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Sonntag, 27. Mai 2018 29° 2

Literatur

Als Seneca an Neros Hof die Strippen zog

Wie passten griechischer Idealismus und römische Realpolitik in Zeiten von Kaiser Nero zusammen? Dieser Frage geht der New Yorker Historiker James Romm nach.

Berlin.Im Umfeld eines mächtigen Paranoikers und Mörders kann selbst eine vermeintlich reine Weste nicht weiß bleiben.

Der große römische Denker Seneca der Jüngere ist zwar ein Anhänger der Schule der Stoa seines griechischen Vorbildes Sokrates, die ihr Glück eigentlich in der Affektlosigkeit und Mäßigung sucht. Im ersten nachchristlichen Jahrhundert lebt er aber in einem Haifischbecken voller Korruption und Genussekstase: im Rom Kaiser Neros, für dessen Erziehung er selbst verantwortlich ist.

Der New Yorker Historiker James Romm fragt in seinem knapp vier Jahre nach dem Original nun endlich auch auf Deutsch vorliegenden Doppelporträt „Seneca und der Tyrann - Die Kunst des Mordens an Neros Hof“, wie griechischer Idealismus und römische Realpolitik zusammenpassen. Das faszinierende und spannende Buch zeigt, wie sich Seneca in den höchsten Zirkeln des Terrorregimes bewegt und als Strippenzieher skrupellos seinen Einfluss nutzt.

Es liest sich wie ein Thriller. Doch als der Einflüsterer, Mitwisser und Nutznießer bei dem monströsen Herrscher in Ungnade fällt, ist auch sein Ende besiegelt. Er wird zum Selbstmord gezwungen. In seinem Traktat „Vom glücklichen Leben“ hat er einmal geschrieben: „Jede Rohheit wächst aus der Schwäche.“

- James Romm: Seneca und der Tyrann - Die Kunst des Mordens an Neros Hof, C.H. Beck, 320 S., 24,95 Euro, ISBN 978-3-406-71876-2

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