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Edle Karossen, preiswerte Blechkisten

Lauter Augenweiden: Die Oldtimer in der Minoritenkirche
Von Thomas Dietz, MZ

  • Geballte Motorkraft der 20er: Rechts der prachtvolle Horch 305 mit 3924 ccm HubraumAlle Fotos: altrofoto.de

Regensburg. Endlich ist es so weit: Heute um 11 Uhr wird in der Minoritenkirche des Historischen Museums die Ausstellung „Motorisierte Mobilität der 20er-Jahre“ eröffnet. Die Oldtimer – Autos, Motorräder, Fahrräder, Traktoren – gehören zum Begleitprogramm der großen Ausstellung „Es ist eine Lust zu leben – 20er-Jahre Regensburg“, die alsbald ihren 5000. Besucher begrüßen wird.

Hier dominiert die Lust zu schauen: „Es ist verblüffend, welche kostbaren Stücke man in Regensburger Privatsammlungen finden kann“, strahlt Klaus Caspers vom Kunst- und Gewerbeverein. Alle Wagen stammen aus Regensburg oder Umgebung; der edle Horch 305 Landaulet von 1928 (acht Zylinder, aber nur 80 PS) ist eine Leihgabe von Audi in Ingolstadt, die aber von der Firma „Autowelt Jepsen“ vermittelt wurde. Man ist ja beschämt, dass man in Straßenkleidung vor diesen Luxuswagen tritt. Ein Blick ins Innere und man spürt die ungebrochene Autorität dieses Automobils, die eigentlich nur Abendgarderobe duldet.

Aus „Dapolin“ wurde 1928 „Esso“

In den 20er-Jahren, besonders in den „Goldenen“ (1924-29), begann die Bevölkerung, mobil zu werden. Gewiss nicht mit der Marke Horch, aber mit kleinen, erschwinglichen Wagen wie dem BMW Dixi, dem legendären Hanomag „Kommissbrot“ oder dem Opel, der „Laubfrosch“ genannt wurde, weil die ersten Modelle alle klein und grün statt groß und schwarz waren. Angeblich war der Entwurf vom französischen Autohersteller Citroën geklaut, der seine Modelle zitronengelb lackierte. Daher könnte die Redewendung „Dasselbe in Grün“ herstammen.

Eine Augenweide sind die herrlichen Motorräder der 20er-Jahre – und alle in einem Zustand wie geleckt. Etwa die schnellen englischen Modelle von JAP, Ariel oder BSA (von der früheren Waffenfabrik Birmingham Small Arms Company), die elegante DKW E300 mit Beiwagen (das Basismodell kostete nur 835 RM) oder die heute noch todschicke NSU 351TS. Ein Unikum ist das Dürkopp Kardan-Fahrrad mit Hilfsmotor (Volksmund: „Doktor-Fahrrad“). Hier erfolgte die Kraftübertragung nicht über eine ölverschmierte Kette (die den weißen Kittel des Arztes womöglich beschmutzt hätte), sondern über eine im Rahmeninneren verborgene Kardanwelle.

Zwei tonnenschwere Bulldogs – ein Lanz HL und ein Lanz HP mit „Knicklenker“ zeigen die Traktorentechnik der 20er-Jahre. Auch in Regensburg existierte eine Zweigniederlassung der Heinrich Lanz AG für diese robusten Ackerschlepper, die nur schwer mit Glühnase und Lötlampe ansprangen, aber bis in die heutige Zeit in unverwüstlicher Treue ihren Dienst tun.

Zwei Tanksäulen komplettierten das 20er-Jahre-Bild der Motorisierung, als über dem Eingang der Minoritenkirche das Schild „Kraftverkehr Bayern, Geschäftsstelle Regensburg – Vermietung von Kraftwagen aller Art, auf jede Zeitdauer an Jedermann“ stand. Die „Eiserne Jungfrau“ der Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG (später: Shell) und der „Big Ben“ der Deutsch-Amerikanischen Petroleum Gesellschaft mit ihren Marken „Dapol“ und dem amerikanischen Benzin „Dapolin“ (mit einem Indianerkopf als Signet). Daraus wurde im September 1928 das rot eingefärbte „Esso“.

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