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Lüpertz-Ausstellung
Samstag, 21. Juli 2018 28° 8

Kunst

Ein stetes Schwimmen gegen alle Ströme und Strömungen

Markus Lüpertz stieß bereits als Student seinen Professoren vor den Kopf, heute verüben brüskierte Bürger Anschläge auf seine Kunstwerke

Markus Lüpertz, Ohne Titel, 1973, Gouache auf Packpapier auf Leinwand, 262,5 x 211 cm Foto: Galerie Michael Werner

Regensburg. Sowohl die Kunst als auch das sorgsam aufgebaute Image des Künstlergenies Markus Lüpertz provozierten und provozieren immer wieder.

Das begann, als Lüpertz aus seiner Lehre als Maler von Weinflaschenetiketten wegen Talentlosigkeit entlassen wurde. Sein Studium der Malerei an der Kunstakademie in Düsseldorf geriet bereits im ersten Semester zum „riesigen Fiasko“ und fand ein jähes Ende: unter anderem hätte ein Professor „beinahe gekotzt“, weil Lüpertz am Lagerfeuer Cowboys gemalt hatte, wie „Der Spiegel“ 1973 den Künstler zitiert. Sicherlich hätte es sich Lüpertz damals nicht träumen lassen, später als Rektor genau dieser Akademie die Geschicke der Kunstentwicklung mehr als zwanzig Jahre maßgeblich mitzubestimmen.

In den 1960er und 1970er Jahren provozierten seine monströsen Gemälde, die ins Riesige vergrößerte Gegenstände wie Fischgräten, Eicheln, Schneckenhäuser, Stahlhelme und verfremdete Baumstämme zeigen. Mit der Darstellung von monumentalisierten Gegenständen verstieß Lüpertz scheinbar gegen alle Regeln der Nachkriegskunst, die die Ungegenständlichkeit anstrebte und sich gegen jedes Pathos stemmte.

Heutzutage erregt die Kunst Lüpertz‘ vor allem dann Anstoß, wenn die monumentalen Bronzeplastiken auf öffentlichen Plätzen alterwürdiger Städte aufgestellt werden. Zwar tragen die Werke die großen Namen antiker Helden, Götter und Göttinnen oder berühmter Söhne der jeweiligen Stadt. In ihrer Ausführung entsprechen sie jedoch gar nicht den konventionellen Vorstellungen von öffentlichen Denkmälern. 2001 wurde Lüpertz‘ füllige Figur der Liebesgöttin Aphrodite – ursprünglich eine Auftragsarbeit – nicht in der Innenstadt Augsburgs aufgestellt, da Bürger vehement dagegen protestiert hatten.

Die Bronzeplastik „Hommage an Mozart“ wurde 2005 über Nacht lackiert und gefedert, so dass Farbe und Federn die Brüste und die weiblich rund wirkenden Schenkel dieser androgynen Mozart-Interpretation verdecken. Markus Lüpertz hatte die Figur im Auftrag der Stadt Salzburg für den Ursulinenplatz geschaffen. 2006 wurde in Bamberg eine weitere Plastik, die den Kopf des berühmten verstorbenen spanischen Bildhauers Eduardo Chillida zeigt, schwer beschädigt.

Was ist an der Kunst von Markus Lüpertz derart provozierend, dass sie immer wieder nicht nur zum verbalen sondern auch tätlichen Angriff herausfordert? Sie ist oftmals den Konservativen zu progressiv und den Avantgardisten zu konservativ. Dies kann von beiden Seiten als eine Art Majestätsbeleidigung empfunden werden. Gerade das permanente Wandern zwischen den Welten der Tradition und der Avantgarde ist aber die besondere Kunst von Markus Lüpertz. Er arbeitet weitgehend gegenständlich, verwendet traditionelle Materialien und setzt sich mit klassischen Themen der Kunst auseinander. All dies verfremdet er so stark, dass es brachial ironisiert oder gar ad absurdum geführt wird. Seine Kunst verweigert sich damit jedweder Betrachtererwartung. Dieses stete Schwimmen gegen alle Ströme und Strömungen ist der radikale Tabubruch seiner Kunst.

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