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„Bis jetzt geht es irgendwie“

Rima Abou Baker aus dem Libanon, dem Schwerpunktland der Kurzfilmwoche im März, ist zu Besuch in Regensburg und sprach mit MZ-Autor Florian Sendtner.

Rima Abou Baker ist Filmproduzentin und Kulturbeauftragte der Safadi-Stiftung in Tripoli. Zur Zeit hospitiert sie im Büro der Internationalen Regensburger Kurzfilmwoche. Foto: Florian Sendtner

Regensburg.Auf dem west-östlichen Divan im Andreasstadel sitzt Rima Abou Baker. Die 30-jährige Libanesin ist Kulturbeauftragte der Safadi-Stiftung in Tripoli, der zweitgrößten Stadt des Libanon. Rima Abou Baker hospitiert derzeit beim Büro der Internationalen Regensburger Kurzfilmwoche. Die studierte Finanzbuchhalterin ist dabei, für die 20. Regensburger Kurzfilmwoche im März 2014 zwei Filmprogramme zum diesmaligen Schwerpunkt Libanon zusammenzustellen. Die Verbindung zwischen Safadi-Stiftung und Kurzfilmwoche hat das Goethe-Institut mit seinem KulturPartnerNetzwerk hergestellt. Für die MZ sprach Florian Sendtner mit Rima Abou Baker.

MZ: Seit ein paar Tagen sind Sie in Regensburg. Wie gefällt es Ihnen?

Baker: Sehr gut. Zuvor war ich ein paar Tage in Hamburg und Berlin. Ich bin das erste Mal in Deutschland.

MZ: Kann man Tripoli und Regensburg vergleichen?

Baker: Kaum. Obwohl es auch in Tripoli enge Gassen gibt. Aber Tripoli ist lebendiger als Regensburg. Und nicht so sauber, nicht so konserviert. Tripoli hat 200 000 Einwohner, der ganze Ballungsraum eine halbe Million.

MZ:Und nebenbei liegt Tripoli ja auch noch am Mittelmeer. Eine Großstadt mit Strand!

Baker: Ja, das ist schon toll. Das Wasser ist sehr klar, und vor der Stadt gibt es noch sechs, sieben kleine Inseln, zu denen man mit billigen Wassertaxis hinausfahren kann.

MZ: Gleichzeitig haben Sie seit zweieinhalb Jahren den Krieg vor der Haustür. Der Libanon ist ja fast umschlossen von Syrien. Hören Sie den Krieg?

Baler: Nein, Schüsse oder Bombeneinschläge hört man in Tripoli nicht, obwohl Homs nur 100 Kilometer entfernt ist.

MZ: Aber die syrischen Kriegsflüchtlinge sind im Libanon sicher nicht zu übersehen.

Baker: Das kann man wohl sagen! Der Libanon hat eigentlich 4,5 Millionen Einwohner. Jetzt sind es 6 Millionen, weil 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien dazugekommen sind.

MZ: Und Deutschland kommt sich schon toll vor, wenn es ein paar tausend hereinlässt. Der Libanon hat gerade mal die Fläche von Niederbayern, aber eine dreimal so hohe Bevölkerungsdichte. Wenn man sich vorstellt, innerhalb von zweieinhalb Jahren würden 1,5 Millionen Flüchtlinge nach Niederbayern kommen...

Baker: Es ist alles andere als einfach. Der Libanon ist wirklich ein kleines Land. Aber bis jetzt geht es irgendwie. Die syrischen Flüchtlinge werden nicht in Lager gesteckt, sondern wohnen normal in Häusern.

MZ: Von der Realität des gegenwärtigen Libanon soll ein Filmprogramm handeln, das Sie im März 2014 auf der Regensburger Kurzfilmwoche zeigen.

Baker: Genau, vom Alltagsleben. Zusammen mit Sonia Hadchity, der Leiterin des Beiruter Kurzfilmfestivals Outbox, stelle ich zudem ein filmhistorisches Programm zusammen. Auf einem Flohmarkt sind private Super-8-Filme aus der Zeit des Bürgerkriegs aufgetaucht, aus der zweiten Hälfte der 70er Jahre. Wir hoffen, von diesem Material etwas zeigen zu können. Sonia Hadchity zeigt außerdem in der Rubrik „Cinema mi amor“ ihre Lieblingsfilme.

MZ: Auf der Regensburger Kurzfilmwoche im März 2014 wird also ein authentisches Bild des Libanon zu sehen sein.

Baker: Ja, auf jeden Fall Filme aus erster Hand. Die Bedingungen für Filmemacher sind im Libanon natürlich nicht so paradiesisch wie in Hollywood, aber es gibt trotzdem sehr gute Filme, und zwar immer mehr.

MZ: Waren Sie auch selber schon an einem Film beteiligt?

Baker: Ich bin jetzt Produzentin bei einem Spielfilm. Er spielt in Jordanien und erzählt vom Alltagskampf der kleinen Leute. Kein großartiges Drama, eher eine unscheinbare Geschichte.

MZ: Filme, in denen wenig oder gar nichts passiert, sind oft die besten.

Baker: Finde ich auch. Die Regisseurin hat bis jetzt nur Dokumentarfilme gemacht, es wird ihr erster Spielfilm. Wir suchen noch einen Finanzier.

MZ: Ich bin schon neugierig auf die Filme, die Sie im März auf der Regensburger Kurzfilmwoche zeigen werden!

Baker: Ich auch! Aber der Film, den ich jetzt produziere, wird da nicht zu sehen sein, denn das wird ein Langfilm, und er wird im März auch noch nicht fertig sein.

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