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Ein kleines Heft, eine große Kostbarkeit

Die Hölzel-Stiftung schenkt dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie „Dachauer Skizzenbuch“.
Von Ulrich kelber, MZ

Walter Pöhler (links), der Vorsitzende der Stuttgarter Adolf-Hölzel-Stiftung, überreichte das Dachauer Skizzenheft an Sammlungsleiter Dr. Gerhard Leistner und Dr. Andrea Madesta, Direktorin des Kunstforums. Foto: altrofoto.de

Regensburg.„Wir freuen uns über die Ausstellung zum 75. Todestag von Adolf Hölzel“, betonte Walter Pöhler, der Vorsitzende der Stuttgarter Hölzel-Stiftung. Im Vorfeld der Ausstellungseröffnung am Sonntag (11 Uhr) übergab er am Freitag dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie eine wertvolle Schenkung: ein „Dachauer Skizzenbuch“. Das geschah auf Wunsch der hoch betagten Künstler-Enkelin Doris Dieckmann-Hölzel, die aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Regensburg kommen konnte.

Als „eines der schönsten Stücke“ aus dem Nachlass rühmte Pöhler das kleine Heft. Weil es so kostbar ist, muss es im Depot der Graphik-Sammlung sicher verwahrt werden. Damit man die Zeichnungen aber dennoch in Ruhe betrachten kann, wurde ein Faksimile erstellt. Beim Blättern sieht man viele Dachauer Motive: Kirchen, Dörfer in der Hügellandschaft an der Amper oder weite Moorflächen mit mächtigen Bäumen.

Adolf Hölzel lebte von 1887 bis 1905 in Dachau, wo er 1896 mit seinen Künstlerfreunden Ludwig Dill und Arthur Langhammer die Malergruppe „Neu-Dachau“ gründete. Das Skizzenbuch stammt aus dem Jahr 1897. Reizvoll sind die Zeichnungen, sie sind gar nicht skizzenhaft, sondern ausgearbeitet mit höchster Präzision. Die Motive wecken nicht allein das historisch-nostalgische Interesse, sie geben auch genaue Auskunft über Hölzels experimentellen Weg. Unterschiedliche Versionen einzelner Skizzen offenbaren, wie der Künstler die Veränderungen in der Gesamtwirkung eines Bildes untersucht, die sich durch die Variation von Raum, Fläche und Form ergeben. „Hölzel ist in seinen Ideen immer jung geblieben“, konstatiert Walter Pöhler. Und er verrät, dass da wohl noch einige Entdeckungen zu machen sind: „Im Nachlass liegen noch 1200 Blatt, die bislang niemand gesehen hat.“

Hölzel war ein wichtiger Kunstpädagoge, zu dessen Schülern Emil Nolde, Ida Kerkovius, Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Johannes Itten gehörten. Das Fortwirken von Hölzels Ideen in der Kunst der Gegenwart, sieht man in einer Art Hommage von Ben Muthofer. Der 72-jährige Bildhauer und Maler, der vor wenigen Monaten dem Kunstforum ebenfalls eine große Schenkung gemacht hatte, nutzt für seinen Beitrag den Raum, in dem sonst Dan Flavins Lichtinstallation „Für Otto Freundlich“ zu sehen ist.

Muthofer, der vor allem durch seine „Licht-Stelen“ von sich reden macht, nennt seine Installation „Kaleidoskopische Visionen“ – wie auch Hölzel bei seinen Bildern den Begriff „Kaleidoskop“ verwendet hat. „Bei Hölzel diente die Leinwand als großes experimentelles Feld“, erklärt Ben Muthofer, doch ihm selbst als Künstler von heute geht es um „neue Medien und deren Möglichkeiten.“ So komponiert Muthofer „Farbflächenfilme“. In der Video-Installation im Kunstforum mit ihrem ständigen Wechselspiel von Formen und Farben sieht er eine „Ergänzung“ zu Hölzel, „weil Bewegung dazukommt.“

Bildhauer Muthofer, der zur Zeit in Ingolstadt lebt, liebäugelt damit, nach Regensburg zu ziehen und schwärmt von der „faszinierenden Stadt“. Er hofft, ein geeignetes Atelier zu finden – ein altes Hafengebäude oder eine alte Metallwerkstatt. Wenn’s klappt, könnte Regensburg stolz sein auf einen bedeutenden Künstler.

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