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Trio

So klingt die persische Seite des Jazz

Rhythmisch und gefühlsbetont verbinden Golnar & Mahan folkloristische Klänge aus dem Iran mit der Expressivität des Jazz.
Von Fred Filkorn, MZ

Echte Kosmopoliten: Golnar Shahyar mit Mahan Mirarab und Percussionist Amir Wahba (rechts). Foto: Golnar & Mahan
Echte Kosmopoliten: Golnar Shahyar mit Mahan Mirarab und Percussionist Amir Wahba (rechts). Foto: Golnar & Mahan

Wien.Bevor sich die iranische Sängerin Golnar Shahyar und ihr Landsmann, der Gitarrist Mahan Mirarab, 2011 in der Diaspora in Wien kennen- und lieben lernten, haben sie interessanterweise einen ganz ähnlichen Lebensweg hinter sich gebracht. Beide sind Anfang der 80er Jahre in Teheran in den Ersten Golfkrieg zwischen Iran und Irak hineingeboren worden. Beide versuchten ihre ersten musikalischen Gehversuche am Klavier und studierten zunächst etwas Musikfremdes (Shahyar Biologie, Mirarab Architektur).

Hier finden Sie das gesamte Programm des Bayerischen Jazzweekends in Regensburg 2017.

Beide verließen schließlich ihr Heimatland Iran. Die Liebe zur persischen Folklore, sowohl in musikalischer wie in literarischer Hinsicht, und zum US-amerikanischen Jazz führte sie in der österreichischen Kapitale zusammen. Shahyar studierte seit 2008 Jazzgesang an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Anfang des Millenniums war sie mit ihrer Familie zunächst nach Kanada emigriert. Während ihres Biologiestudiums in Toronto wurde ihr klar, dass ihre wahre Leidenschaft der Musik gehört.

Traditionelle Instrumente

Mirarab war 2009 in Wien angekommen. Sein Augenöffner in Sachen Jazz-Leidenschaft war der Besuch eines Workshops beim armenischen Jazzmusiker Vahagn Hayrapetyan in Teheran gewesen. Mirarab spielt heute neben der herkömmlichen Gitarre auch eine bundlose, die es ihm ermöglicht, die mikrotonale Viertelton-Musik des Mittleren Ostens mit westlichen Texturen zu verbinden. Auch die traditionellen Saiteninstrumente Oud und Tar gehören zu seinem vorderasiatischen Instrumentarium. Bereits in seinem ersten Wien-Jahr machte er mit seinem „Mahan Mirarab Trio“ klar, worum es ihm musikalisch ging: Das Debütalbum titelte „Persian Side of Jazz“. Songs wie „Haj Ghorban“ und „A Week of Moonlight“ stehen für Mirarabs schillernd-transzendentes Gitarrenspiel, das traditionelle Jazz-Rhythmen mit dem Filigranen der persischen Musik verknüpft.

Lyrics in drei Sprachen

Beim Nachfolgealbum „Choub“ (2012) war bereits Shahyar mit an Bord und lieh dem Quartett den ätherischen Glanz ihrer außerweltlichen Stimme. Ihr Gesangsstil kombiniert tribalistischen Sprechchorgesang, Scat-Singing und mit Tahrir eine spezielle Art des vorderasiatischen Jodelns. Textlich lässt sie sich von zeitgenössischer wie klassischer persischer Poesie inspirieren, die der rhythmusbetonten Musik eine überraschende Intimität verleiht. Die multi-lingualen Lyrics sind in Englisch, Farsi (der Sprache Persiens) und einer lautmalerischen Fantasiesprache verfasst, die die Zuhörer an den Liedern emotional teilhaben lassen, ohne dass sie sie notwendigerweise verstehen müssen.

Ebenfalls am Donnerstag im Gewerbepark: Flüstertüte. Ein Mix mit dicken Beats und cleveren Texten.

Für das Folgeprojekt „Sehrang“ schlossen sich Shahyar und Mirarab 2014 mit dem Percussionisten Shayan Fathi zusammeneinem weiteren iranischen Ex-Pat, und reüssierten mit ihrem Album „Dar Lahze“ auch international. Die gelungene kosmopolitische Verbindung aus persischer Folklore, US-amerikanischem Jazz und afro-kubanischer Polyrhythmik brachte dem Trio Engagements in der ganzen Welt und drei Nominierungen für den österreichischen World Music Award ein. Ein Auftritt im österreichischen Kulturforum in New York fiel 2016 dem Chaos um Trumps geplante Einreisestopps zum Opfer.

Alle Meldungen rund um das Jazzweekend 2017 finden Sie hier.

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