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Der Hang zur Selbstzerstörung

Comic Denis Bajrams Science Fiction „Universal War One“ ist auf sechs Bände angewachsen

Der sechste Band ist im Frühjahr erschienen. Foto: Splitter-Verlag

Von Ralf Strasser, MZ

Science Fiction scheint nicht mehr ganz oben in der Mediengunst zu stehen, die Zeit von Star Wars und Co flackert derzeit nur noch sporadisch auf. „Wir haben alles aus dem Genre herausgepresst“, sagte Regisseur Ridley Scott, der mit „Blade Runner“ und „Alien“ filmische Maßstäbe gesetzt hat.

Doch dass SF keinesfalls auf dem Abstellgleis gelandet ist, beweist der Franzose Denis Bajram. Sein artverwandtes Medium: Der Comic – die Welt der Bilder und Sprechblasen. Mit „Universal War One“ gibt der Autor, Szenarist und Zeichner eine beeindruckende Antwort auf die Frage, ob die Zukunft eine Zukunft hat.

Riesige Fangemeinde

Der Comicroman, dessen abschließender sechste Band jetzt erschienen ist, mauserte sich in den letzten zehn Jahren zu einem der angesagtesten Hits in der Fangemeinschaft der gezeichneten Welt. Denis Bajram muss die Streifen von Ridley Scott gesehen haben, denn seine Visionen setzt er ähnlich düster um. Er nimmt den Leser auf eine wilde Achterbahnfahrt mit – durch menschliche Abgründe, Katastrophen, Freundschaft, Liebe und Hass. „Meine Geschichte handelt vom Gewalttrieb und von der Selbstzerstörung der Menschheit. Sie handelt davon, was sie sich eines Tages zwangsläufig antun wird, wenn sie sich nicht weiterentwickelt.“ Das Konzept, die Barbarei des Krieges, den Wahnsinn eines überzogenen Kapitalismus und Liberalismus, das Versagen der Ideologien und die Fragwürdigkeit der Wissenschaft anzuprangern, ist nicht unbedingt neu, aber es wird mit sehr dichten und beeindruckenden Bildern erzählt.

Mathematik und Religion

Denis Bajram hat sich für die Welt von morgen schon früh eine eigene Brille aufgesetzt: Mit 17 Jahren Abitur, Mathematiker und mit halben Gedanken an ein Priesteramt. Eine Prägung, die sich wie ein roter Faden durch die fast 300 Seiten zieht. „Ja, das ist schon ein enormes kulturelles Fundament“, sagt Bajram in einem Interview mit dem Onlinemagazin „Splashcomic“.

„Und ich sehe die Welt auch weiterhin durch diese Brille. In UW1 erfährt man auf der allerletzten Seite, was es mit der Bibel von Kanaan auf sich hat. Das ist nicht nur oberflächliches Dekor zur Stimmungsmache, sondern der ultimative Puzzlestein in der Geschichte.“ Und die beginnt düster in Schwarz-Weiß, realistisch und kompromisslos, bevor sich der Spiralnebel des Saturns als Kulisse des ersten Bandes von „Universal War One“ öffnet.

Bei der Erforschung des Sonnensystems stoßen die Menschen auf „die Mauer”, eine gigantische, unbegreifliche Barriere im All, die den Weg zu den Planeten jenseits des Saturns verhindert. Schon bald ziehen die dunklen Wolken eines Krieges am Horizont auf, der alle Konflikte in den Schatten zu stellen droht, die die Erde erlebt hat. Ausgerechnet die Purgatory-Schwadron, eine zusammen gewürfelte Truppe aus Offizieren mit wenig ruhmreicher Vergangenheit, droht zur letzten Hoffnung einer Menschheit zu werden. Sie brechen auf, das kosmische Rätsel zu lösen, bevor der Krieg ihre Heimat auslöscht.

Denis Bajram: „Universal War One“, sechs Bände, Splitter-Verlag Bielefeld, je Band 12,80, bzw. Band 6: 13,80 Euro

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