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Literatur

Eine Roman-Autorin aus Cham

Marion Stieglitz, in Cham aufgewachsen, hat ihren zweiten Roman veröffentlicht: Eine Liebeserklärung an die Provence.
Von Dr. Elisabeth Angenvoort

Marion Stieglitz stellt ihren zweiten Roman vor: „Das kleine Hotel in der Provence“ Foto: Marion Stieglitz
Marion Stieglitz stellt ihren zweiten Roman vor: „Das kleine Hotel in der Provence“ Foto: Marion Stieglitz

Cham.„So romantisch wie eine französische Sommernacht“ heißt es auf dem rückseitigen Umschlag zu dem gerade erschienenen Buch von Marion Stieglitz: „Das kleine Hotel in der Provence“. Nach den ersten Sätzen scheint sich das zu bestätigen, doch der Roman ist weit mehr als „nur“ eine schwärmerische Liebesgeschichte. Die Autorin nimmt ihre Leser mit auf eine überraschend humorvolle, manchmal auch melancholische und natürlich letztlich doch sehr romantische Reise in den Süden Frankreichs: Man darf miterleben, wie vor der Kulisse einer wunderbar malerischen Natur etwas architektonisch fast ebenso Formvollendetes entsteht.

Die Protagonistin erfüllt sich, sozusagen stellvertretend für den Leser, ihren Lebenswunschtraum. Lillys Weg durch die Geschichte hat viele Facetten, ist aber mit Sicherheit eines nicht: langweilig. „Man fliegt durch das Buch“, habe einer ihrer Erstleser geschrieben, sagt Stieglitz, und damit das schönste Kompliment ausgesprochen. Denn genau das ist ihre Intention: es soll ein Buch sein, „das man in der Badewanne liest, ohne zu merken, dass das Wasser kalt wird“, beschreibt es die Autorin.

Phantasie und Wirklichkeit

Marion Stieglitz’ zweiter Roman : „Das kleine Hotel in der Provence“
Marion Stieglitz’ zweiter Roman : „Das kleine Hotel in der Provence“

Dann stellt sie zunächst eines klar: Die Hauptfigur in der Geschichte ist ebensowenig als ihr „alter ego“ zu sehen, wie die anderen Personen etwas mit realen Menschen aus ihrem tatsächlichen Leben zu tun haben. „Meine Eltern sind wesentlich entspannter als Lillys Eltern“, sagt Stieglitz. Sie würden nichts weiter sagen, meint sie, wenn sie etwas so „Verrücktes“ tun würde wie „von heute auf morgen“ ein Hotel in der Provence zu eröffnen. Wobei sie allerdings selbst kritisch genug sei, um zu wissen, dass derartige Herzensprojekte oftmals an den Widrigkeiten der Realität scheitern können. Da findet sie es dann doch schöner, aus der Distanz der Autorin heraus über Lebensträume zu schreiben. Während Lilly sich imaginär mit den Anstrengungen plagt, die eine Renovierung notwendigerweise mit sich bringt, kann Marion Stieglitz als Autorin den Laptop einfach zuklappen und entspannen.

Ihre Inspirationen gewinnt Stieglitz vor allem aus ihrer hauptberuflichen Arbeit. Seit fast zehn Jahren schreibt sie für verschiedene Garten- und Wohnzeitschriften und hat viel zu tun mit Menschen, die sich den Traum vom eigenen Laden, Hotel, Haus oder auch Gartenparadies verwirklichen wollen. Während sie sich hier jedoch an die fotografischen Vorgaben halten muss, kann sie als Romanautorin die Handlungen „weiterspinnen“.

Auszeichnung

Ein Chamer holt sich die Goldene Nase

Eigentlich wollte er Kontakte knüpfen, dann überzeugte Daniel Stieglitz mit seiner Arbeit und bekam den Karikaturisten-Oscar.

Das Thema „Hochzeit“ sei zwar, wie schon in ihrem Erstlingswerk, ein großes Thema, jedoch nicht der Mittelpunkt, sagt sie. In ihrem persönlichen Umfeld wurde in letzter Zeit viel geheiratet; sie stehe dieser „Sache“ persönlich unvoreingenommen gegenüber. Und genau das ist spürbar, wenn man sich in die Geschichte hineingelesen hat. Es ist die Liebe zum Detail, die Freude am Gestalten schöner Dinge in besonderen Räumen; es ist die Kunst, Kleinigkeiten vor einem entsprechenden Hintergrund großartig wirken zu lassen. Hier geht es nicht nur um Hochzeitskitsch und Heiratsromantik vor traumhafter Kulisse, sondern um Teilhaben-Lassen an der Schönheit einer Gegend, die in der Realität mindestens ebenso faszinierend ist.

Die Autorin Marion Stieglitz

  • Titel:

    „Das kleine Hotel in der Provence“ ist der zweite Roman von Marion Stieglitz und erschien im Mai 2019 im Aufbau-Verlag. Das Hörbuch bei „Steinbach Sprechende Bücher“ in ungekürzter Fassung wurde eingesprochen von der Würzburger Schauspielerin Hannah Baus.

  • Die Autorin

    Marion Stieglitz, 1981 in Cham geboren, arbeitet als Redakteurin für verschiedene Wohn- und Gartenzeitschriften.

  • Infos

    www.marion-stieglitz.de/autorin/

  • Leserunde

    www.lovelybooks.de/autor/Marion-Stieglitz

Grenzenlose Phantasie

Die Provence sei tatsächlich ein Ort zum Verlieben und das Lavendelfeld auf dem Buchcover entspreche der Wirklichkeit, sagt Stieglitz. Gerade deshalb kann sich die Phantasie grenzenlos entfalten. Das Schreiben ist für Stieglitz der schönste Job, den sie sich vorstellen kann. Während ihrer Schulzeit am Robert-Schuman-Gymnasium weckten vor allem die Deutschlehrer, insbesondere Christiane Gößmann und Ernst Walk, die Begeisterung für Literatur, sagt sie.

„Ein Buch, das man in der Badewanne liest, ohne zu merken, dass das Wasser kalt wird.“ Marion Stieglitz, Autorin

Das Schöne am Schreiben sei, dass man es immer und überall tun kann: im Hotel, im Zug, im Café, an einer Bar. „Einen Laptop, ein bisschen Recherche und viel Vorstellungskraft: mehr braucht man nicht“, sagt sie. Wenn sie zuhause arbeitet, dann tut sie das morgens vor ihrer „eigentlichen“ Arbeit, bevorzugt im Bett mit einer Tasse Kaffee, möglichst nicht am Schreibtisch. Die für sie beste Vorgehensweise, um ein Buch gut fertig zu bekommen, ist: jeden Tag ein bisschen und ohne Druck zu schreiben. Im Moment braucht sie eine kleine Pause, doch Pläne für einen dritten Roman hat sie bereits – vielleicht eine Gemeinschaftsarbeit mit ihrem Bruder Daniel Stieglitz? Denkbar wäre auch ein Krimi, oder etwas „Düsteres“ – sie ist offen für alles und will sich auf keine Stilrichtung festlegen lassen. Eines aber ist ihr immer wichtig: Ihre Geschichten sollen für die Leser so sein, „wie wenn man jemandem etwas schenkt, das man selbst auch gerne bekommen würde“.

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