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Antike Wesen in modernen, verfremdeten Formen

650 Menschen kamen zur Vernissage in die Ostdeutsche Galerie – um Markus Lüpertz und seine Ausstellung zu sehen.
Von Thomas Dietz, MZ

Lüpertz signiert den Ausstellungs-Katalog. Links seine Frau Dunja

Regensburg. Daphne überragte alle um eine Körperlänge. Die 3,50 Meter hohe Bronze-Skulptur sah auf knapp 650 Gäste herab, die sich am Donnerstagabend im Kunstforum Ostdeutsche Galerie drängten. Kein Problem für die Klimatechnik des Museums mit Wandheizung und automatischem Luftaustausch. Auch hatten die Menschen brav ihre nassen Sachen an die Garderobe gehängt.

„Markus Lüpertz: Mythos und Metamorphose“ – wie ein mächtiges Urgewächs steht sie da, Daphne, das Staatsstück, auf das man hinter der ersten Glastür links gleich zuläuft; sie löst bei den kunstgeübten oder wenigstens kunstinteressierten Vernissagebesuchern Zuneigung und Ablehnung aus. „Eine seltsame Ästhetik“, räsoniert ein stadtbekannter Kunstgeschichtler mit Dr. vorne dran, der, wie die meisten Regensburger, keinesfalls mit Namen erscheinen möchte, „das ist eine Ästhetik, die mit faschistischen Formen spielt. Die Kraft, die die kleinen Daphne-Figuren haben, verliert sich mit wachsender Größe. Und bei 3,50 Meter ist alles längst fade und langweilig.“ – „Mir gefällt das Antikische in modernen, verfremdeten Formen“, meint hingegen Verlagsberater Dr. Konrad Färber. „Den Bogen, den Lüpertz zwischen archaischen, idealen Figuren und der Moderne spannt, finde ich bedeutend und wichtig.“

Direktorin Dr. Andrea Madesta lobte die Arbeiten dieses vollkommen eleganten Künstlers im Gehrock mit Vatermörderkragen und den üblichen, erlesenen Accessoires wie schwarzes Einstecktuch, schwerer Schmuck und dem lustigen Spazierstock mit Hasenkopf: „Er gilt national und international als einer der Wichtigsten“, sprach sie mit dem begründeten Stolz, ein solches Kunstkaliber nach Regensburg geholt zu haben und „von der Revitalisierung der traditionellen Rolle des Genies“. Sie schloss mit den Worten: „Markus! Wir sind heute alle nur wegen Dir hier. Die Ausstellung ist eröffnet.“ Lüpertz, der dabei nur ab und zu seiner schönen Frau Dunja zugezwinkert hatte, erwiderte nichts. „Das geht auch nicht“, sagte er später. „Du wirst gefeiert und ergänzt das Lob noch mit eigenen Worten. Das mache ich nie.“

„Wie klaut man eine Million“

Bei Sekt und Croissants waren nun schon die unterhaltsamsten Diskussionen über Lüpertz, Lüpertz’ Kunst, Lüpertz an sich und Lüpertz als solchem im Gange. Einhellig konnte man hören, wie vorzüglich die Ausstellung gestellt und gehängt sei – und von jenem bekannten Effekt, dass die Skulpturen mit längerer Betrachtung immer schöner würden, ja mit einem kommunizierten, also praktisch ein Gespräch begännen – hoppla!

„Vor jeder Figur muss man neu lächeln“, sagte die Bürgermeisterin a.D. Brigitte Schaefer, während der Künstler und immergrüne Stadtrat Jürgen Huber meinte: „Mit meinen Arbeiten bin ich näher an der zeitgenössischen Kunst dran. Ich finde auch die kleinen Figuren schöner. Die haben dieses Pathos gar nicht nötig.“ In der Tat werden die kleinen Daphnes auf den weißen Holzsockeln vom Publikum nachgeradezu umschmeichelt und umworben, man schleicht gewissermaßen um sie herum. Eine Dame überlegte ironisch: Die würde genau in meine Tasche passen. Und ich ersetze sie durch eine bemalte Knetgummi-Figur. Das würde vielleicht erst gar nicht auffallen – so ähnlich wie in dem Film „Wie klaut man eine Million“ mit Peter O’Toole und Audrey Hepburn.

„Er hat sich als alter Herr verkleidet“

Nun, weit dürfte sie nach dem ausgelösten Alarm nicht kommen. So weit geht die Liebe bei einer anderen Besucherin nicht, die über die Lüpertz-Skulpturen sagt: „Nein, ich kann mit diesen Wesen nichts anfangen, tut mir leid. Ich liebe den Daniel Spoerri mit seiner ,Eat-Art‘, Yves Klein und das unvergleichliche Blau und auch Otto Dix“ – alles Künstler, die sie im Kunstforum Ostdeutsche studiert hat.

Inzwischen ist Brigitte Schaefer wieder da: „Lüpertz hat sich als alter Herr verkleidet“, meint sie; der Schalk blitzt in ihren Augen. Und der Tegernheimer Künstler Hermann-Rudolf Schwab ergänzt: „Mythos und Metamorphose – das ist er doch selbst.“

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