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„Das einzig Beständige ist die Veränderung“

Der Künstler Markus Lüpertz ist ein Meister des Paradoxen.

„Baumstamm – dithyrambisch“ aus dem Jahr 1966 von Markus Lüpertz, Foto: Galerie Michael Werner Berlin,Köln & New York

Regensburg.. Eine der bekanntesten Paradoxien lautet „Das einzig Beständige ist die Veränderung“. Das künstlerische Werk von Markus Lüpertz basiert auf diesem Grundsatz des Widersprüchlichen.

Es begann damit, dass sich der Künstler selbst zum Genie erklärte, das der Welt seine Arbeiten zum Geschenk macht. Mit dieser Feststellung führt Lüpertz den Geniekult jedoch ad absurdum, da man üblicherweise durch die Anderen zum Genie gemacht wird. Zudem arbeitete er von Anfang an figürlich, bezeichnete seine gegenständliche Malerei aber als seinen Beitrag zur Abstraktion.

Was meint er damit? Gegenstände und Formen wie einen einfachen Baumstamm nimmt Lüpertz aus ihrem Gesamtzusammenhang heraus und malt sie stark vergrößert und vereinfacht mit Ölfarben auf die Leinwand. Diese Vorgehensweise nennt er „dithyrambisch“. Das Wort ist abgeleitet vom griechischen „Dithyrambus“, dem ekstatischen Lobgesang auf den Gott Dionysos. Unter seiner „dithyrambischen Malerei“ versteht Lüpertz im übertragenen Sinne sowohl das ausgelassene „Feiern“ der Malerei und Kunst im Allgemeinen, als auch das „Feiern“ des Gegenstandes.

Seine Vorstellungen legte Lüpertz 1965 mit einem offiziellen Manifest dar, in einer Zeit, als das Ungegenständliche als wegweisend, modern und politisch korrekt galt. Die monumentalisierten Gegenstände nennt er seinen Beitrag zur Abstraktion, weil sie isoliert und vergrößert im herkömmlichen Sinne unsinnig geworden sind. Ein sinnloser Gegenstand ist aber paradox und für Lüpertz daher gleichzusetzen mit dem Ungegenständlichen. Diesen künstlerischen Kniff kann man an dem Gemälde „Baumstamm dithyrambisch“ von 1966 entdecken, das auch nach der Sonderausstellung weiterhin in der Schausammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie zu sehen ist.

Mit dem Stilmittel des Paradoxen führt uns Markus Lüpertz auch vor Augen, wie stark wir auf einen klassischen Schönheitsbegriff festgelegt sind: Er schafft Formen, die diesen Vorstellungen entgegenstehen. Gleichzeitig postuliert er für seine Figuren, sie würden die Schönheit des 20. und 21. Jahrhunderts verkörpern.

Mit seinen „hübsch-hässlichen“ Bronzeplastiken wie Ganymed, Apoll, den drei Grazien oder der Daphne hebt er die Grenzen der Vorstellung vom Schönen und Hässlichen auf. Mit seinen oftmals widersprüchlich androgynen Figuren wie dem Apoll oder der Daphne verwischt er bewusst die Geschlechtergrenzen.

Markus Lüpertz macht uns mit seinen Arbeiten immer wieder deutlich, dass wir uns in komplexen und vieldeutigen Systemen bewegen und dass unser Denken, Fühlen und Handeln von Paradoxien bestimmt ist. Seine Arbeiten zeigen uns zudem die „Unfassbarkeit“ des Daseins, da sie sich uns und unseren Vorstellungen entziehen, sobald wir glauben sie geistig „erfasst“ zu haben. Wegen dieser Vieldeutigkeit ist die Kunst von Markus Lüpertz sowohl zeitgemäß als auch zeitlos.

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