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Konzerte

Wo sich die ganze Jazz-Familie trifft

Beim Bayerischen Jazzweekend 2017 gibt es 95 Konzerte, fünf Sessions und zwei musikalische Lesungen – der Eintritt ist frei.
Von Katharina Kellner, MZ

Das Altstadt-Flair und das Zusammentreffen mit Kollegen zieht Musiker aus aller Welt zum Bayerischen Jazzweekend. Das Foto zeigt die Formation Steps of Spirit aus München beim Weekend 2016. Foto: Archiv/ altrofoto.de
Das Altstadt-Flair und das Zusammentreffen mit Kollegen zieht Musiker aus aller Welt zum Bayerischen Jazzweekend. Das Foto zeigt die Formation Steps of Spirit aus München beim Weekend 2016. Foto: Archiv/ altrofoto.de

Regensburg.Es könnte ein gutes Omen sein, dass es am Tag der Pressekonferenz schon geregnet hat – vielleicht bleibt das Bayerische Jazzweekend selbst von Niederschlag verschont. Zu wünschen wäre es dem großen Ereignis im Kalender aller Jazzbegeisterten, das von 6. bis 9. Juli in der Regensburger Altstadt und im Gewerbepark stattfindet. „Ich gehe nicht wallfahrten!“, sagte augenzwinkernd Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die für das von ihr geschätzte Jazzweekend auf gutes Wetter hofft.

Sollte es doch regnen, werden wohl gerade die Jazzmusiker, deren Geschäft das Improvisieren ist, einen Umgang damit finden. Notfalls mit leeren Biergläsern, die in der Vergangenheit mindestens ein Schlagzeug gerettet haben, wie Sylke Merbold vom Bayerischen Jazzinstitut launig berichtete. Maltz-Schwarzfischer und Merbold stellten gestern beim Pressegespräch im Alten Rathaus mit Kulturamtsleiterin Christiana Schmidbauer und Martin Gottschalk, Leiter der Kommunikation der Rewag, die 36. Ausgabe des renommierten Jazzweekends vor, das über Bayerns Grenzen hinaus einen guten Ruf hat und einer breiten Palette an Stilrichtungen eine Bühne bietet.

Heuer sind die Vokalisten stark

„Stimmig“ ist das Motto in diesem Jahr. Es stehe für den Anspruch des Bayerischen Jazzinstituts, „ein möglichst hochwertiges, stilistisch breit gefächertes Programm zu gestalten, das beim Publikum einen ebenso unterhaltsamen wie stimmigen Eindruck hinterlassen soll“, sagte Merbold, die außerdem das stimmige handwerkliche Können und die künstlerische Sorgfalt der Musiker betonte. „Stimmig“ ist aber nicht nur als Adjektiv zu verstehen. Heuer zieht sich wie ein roter Faden ein hoher Anteil von Vokalisten durch das Programm: Formationen, die Rap oder Gospel hören lassen oder einen Chor im Hintergrund haben. Auch der Anteil von Formationen mit männlichen Sängern ist höher als in den Vorjahren.

Bei einem Pressegespräch stellten Kulturamtsleiterin Christiana Schmidbauer, Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Sylke Merbold vom Bayerischen Jazzinstitut und Martin Gottschalk, Leiter der Kommunikation des Hauptsponsors Rewag (Foto: Kellner) die 36. Ausgabe des Jazzweekends vor.
Bei einem Pressegespräch stellten Kulturamtsleiterin Christiana Schmidbauer, Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Sylke Merbold vom Bayerischen Jazzinstitut und Martin Gottschalk, Leiter der Kommunikation des Hauptsponsors Rewag (Foto: Kellner) die 36. Ausgabe des Jazzweekends vor.

Kulturamtsleiterin Schmidbauer sagte, es sei für die Stadtverwaltung „eine logistische Aufgabe, dass man auf jeder Bühne einen Flügel stehen hat“. Sie hob die gute persönliche Betreuung der Musiker durch das Jazzinstitut hervor. Das Flair der Regensburger Altstadt und die wertschätzende Atmosphäre sind es wohl, was Musiker dazu bringt, sich in Scharen für das Jazzweekend zu bewerben – denn sie werden höchstens an Kontakten und Erlebnissen reich, nicht aber an Geld: Pro Nase gibt es hundert Euro und Verpflegung.

Das schätzen Musiker und Publikum gleichermaßen: Das Flair der Regensburger Altstadt und das Treffen der großen Jazz-Famile. Impressionen aus dem vergangenen Jahr finden Sie hier:

Regensburg steht im Zeichen des Jazz

Persische Klänge zum Auftakt

Die Rewag ist zum 13. Mal als Hauptsponsor im Boot, sagte Martin Gottschalk. Für das Unternehmen gebe es rationale Gründe, das Jazzweekend zu unterstützen: „Es kommen viele Leute und viele Rewag-Kunden.“ Doch für die Rewag überwiege die emotionale Ebene: Eine große Party mit kulturellem Anspruch und idealistisch eingestellten Musikern.

Traditionell startet das Jazz-Fest, das für die Besucher kostenlos ist, im Regensburger Gewerbepark. In diesem Jahr sind dort zum Auftakt am Donnerstag, 6. Juli, drei Höhepunkte gebündelt. Das Trio Golnar und Mahan setzt zum Auftakt einen interkulturellen Ton: Die aus dem Iran stammende Golnar Shahyar „ist eine exzellente Sängerin, die ihre persischen Wurzeln einbindet, aber nicht vor sich herträgt“, sagte Merbold. Mit Gitarrist Mahan Mirarab und Percussionist Amir Wahba habe sie „eine eigene Klangsprache aus filigranen Melodien und raffinierten Rhythmen“ entwickelt.

Lorenz Kellhuber, Jahrgang 1990, ist Jazzpianist, Komponist und Leiter des Uni-Jazzorchesters (UJO) und wuchs in der Nähe von Regensburg auf. Beim Weekend spielt er solo, im Trio, und mit dem UJO. Die Universität Regensburg ist in ihrem 50. Gründungsjahr beim Weekend stark vertreten. Foto: Archiv/Koch
Lorenz Kellhuber, Jahrgang 1990, ist Jazzpianist, Komponist und Leiter des Uni-Jazzorchesters (UJO) und wuchs in der Nähe von Regensburg auf. Beim Weekend spielt er solo, im Trio, und mit dem UJO. Die Universität Regensburg ist in ihrem 50. Gründungsjahr beim Weekend stark vertreten. Foto: Archiv/Koch

Hochkarätig geht es weiter mit Max Andrzejewskis Band Hütte und dem Homegrown Organic Gospel Choir, der Jazz und Gospel verbindet. Thematisch widmet sich die Großformation „dem fast religiösen Eifer, den unsere Gesellschaft rund um das Essen an den Tag legt“, heißt es in der Pressemitteilung von Stadt Regensburg und Jazzinstitut. Den Abschluss des ersten Abends bildet der Auftritt von „Flüstertüte“ aus Tübingen, die deutschen Rap und Jazz zu einer unterhaltsamen und äußerst stimmigen Einheit verbinden, wie Merbold sagte.

Auf der Rewag-Bühne am Bismarckplatz haben Nachwuchsjazzer aus ganz Bayern am Freitag, 7. Juli, ihren großen Auftritt.  Das Landes-Jugendjazzorchester Bayern präsentiert dort neben der  Konzertband die  aus  den „Jugend Jazzt“-Workshops hervorgegangene Jazz Juniors Big Band und das neue Vokal-Ensemble, das sich auch in einem  Workshop gefunden hat.

Im neuen Veranstaltungsort Degginger liest Regisseur und Autor Marc Boettcher aus seiner neuen Biografie „Sing! Inge, Sing!“ über die deutsche „Lady Jazz“ Inge Brandenburg (1929 bis 1999). Sängerin Anne Czichowsky (Foto: Marina Kloess) und Pianist Andreas Kissenbeck begleiten ihn musikalisch.
Im neuen Veranstaltungsort Degginger liest Regisseur und Autor Marc Boettcher aus seiner neuen Biografie „Sing! Inge, Sing!“ über die deutsche „Lady Jazz“ Inge Brandenburg (1929 bis 1999). Sängerin Anne Czichowsky (Foto: Marina Kloess) und Pianist Andreas Kissenbeck begleiten ihn musikalisch.

Mit dem Degginger hat das Weekend einen neuen Spielort. Dessen zentrale Bedeutung als Heimat der Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt betont die Intendanz beim Jazzinstitut durch ein für das Jazzweekend gänzlich neues Format: Am Samstag, 8. Juli, und Sonntag, 9. Juli (jeweils 15 Uhr), gibt es eine musikalische Lesung.   Regisseur und Autor Marc Boettcher stellt seine neue Biographie „Sing! Inge,  Sing! – der zerbrochene Traum der Inge Brandenburg“ vor. Sängerin Anne Czichowsky und Pianist Andreas Kissenbeck begleiten ihn musikalisch.

Der Termin für das 37. Jazzweekend 2018 steht fest: Wegen der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft wird das Jazz-Fest nach hinten verschoben. Es findet von 19. bis 22. Juli statt.

Notizen zum 36. Bayerischen Jazzweekend

  • Pressegespräch

    Die Regensburger Kulturamtsleiterin Christiana Schmidbauer, Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Sylke Merbold vom Bayerischen Jazzinstitut und Martin Gottschalk, Leiter der Kommunikation des Hauptsponsors Rewag (Foto: Kellner) stellten gestern die 36. Ausgabe des Jazzweekends vor.

  • Neuer Veranstaltungsort

    Im Degginger gibt es erstmals beim Jazzweekend eine musikalische Lesung: Regisseur und Autor Marc Boettcher liest aus seiner neuen Biografie „Sing! Inge, Sing!“ über die deutsche „Lady Jazz“ Inge Brandenburg (1929 bis 1999). Sängerin Anne Czichowsky (Foto: Marina Kloess) und Pianist Andreas Kissenbeck begleiten ihn musikalisch.

  • Ausnahmetalent

    Lorenz Kellhuber, Jahrgang 1990, ist Jazzpianist, Komponist und Leiter des Uni-Jazzorchesters (UJO) und wuchs in der Nähe von Regensburg auf. Beim Weekend spielt er solo, im Trio, und mit dem UJO. Die Universität Regensburg ist in ihrem 50. Gründungsjahr beim Weekend stark vertreten.

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