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Der rote Faden fehlte

Sergej Czepurnyi über „Die Nibelungen“
Von Sergej Czepurnyi

Gunther will Brunhild – Brunhild will Siegfried und der will Kriemhild. Siegfried erobert im Wettkampf Brunhild für Gunther und heiratet Kriemhild. Jahre später wird Siegfried durch seinen Widersacher Hagen bei der Jagd ermordet. Kriemhild rächt sich blutig für ihren Mann an Hagen. So lässt sich das Nibelungenlied schnell erklären.

Als das Stück aus Memmingen beginnt, hat man aufgrund des Bühnenbildes große Erwartungen. Die alten Teppiche und weißen Schleier lassen eine surrealistische Stimmung aufkommen. Diese wird jedoch durch das Auftreten Siegfrieds (Dino Nolting) zerstört. Die Mischung aus Möchtegern-Rockstar und Trümmer-Transe nimmt der Figur jegliche Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit.

Dasselbe gilt für einen Hitler-Hagen (Fridtjof Stolzenwald) und für eine schlecht gezeichnete Anita Berber als Kriemhild (Michaela Fent ).

Die Inszenierung von Walter Weyers wirft bei den Zuschauern viele Fragen auf, da es keinen schlüssigen roten Faden durch das Stück gibt. Auch wenn ein monströser Hund auf der Bühne eine nette Idee ist, wird nicht klar, warum die Tochter Rüdigers geistig behindert dargestellt wird. Der Versuch, das Stück durch einen Erzähler (Anke Fonferek) zu lockern, indem Passagen des Nibelungenliedes erzählt und nicht gespielt wurden, gelang nur teilweise. Auch die plakative schauspielerische Leistung des Ensembles trug dazu bei, dass nach der Pause nur noch ein Teil der Zuschauer im Saal saß.

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