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Nur das Genie darf die Regeln brechen und neue erfinden

Sein Auftreten und seine Werke provozieren: Sich selbst inszenierend führt der Maler und Bildhauer Markus Lüpertz eine Künstlertradition fort
Von Dr. Andrea Madesta,Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Markus Lüpertz inszeniert sich erfolgreich als genialischer Künstler. Foto: dpa

Regensburg.. Seit 50 Jahren steht Markus Lüpertz im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. In den vergangenen Jahren hat es heftige Diskussionen um sein Werk gegeben, wie zum Beispiel um die Aphrodite in Augsburg oder um seinen Mozart in Salzburg. Souverän und wirkungsvoll bewegt sich Markus Lüpertz auf dem Parkett der Bourgeoisie. Auf diesem entzündet er Kontroversen, die nicht selten in einer Polarisierung gegenüber seinem Werk oder seiner Person münden.

Allein sein Auftritt provoziert. Man muss es nicht mögen, dass bekennerische Genie, die altdeutsch anmutende Maskulinität, den Gehrock, den Hut und den Stock mit dem Silberknauf. Aber man sollte wissen, dass dieses von Markus Lüpertz so offen zur Schau gestellte Selbstverständnis mit der Rolle des Künstlers seit Jahrhunderten aufs engste verbunden ist.

Markus Lüpertz trägt in seiner Selbstdarstellung Vorstellungsbilder einer bürgerlichen Gesellschaft zur Schau, die er persönlich nicht erfunden hat, sondern erneut reklamiert. Dieser Rückgriff basiert nicht allein auf der Tradition des Klassizismus, sondern markiert auch einen wesentlichen Moment in der Klassischen Moderne.

In der heftigen Auseinandersetzung um die Abstraktion haben sich die Traditionalisten ebenso wie die Vertreter der Avantgarde vor der Perspektive der Kunst und ihrer Geschichte gleicher Vorstellungsbilder bedient. Es sind die Avantgardisten wie Wassily Kandinsky, Paul Klee, auch Ernst Ludwig Kirchner und viele andere, die in den 1910 und 1920er Jahren die Genialität beschwören und das Genie für sich behaupten.

Nur über das Genie können Traditionen erneuert und verändert werden. Nur das Genie darf die Regeln brechen und kann neue erfinden. Es ist der Genius, der sich aus der Tradition herausbildet, diese behauptet und sich zugleich als deren Überwinder feiern lässt. Dieses Paradoxon illustriert einen Moment von Widerspruch, der in der kulturhistorischen Erzählung, in der Darstellung von Entwicklung und Erneuerung eingeschrieben ist. Dieser Umstand ist nicht den Künstlern anzulasten. Weder in der Vergangenheit noch heute.

Elegant spielt Markus Lüpertz sowohl in seinem Werk als auch in seinem offen zur Schau getragenen Selbstverständnis als Künstler auf der Klaviatur von Bedeutungszuschreibung, die er geschickt ironisiert und inszeniert und damit den bürgerlichen Beobachter verunsichert. Ein souveräner Schachzug, der sich hinter dem prätentiösen Auftritt verbirgt.

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