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Konzert

Auf dem Weg in den Streichquartett-Olymp

Das junge Aris Quartett beschließt die Museumsserenaden mit Leidenschaft und Herzblut – und wird im Reichssaal von der Zuhörerschaft bejubelt.
Von Gerhard Dietel, MZ

Das Aris Quartett

Regensburg. Perfekt gearbeitet, aber ein bisschen glatt, schön, aber ohne Tiefe: Solche Vorurteile werden der Musik Mendelssohns oft entgegengebracht. Keine Spur davon ist zu bemerken, wenn das Aris Quartett beim Schlusskonzert der diesjährigen Museumsserenaden Mendelssohns Streichquartett op. 44/2 darbietet. Die vier noch jungen Musiker, die auf gutem Wege sind, den Streichquartett-Olymp zu erklimmen, musizieren vom ersten Ton an mit Leidenschaft und Herzblut. Aufgewühlt, geradezu unwirsch klingt Vieles, nur vereinzelte Inseln seligen Singens tauchen in diesem Sturm der Leidenschaften auf. Über allem Temperament verlieren Anna Katharina Wildermut und Noemi Zipperling (Violinen), Caspar Vinzens (Bratsche) und Lukas Sieber (Cello) jedoch nie den Kunst-Charakter der Komposition aus dem Auge: Sie lassen auch die kontrapunktischen Verzahnungen der Stimmen deutlich werden und arbeiten die Wechsel von Führungs- und Begleitrollen im Satzgefüge klar heraus.

Leise Klanggespinste, Hauche, Seufzer

Musik der Gegenwart steht im Zentrum des Abends: György Kurtágs „Officium breve“, geschrieben zum Angedenken an den verstorbenen ungarischen Komponisten-Kollegen Endre Szervánszky. Die einleitenden Erläuterungen des Cellisten Lukas Sieber machen dem Publikum im Reichssaal (wo die Museumsserenaden heuer Asyl genießen) den Zugang zum Werk leichter. Eine Grundstimmung stiller Trauer lässt das Aris Quartett vorherrschen, was Momente des Aufschreiens und Aufbegehrens nicht ausschließt. Ganz leise Klanggespinste vernimmt man über weite Strecken, kurze Gesten, Seufzer und Hauche, Reibungen und mikrotonale Schwebungen, bis dies alles im finalen „Arioso interrotto“ in ein jählings abbrechendes Zitat aus Szervánszkys „Streicherserenade“ mündet.

Entspannter, was keinesfalls spannungslos heißen soll, geht es dann wieder bei Mozarts Klarinettenquintett zu, bei dessen Interpretation sich der Klarinettist Christian Claus zum Aris Quartett gesellt. Einen zarten Klangteppich breiten die Streicher vor ihm aus, den Christian Claus gleich mit einem kecken Solo betritt. Hurtige, springlebendige Passagen quer durch die Register lässt er vernehmen, vermag den Ton seines Instruments aber auch zart abzuschattieren oder, im „Larghetto“, tragende melodische Bögen zu spannen.

Ohne Zugabe lässt man sie nicht gehen

Ein weites Ausdrucksspektrum zwischen Kraft und Grazie durchmessen die fünf Musiker und lassen die Final-Variationen des Quintetts nochmals zum Kosmos im Kleinen werden: dessen freches Gassenhauer-Thema wissen sie gleichermaßen ins Moll zu verschatten und übermütige Kasperliaden vollführen zu lassen, zum innigen Adagio-Gesang umzuformen wie zum abschließenden Geschwindmarsch. Beifall und Jubel beim Publikum im Reichssaals: Da bleibt den Musikern nichts übrig, als die letzte Hälfte von Mozarts Schlusssatz zu wiederholen.

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