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Ausstellung

Augen mit Eigenleben überall

„Transparente Erosionen“: Die Regensburgerin Jutta Kohlbeck zeigt in der Sigismundkapelle Quilts, Zeichnungen und Mixed-Media-Arbeiten.
Von Gabriele Mayer, MZ

Jutta Kohlbeck vor ihrem Werk „Seeleninfarkt“ Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die Regensburger Künstlerin Jutta Kohlbeck holt ihr Material vorzugsweise aus dem Stoffgeschäft und ihr Handwerkszeug aus dem Nähkästchen. Kleinteilig sind diese Arbeiten. Bisweilen handelt es sich auch um Zeichnungen, deren Motive etwa wie aufgeplatzte Muscheln wirken, die einen phantastischen, organisch anmutenden Mikrokosmos feiner labyrinthischer Strukturen offenbaren.

Dieselbe Machart findet sich bei einer Zeichnung, die aus Vertikalen und Horizontalen besteht, die zugleich ins Dreidimensionale ragt und in der etwa die Wurzeln, die aus dem Straßenpflaster hervorbrechen, menschliche Köpfe erhalten. „Unter der Oberfläche“ heißt das Jahresthema in der Sigismundkapelle, „Transparente Erosionen“ die Ausstellung von Jutta Kohlbeck.

Auch die Näharbeiten könnte man als Assemblagen und Collagen bezeichnen, in die oft Fotos aus Zeitschriften eingenäht oder aufgeklebt sind. Reizvoll ist eine Komposition mit schwarz schimmerndem, bauschigem Vlies als Untergrund. In der Mitte erstreckt sich von oben nach unten eine Art Band, das mehrere untereinander gruppierte Reihen mit jeweils einem, aus einer Zeitschrift ausgeschnittenem Augenpaar enthält, das aus dem Schwarz des Untergrunds herausblickt. Und darüber liegen in der Vertikalen dünne Glitzerfäden wie die Abschlusskanten eines Schadors. Geheimnisvoll schauen uns die Augenpaare an.

Augen, das sind wohl die häufigsten Motive in dieser Ausstellung. Sie bevölkern auch die kleinen Quilts, die durch die Nähte ihre Strukturen erhalten, die sich zu Kreisen, Strahlen und Ornamenten verdichten, um die sich dann andere aufgenähte Elemente schichten. Quilts, das sind Stoffdecken, die einst die europäischen Einwandererfrauen in der neuen amerikanischen Welt aus alten Flicken kunstvoll zusammennähten. Sind Quilts ähnlich wie die marokkanischen Teppiche einer der Vorläufer der ungegenständlichen Kunst? Die Frage wartet weiterhin auf Klärung.

Jutta Kohlbeck jedenfalls verwendet die Quilt-Technik eher in einer erzählerischen Art, in der sie dann auch die kleinen Applikationen anordnet: das können Fotos von Haushaltsgegenständen oder von Schnapsflaschen sein – oder von Augen: als Blicke, die uns begegnen, als wären es unsere eigenen, als Augen, die an uns vorbeizugehen scheinen auf Stöckelschuhen, so als wären es selbstständige Wesen. Akribisch genau genäht und gezeichnet ist hier alles Kleinteilige, souverän wird die Technik gehandhabt. Weniger brav aber könnte das Ganze sein.

Zu sehen ist die Ausstellung bis 30. November in der Sigismundkapelle im Thon-Dittmer-Palais, Haidplatz 8, Regensburg; Öffnungszeiten: Mi.-Fr. 17-19 Uhr, Sa. 11-16 Uhr

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