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Auszeichnungen

Preisregen nach 16 tollen Theatertagen

Neun Förderpreise und fünf Preise der Jugendjury betonten, was bei den Bayerischen Theatertagen in Regensburg Besonderes zu sehen war.
Von Susanne Wiedamann, MZ

  • Michael Heuberger als König Kreon in „Mein und Dein Herz (Medeia)“ Fotos: Zitzlsperger
  • Rockige Klänge im ehrwürdigen Theater am Bismarckplatz. Bei der „Langen Theaternacht“ war ausgelassene Party angesagt. Foto: Wiedamann

Regensburg.. Es war ein kaum vorstellbarer Preisregen: 14 Preise der beiden Jurys, der Experten- und der Jugendjuroren, und ein Sonderpreis des Theaters Regensburg für den Organisationsleiter der Theatertage, Andreas Frane, prasselten gestern Vormittag im Neuhaussaal auf die Theatermacher nieder. Die Laudationes wie die Danksagungen der Ausgezeichneten gaben viel von der hervorragenden Stimmung wieder, die bei dem Festival in Regensburg herrschte, sowie von dem Besonderen, was qualitätsvolles Theater ausmacht.

16 prallgefüllte Tage, 47 Vorstellungen, mehr als 1000 Theaterschaffende, die während der Bayerischen Theatertage Regensburg zum Mekka für Freunde der darstellenden Kunst machten – Intendant Ernö Weil hatte als Gastgeber vielen zu danken, die mehr als 12000 Zuschauern unvergessliche Erlebnisse geschenkt hatten. Die Theatertage seien ein wahres Fest gewesen, sagte Weil – und spielte damit noch gar nicht auf die rauschende Theaternacht an, in der sich die Theaterbegeisterten bis gestern früh in bester Partylaune mit Karaoke-Singen und Tanz zu Musik von Steffi Denk und Markus Engelstädter vom Festival verabschiedet hatten. Gratulationen gab es für alle Beteiligten von Dr. Hansjörg Kuch von der preisstiftenden LfA Förderbank Bayern.

Bevor die Fachjury die von der LfA mit insgesamt 15000 Euro dotierten Förderpreise bekanntgab, lüfteten die elf Mitglieder der Jugendjury, die unter Leitung von Petra Siegel vom Theater Regensburg und MZ-Redakteurin Katharina Kellner alle Produktionen mit Kritiken begleitet hatten, das Geheimnis, wer von ihnen mit dem mit insgesamt 500 Euro dotierten, von der Mittelbayerischen Zeitung gestifteten Jugendjurypreis geehrt wird. Die Jugendlichen zeigten sich besonders erfinderisch und hatten eine neue Kategorie geschaffen: Den Preis „Rampen.Sau“ für die „Leberkäs verteilende Ernsthaftigkeit“ der Brigitte Hobmeier, für ihre exzellente Leistung in und als „Susn“, die auch von der Fachjury gewürdigt wurde.

Besonders punkten konnten bei den Jugendlichen auch das Staatstheater Nürnberg mit „Die Kontrakte des Kaufmanns“, das Mainfranken Theater Würzburg u.a. mit „Die große Depression“, das Münchner Volkstheater mit „Eros“ und das Theater Pfütze für „Bremer Stadtmusik – Live!“, das auch den Kinderpreis der Fachjury erhielt. Fachjuror und MZ-Redakteur Thomas Dietz lobte es als „hinreißend komisch, glänzend gespielt“.

Die gleichen Namen fanden sich auf der Liste der Fachjury wieder, die fantasievoll auch eine neue Kategorie einführte: den „Großen Hüpfburgpreis für ästhetische Innovation“ für das Theater Erlangen und das Staatstheater Nürnberg, die dieses aufblasbare Spielgerät sinnstiftend in ihre Produktionen eingebaut hatten. „Da bewegt sich was: im Spiel der darstellenden Akteure wie in der Eigenwahrnehmung der Zuschauenden“, sagte Frank Raddatz in seiner Laudatio.

Die Regensburger konnten sich freuen: Einer von vier Darstellerpreisen ging an Michael Heuberger, der mit seinem König Kreon in „Mein und Dein Herz (Medeia)“ beeindruckt hatte. Ausgezeichnet wurde, so Juror Bernd Noack, mit Heuberger ein Schauspieler, „den wir am rechten Bühnenrand gequält in seiner Einsamkeit sahen, die der Preis für seine Macht war: ein Popanz, der sich in seinem Herrscher-Anspruch verheddert, ein Menschen-Spieler, dem die Fäden entgleiten und der an seinem ungelebten Leben so lächerlich erstickt wie an einer Fischgräte.“ Weitere Darstellerpreise erhielten Gerd Lohmeyer, Miriam Wagner und Brigitte Hobmeier.

Der Preis für eine herausragende Gesamtleistung ging an die Beteiligten der Inszenierung „Die große Depression“ des Mainfranken Theaters Würzburg. „Wir werden charmant und ehrlich zum Mitdenken eingeladen, nicht mit Bildern und Ergebnissen abgespeist“, sagte Juror Rainer Mennicken. Das Münchner Volkstheater („Eros“) wurde für die herausragende Ensembleleistung geehrt. Juror Christoph Leibold sagte, was im Theater ebenso gilt wie in der Fußballwelt: „Der Star ist die Mannschaft! Herzlichen Glückwunsch!“

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