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donumenta

Assoziationsfeuerwerk mit Tüten

Die Budapester Truppe „The Symptoms“ zelebrieren in ihrer Performance „From Scratch“ das absurde Spiel.
Von Fred Filkorn, MZ

Drei Männer sprechen, dabei bewegt sich das Klopapier vor ihrem Gesicht. Was das bedeutet, bleibt bei der Performance der Budapester Gruppe „From Scratch“ rätselhaft. Ihnen zuzusehen, war ein großer Spaß. Fotos: Filkorn

Regensburg. Im Halbdunkel des Uni-Theaters stehen die fünf Künstler der Budapester Performancegruppe „The Symptoms“ bereit, um sich persönlich bei ihren Besuchern vorzustellen. Die Aufführung „From Scratch“ im Rahmen der donumenta hatte aber bereits einige Minuten zuvor begonnen: Auf einem Bildschirm im Foyer sieht man, wie Fußgänger, Radfahrer und Kinderwagenschieber sich ihren Weg um Autos bahnen, die den Gehweg versperren. Eine Kritik am Individualverkehr, der den öffentlichen Raum beansprucht? Vielleicht. Einen Zusammenhang mit dem, was folgt, lässt sich jedenfalls nicht herstellen. Genauso rätselhaft bleibt, ob die einzelnen Episoden der Performance in einem übergeordneten Zusammenhang stehen.

Das exaltierte Aneinandervorbeireden der beiden Ensemblemitglieder István Göz und László Kövesdi lässt sich noch am ehesten als so etwas wie ein roter Faden bezeichnen. Eine Karikatur unserer reizüberfluteten und dauerbeschallten Mediengesellschaft? Das könnte sein. Der dritte männliche Mitspieler, Dániel Szász, explodiert von Zeit zu Zeit in unartikulierten Lauten, gerade so, als ob er am Tourette-Syndrom leide oder eine außer Kontrolle geratene „Human Beatbox“ imitieren wolle.

Die Assoziationsmöglichkeiten beim Spiel der „Symptoms“ sind mannigfaltig. Unvermittelt läuft einer mit Einkaufstüten an den Füßen über die Bühne. Ein anderer versenkt sich fast vollständig in einer solchen und läuft mit Händen und Füßen wie ein orientierungsloser Käfer umher. Ein dritter zieht sich eine Plastiktüte bis über die Brust und scheint über sein neues Kleidungsstück nicht weniger erstaunt zu sein als seine Zuschauer. Ebenso unvermittelt tauchen Anna Réti und Zsuzsa Rózsavölgyi immer wieder im Hintergrund auf, um einen Ausdruckstanz aufzuführen.

Auch wenn die Bedeutung des absurden Tuns geheimnisvoll bleibt, macht es Spaß, den „Symptoms“ dabei zuzuschauen – man weiß einfach nie, was als Nächstes kommt. Sie haben das Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Mitunter ist ihre Performance auch urkomisch: Wie in einem Jacques-Tati-Film steigert sich ihr Bla-Bla-Sprechen in Lautstärke und Intensität so weit, bis einer der Fünf einfach nach hinten wegkippt. Betretene Stille – dann geht das Ganze von vorne los. In mancher Szene werden ihre Bewegungen von einem synchronen Geräusche-Soundtrack aus dem Off begleitet, in anderen Momenten erklingt interessante knarzig-experimentelle Elektronikmusik.

Nach einer guten Stunde ist das phantasievolle Assoziationsfeuerwerk schon wieder vorbei, die Ungarn packen ihre sieben Sachen und machen sich auf den Weg nach Rumänien, wo der nächste Auftritt der preisgekrönten Performancegruppe ansteht.

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