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Deutsche Effekte wieder auf Oscar-Kurs

Thilo Kuthers Firma Pixomondo könnte für die Mitarbeit am Science-Fiction-Film „Star Trek: Into Darkness“ am Sonntag einen weiteren Oscar gewinnen.
Von Barbara Munker, dpa

Thilo Kuther hat die Spezialeffekte-Schmiede Pixomondo gegründet. Heute ist sie weltweit tätig und darf für die Mitarbeit an „Star Trek: Into Darkness“ auf einen weiteren Oscar hoffen. Foto: Barbara Munker/dpa

Santa Monica.Am Oscar-Sonntag läuft Thilo Kuther über den roten Teppich. Noch trägt der 49-jährige gebürtige Hesse und Wahl-Kalifornier Jeans, Sweatshirt und einen Dreitagebart. „Den Smoking kann man auch mieten“, sagt der Gründer und Firmenchef der Spezialeffekte-Schmiede Pixomondo mit einem Augenzwinkern. Wenn er nicht gerade zwischen Standorten in Asien, Nordamerika und Deutschland pendelt, arbeitet Kuther im Flachbau-Studio in Santa Monica. In dem umgebauten Lagerhaus entstand ein Teil der visuellen Effekte für „Star Trek: Into Darkness“. Auch andere Pixomondo- Standorte und weitere Effekte-Firmen wirkten daran mit.

Nominiert ist unter anderem der frühere Pixomondo-Mitarbeiter Ben Grossmann. „Er ist eine Symbolfigur für die 400 Leute, die daran gearbeitet haben. Man hätte auch 400 Oscars austeilen können“, sagt Kuther. Grossmann holte bereits 2012 für Martin Scorseses 3D-Film „Hugo Cabret“ die Trophäe für visuelle Effekte.

Standorte in Frankfurt und Stuttgart

Rund 70 Mitarbeiter sitzen in Santa Monica dicht an dicht vor ihren Rechnern. Der abgedunkelte Großraum ist in blau-lila Licht getaucht. Kuther zeigt auf eine „Mission Control“-Projektion an der Wand. „Hier sieht man, wie groß die Speicherauslastung in Peking ist und wie viele Rendermaschinen gerade in Baton Rouge aktiv sind.“ Die Firma hat sieben Standorte, darunter Frankfurt, Stuttgart und Toronto. Es waren zeitweise ein Dutzend mit doppelt so viel Mitarbeitern, heute sind es weltweit noch rund 400.

Ein „perfekter Sturm“ von Problemen habe im vorigen Jahr zu Entlassungen und Sparmaßnahmen geführt, erklärt der Firmenchef. Die gesamte Branche klagt über sinkende Preise und den Abzug von Arbeitsplätzen in Länder mit billigeren Löhnen oder Steuervergünstigungen. Einige Firmen machten bankrott, darunter das kalifornische Studio Rhythm & Hues, das 2013 für „Life of Pi“ den Oscar für die besten visuellen Effekte gewonnen hatte.

Mit dem „Roten Baron“ fing es an

Die relativ junge digitale Industrie sei jetzt in einer Phase des globalen Wettbewerbs, meint Kuther. „Jemand aus den Favelas in Brasilien, der Zugang zu einem Computer und Ehrgeiz hat, kann einen Studienabgänger in New York übertreffen.“ Pixomondo hat zwei Standorte in China, wo derzeit an fünf größeren Spielfilmen gearbeitet wird. Dabei geht es nicht um billigere Arbeitskräfte, sondern um einen besseren Kontakt zu den Kunden vor Ort, betont Kuther. Die Aufträge aus China würden umgekehrt mehr Arbeit nach Los Angeles bringen. Neben Spielfilmen und TV-Serien hat Pixomondo mit Industrie-Kunden, Werbung und „Events“ weitere Standbeine.

2001 gründete Kuther das Unternehmen im Keller seines Elternhauses in Pfungstadt. Erster großer Erfolg war 2008 „Der Rote Baron“ mit Matthias Schweighöfer und Til Schweiger. Die historischen Doppeldecker-Flieger aus dem Werk entstanden bei Pixomondo. Das machte Regisseur Roland Emmerich auf die Firma aufmerksam. Er wollte sie für den Endzeitthriller „2021“ haben. Bedingung: Ein Büro in Los Angeles. Ein Auftrag zog den anderen nach sich: „Ninja Assassin“, „Super 8“, „Sucker Punch“, „Red Tails“, „Fast and Furious 5“, „Melancholia“, „Oblivion“, „Der Medicus“.

Thilo Kuther tippt auf „Gravity“

Eine weitere Trophäe für Pixomondo erwartet Kuther am Sonntag nicht. „Wir sind super stolz, dass wir nominiert wurden. Das empfinden wir alle als gigantische Auszeichnung, aber der Gewinner wird ,Gravity‘ sein“, prophezeit der Firmenchef. Der Weltraumthriller sei sehr kreativ und herausragend gemacht, mit rund 80 Prozent digitaler Bildgestaltung. „Lone Ranger“, „Iron Man 3“ und „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ sind ebenfalls im Rennen.

Mit oder ohne Oscar – Pixomondo hat nach Kuthers Angaben viele neue Projekte in Aussicht. Die Filmtitel dürfe er noch nicht verraten, aber er listet einen Superheldenstreifen, einen „sehr großen“ Katastrophenfilm und einen möglichen „Riesenblockbuster“ im Herbst auf. Damit ist vielleicht schon die nächste Oscar-Nominierung vorprogrammiert.

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