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„Habemus papissam!“

Katharina Sterl über „Die amerikanische Päpstin“
Von Katharina Sterl

„Habemus papissam!“ Klingt seltsam, nicht? Laut dem bitterbösen Stück „Die amerikanische Päpstin“ ist das aber im Jahre 2022 Fakt. Der Papst wird seit nunmehr 20 Jahren nicht mehr per Kardinal-, sondern per Volksabstimmung und nicht mehr auf Lebenszeit, sondern ganz wie der amerikanische Präsident auf vier Jahre gewählt. Nun traut sich das Volk erstmals an eine Frau heran. Sie, die vor einem Trümmerchristentum steht, beschwert sich in einem, dieses Stück ausfüllenden, Fernsehinterview, das ihren Amtsantritt aufzeichnen soll, über die Feigheit der Bürger, die bisher nur Männer als Papst zuließ. Was ihr bleibt, ist, die Fehler und erlassenen Vorschriften der Vorgänger, wie Aufhebung des Zölibats, geweihte „Homoehe“ und das Streichen der Beichte zu revidieren. Sie lässt sich zynisch über die Einstellungen der Menschen zu Gott, ihrer eigenen, etwas anderen Denkweise zu Jesus und zu allgemeinen Glaubensfragen aus, bis sie letztendlich in ihr Papstkostüm schlüpft. Voll in ihrem Amt erhebt sie wieder den verloren gegangenen Unfehlbarkeitsanspruch und schlägt Befehlston an. Die Kameras werden abgeschaltet; die starke Frau sackt leicht in sich zusammen. Wir erfahren: Vor uns steht eine Agnostikerin, die dieses Amt annimmt, um die trostlosen Menschen zu ihrem Glück zu führen, wie sie sagt. Beim Verlassen des Theaters bleibt der schale Geschmack über die Meinung von Glaube, Religion und Papst. Trotz des blickfangenden Bühnenbildes die Frage: Hätte das beredsame Stück nicht als Hörspiel gereicht?

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