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Donnerstag, 16. August 2018 30° 1

Die Zeit spielt Theater

Friedrich Hirschls Gedichtband „Herbstmusik“

Von Gerhard Dietel, MZ

„Auf der Nachtwiese / blühen Blumen / der Stille“: Ist, wer heute noch so dichtet, ein hoffnungsloser Romantiker? Der Passauer Theologe und Schriftsteller Friedrich Hirschl setzt sich diesem Verdacht bewusst aus. Er möchte nicht modisch, nicht tagesaktuell sein.

Dem Ewigen in der Natur spürt er in seinem Gedichtband „Herbstmusik“ nach, das einen zweifachen Jahreslauf durchmisst: „Die Zeit / spielt Theater / Ihr Repertoire / besteht aus / vier Stücken / Dem grünen / dem heißen / dem bunten / dem kalten / Und wir / spielen mit.“

Geschliffene Miniaturen komponiert Hirschl, voll pointierter Beobachtungen, die er mit sparsamen Worten und ohne Interpunktionen auf die weite Papierfläche setzt. Als Romantiker erweist er sich, aber als einer, der durch die Erfahrungen der Moderne hindurchgegangen ist. Nicht bloß anthropomorph, manchmal geradezu technomorph spricht aus seinem Mund die Natur zu uns: „Am Nachthimmel / wimmelt es / von Lichtern / Die Sternenflotte / fliegt / einen Großeinsatz / Der Mond / ein heller Kopf / der Kommandeur.“

Friedrich Hirschl: Herbstmusik, Gedichte. Verlag Karl Stutz, Passau. 96S., 12,80 Euro

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