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Bauten der 20er-Jahre werden plastisch

Architekturstudenten der FH tragen mit originalgetreuen Modellen aus Pappe zur großen 20er-Jahre-Schau bei.
VON FLORA JÄDICKE, MZ

Sie arbeiten für die 20er-Jahre-Ausstellung, die am 30. Januar beginnt: Roman Moosbauer (2.v.l.), Joachim Buck (4.v.l.), Prof. Thekla Schulz-Brize (3.v.r.) und Koordinator Anton Zimmermann (r.) mit FH-Studenten. Foto: Jädicke

REGENSBURG. Wenn in wenigen Wochen die 20er-Jahre-Ausstellung eröffnet wird, sollen die Besucher im Kunst- und Gewerbeverein einen Eindruck davon bekommen, wie, warum, wo und unter welchen Bedingungen im Regensburg der 20er-Jahre gebaut wurde. Zwei Semester lang haben sich 15 Architekturstudenten der FH zusammen mit dem Historiker Roman Moosbauer, Künstlern und dem Kunst- und Gewerbeverein mit dem Thema befasst. Zunächst mit dem historischen Hintergrund, dann mit der Ausstellung selbst. Jetzt, kurz vor der Eröffnung im Januar nahmen sie ihr Werk im alten Ballettsaal des Kunst- und Gewerbevereins unter die Lupe.

Dort liegen Siedlungs-Pläne auf dem Boden. Luftbilder von Regensburg zum Vergleich daneben. In der Mitte des Raumes wurde unter einer Decke ein Galgen angebracht. Von dort aus sollen die drei originalgetreuen Pappmodelle der Siedlung Margaretenau, der RT-Halle und des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder angestrahlt werden. Letzteres ist noch nicht fertig, denn die Arbeit ist kleinteilig und präzise. Drei Modellbauer und zwei Zeichner haben ein Vierteljahr daran gearbeitet. Am Modell der Margaretenau werkelten sie sogar ein halbes Jahr. Möglich ist das nur, weil es an der FH einen so genannten „Laser-Cutter“ gibt, erklärt Thekla Schulz-Brize, Professorin für Architektur. Damit lässt sich Pappe millimetergenau schneiden. Gleichzeitig fräst die Maschine aber auch Details wie Simse und Sprossen-Fenster. Die Professorin wirbelt zwischen den Studenten herum: „Die Fahnen und Tableaus hängen schief.“ Also wieder rauf auf die Leiter und nachjustieren. Erst jetzt sieht man, wo es noch hapert. Bilder von den Siedlungshäusern sind zu pixelig, Schriftzüge und Bildkanten nicht auf gleicher Höhe.

Nach Weihnachten sollen alle Infotafeln gedruckt und auf Textilleinwände gezogen werden. „Bis dahin muss alles noch einmal überarbeitet werden“, sagt Prof. Schulz. Die Studenten sind begeistert bei der Sache. „Viel Motivationsarbeit musste ich da nicht leisten“, sagt sie. Für sie bedeutete die Arbeit an der Ausstellung vor allem „dass sie etwas bauen konnten, was auch wirklich gebraucht wird“.

Besonders spannend aber war der Kontakt zu den Künstlern und Persönlichkeiten wie Hans Hayder, dem Sohn des Begründers der „Arber-Siedlung“.

Während die Studenten die Grafik kontrollieren, erläutert Joachim Buck, Architekt und Abteilungsleiter Bauleitplanung beim Regensburger Stadtplanungsamt, die Pläne zum Siedlungsbau der 20er Jahre. Sie zeigen Planungsvisionen und Ausführungen aus den Jahren 1919, 1925 und 1936. Ursprünglich sollte sich Regensburg nach Norden ausdehnen, schließlich ging es in die entgegengesetzte Richtung. Die Verteilung der Siedlungen wird durch eine Plexiglasscheibe deutlich. Dort sind sie rot markiert aufgetragen. Der Besucher kann die Scheibe über jeden historischen Plan schieben und so Lage und Größe einordnen.

Die Ausstellung wird aber weit über die Darstellung der Stadtentwicklung hinaus gehen. „Wir werden beispielsweise auch zeigen, welche Bausünden in den 70er Jahren verhindert wurden“, kündigt Klaus Caspers an, der nicht nur 3. Vorsitzender des Kunst- und Gewerbevereins ist, sondern auch Ideengeber und Hauptorganisator der Schau.

Roman Moosbauer, der die Ausstellung kuratiert, sorgt dafür, dass Konzept und Begleitbuch auf wissenschaftlich gesichertem Boden stehen. Das Begleitbuch zur Ausstellung mit 320 Seiten ist am Freitag erschienen. Nun gibt es bis zur Eröffnung zwar noch einiges zu tun. Die Generalprobe aber bot bereits einen Appetit anregenden Vorgeschmack.

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