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Nymphe, Sieges- und Rachegöttin

Markus Lüpertz’ „Daphne“: Das Motiv in Zeichnung und Plastik

Regensburg. Die Kunst von Markus Lüpertz ist immer für Überraschungen gut. So tritt uns Daphne, in der griechischen Mythologie eine Bergnymphe, als eine Mischung aus Fruchtbarkeits-, Sieges- und Rachegöttin entgegen. Lüpertz erklärt dieses Abweichen von klassischen Vorstellungen und Vorbildern damit, dass er das antike Thema für die Gegenwart tauglich machen will.

In der Regensburger Ausstellung trifft erstmals eine große Anzahl gezeichneter Daphne-Variationen auf die monumentale Bronzeplastik und kleine ebenfalls aus Bronze gegossene Plastiken, die so genannten Bozzetti. In dieser Zusammenstellung eröffnet sich die Möglichkeit, an der Spurensuche des Künstlers teilzuhaben: Er spielt mit der Deformation von Form und Proportion. Die Daphne flüchtet nicht vor ihrem liebestollen Verfolger Apoll, sondern steht entweder ganz für sich alleine oder triumphiert sogar offensichtlich über ihn. Dann nämlich, wenn ihr linker Fuß auf Apolls abgetrenntem, sehr klein geratenem Haupt steht und sie sich demonstrativ abwendet. Diese Pose findet sich sowohl bei den Papierarbeiten als auch der großen Bronzeplastik. Während die Monumentalfigur allein schon wegen ihrer 3,50 Meter Höhe und ihrem Volumen den Betrachter in ihren Bann zieht, erobern sich die Papierarbeiten die Aufmerksamkeit subtiler: Die kleinformatigen, oft aquarellierten Zeichnungen mit Bleistift und Ölkreide sowie die Gouachen vermitteln kraftvolle Dynamik. Ein spontan nervöser Strich tritt in spannungsreichen Dialog, manchmal auch Kampf, mit ungestümen Farbflecken, so dass in diesem Medium die starke Körperlichkeit der Lüpertzschen Daphne ebenfalls deutlich spürbar ist. Die Formen und Flächen scheinen als voluminöse Körper vom Papier in den Raum zu wachsen.

Die Papierarbeiten werden wie die Bozzetti vom Künstler nicht als Skizzen oder Vorarbeiten, sondern als eigenständige Kunstwerke definiert. Er misst allen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten gleiche Bedeutung bei. Im Medium der Zeichnung allerdings kann Lüpertz die Deformation und Auflösung der Formen lustvoll noch viel weiter treiben als bei der Plastik.

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