieser Widerspruch kostet einen Gendarm das Leben. Zur Armut gesellt sich in „Bauernsterben“ die häusliche Gewalt. Die Frauen am Hof akzeptieren nicht länger ihre Unterdrückung und greifen zum Spaten. Der Fünfminüter „König Ludwig“ ist zwar historisch betitelt, hat aber mit dem Bayern-Kini wenig zu tun. Der aus der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ bekannte Sepp Schauer sucht sich in der freien Natur eine letzte Ruhestätte. Der nicht minder fernsehbekannte Hans Schuler begleitet ihn.

Ganz ungezügelt fantasievoll

Wie schwer es ist, über den Verlust eines geliebten Menschen hinwegzukommen, zeigt die Parsbergerin Sabine Ehrl in ihrem englischsprachigen Film „The Girl Who Cried Wolf“. Dorothy (Katharina Sporer) lässt sich in der Therapiesitzung zunächst abenteuerliche Geschichten einfallen, bis sie schließlich mit der wahren Todesursache ihres Vaters herausrückt.

Um mit dem Tod klarzukommen, muss man ihn auch mal ins Lächerliche ziehen. Im Fake-Porträt „Der Dienstleister“ offenbart sich der Protagonist als eine Mischung aus Auftragskiller und Tatortreiniger. Der Zombiefilm „Generation Mutation“ beginnt stilecht mit Comic-Splatter-Typographie und dem punkig hingerotzten Titelsong „Die Nacht der lebenden Toten“. Die umherwankenden Untoten tragen blutig verschmierte Faschingsgruselmasken und auch die Unheil verkündenden TV-News wirken wunderbar improvisiert. Überhaupt muss man den Filmemachern Alex Lotz und Alex Schäble zugute halten, dass sie ihrer Fantasie freien Lauf gelassen haben. Einfach so zu tun, als befinde man sich in einem Vorort von Los Angeles und sein Bier dann um die Ecke bei Norma zu kaufen, ist große Klasse.

Das Gegenteil dieser unbekümmerten Kreativität kann man im Genre des Werbeclips und Imagefilms sehen. Zwei hochglänzende Exemplare sind heuer im Regionalfenster vertreten. „Reactions“ wirkt mit perfektem Model-Mann und melancholischer Klaviermusik wie ein hipper Werbespot fürs Heiraten. „Entspannt & Locker“ pflügt der 65-jährige „Freerider“ Werner mit seinem hochgetunten Mountainbike durch den unbefleckten Wald. Knackige Hip-Hop-Beats pimpen das zum Lifestyle auf.

Witzige Werbung für Regensburg

Dann doch lieber der witzige Senioren-Rap vom Regensburger Tausendsassa Erhard Bablok, der gekonnt mit sexistischen Gangsta-Rap-Klischees spielt und seine Familie den Backgroundchor mimen lässt. In schlabberigen Boxer-Shorts, Badeschlappen und cooler Sonnenbrille nimmt Meister Erhard an seinem Rollator Reißaus. Im Hintergrund heulen die Polizeisirenen, „Motherfucker, Motherfucker“ weht durch den Refrain.

Mit satten Hip-Hop-Beats beginnt auch der Schulprojektfilm „L1EBE54NFR4GE“ des Gabelsberger-Gymnasiums Mainburg, der das Online-Chatten gekonnt in traumartige Bilder übersetzt. Und natürlich auch eine Botschaft bereithält: Stehe zu dir wie du bist! Auch Kurzfilmwochendauergast Erik Grun hat sich einem pädagogischen Thema verschrieben: Mit „Ziemlich beschissene Freunde“ setzt er ein Zeichen gegen Behindertenfeindlichkeit.

„Wir machen’s diesmal einfach anders!“, haben sich Sebastian Knopp und Sebastian Klug gedacht, um endlich einmal den Hauptpreis des Regionalfensters zu gewinnen. Dabei orientieren sie sich am allzu glatten Gewinnerfilm des vergangenen Jahres, einen Imagefilm über Fußballer Tobias Schweinsteiger. Clever stellen die Filmemacher den Prozess des Findens einer Filmidee in den Mittelpunkt. Aus der selbstreferenziellen Meta-Ebene entspringt dann aber tatsächlich ein netter kleiner Werbeclip, den die Stadt Regensburg ohne weiteres fürs Stadtmarketing verwenden könnte.

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