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Ausstellung

Der pulsierende Herzschlag Jesu Christi

In der Videoinstallation „Crossroads“ zeigt Erik Mátrai seine Adaption des Kreuzweges – schlemisch, poppig, aber zu keiner Zeit blasphemisch.
Von Fred Filkorn, MZ

Mátrai entmystifiziert in seinen Darstellungen die Passions-Szenerie und schafft damit eine unmittelbare Nähe zu Gott. Fotos: altrofoto.de

Regensburg. Erik Mátrai ist ein gläubiger Mensch, der sein Thema, den Kreuzigungsweg Christi, ernst nimmt. Aber er ist auch ein Mann mit Humor. Als Betrachter seiner vierzehnteiligen Videoinstallation kommt man nicht umhin, an den netten, kleinen Details seiner Arbeit eine wahre Freude zu haben. Ja, man kommt aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus. Da, wo man gemalte Bilder erwartet, bewegt sich etwas.

In den torbogenförmigen Ausschnitten der bildbandgroßen Holzkästen taucht immer wieder – und auch mal ganz unvermittelt – ein süßes Kleinkind mit Engelsflügeln auf. Es bewegt sich ganz ungezwungen durch die Szenerie. Es krabbelt und tollt herum, schwebt gar schwerelos durch die Lüfte.

Mátrai nimmt durch die Darstellung dem Engel das Mystische und schafft damit eine unmittelbare Nähe zu den Botschaftern Gottes. Der Heiland schleppt in den vierzehn Bildern mühevoll sein Kreuz von einer Station zur nächsten. Ein blinkender Heiligenschein rotiert um seinen Kopf – was skurrile Züge annimmt, wenn sein Gesicht im Profil zu sehen ist. In technischer Hinsicht wirkt das charmant einfach. Was man auch von den verlangsamten Bewegungen der Figuren generell sagen kann. Bewegungen, die undeutlich werden und verschwimmen, sobald sie etwas schneller ausgeführt werden – wie beispielsweise in der Szene, in der Christus ausgepeitscht wird.

Ein Motiv für ein Pop-Art-T-Shirt

Die barmherzige Veronika – als Gläubige trägt auch sie einen Heiligenschein – reicht dem leidenden Jesus ein Tuch. Nach Gebrauch materialisiert sich langsam aber deutlich sein Konterfei auf dem Stoff. Ein Motiv wie geschaffen für ein trendiges Pop-Art- T-Shirt. Oder doch eher des Künstlers pfiffige Hommage an das sagenumwobene Turiner Grabtuch?

Den Hintergrund der finalen Hinrichtung auf dem Ölberg bildet ein erhabenes Alpenpanorama. Wie kommen wir jetzt plötzlich ins Hochgebirge? Das Licht- und Schattenspiel der vorbeiziehenden Wolken spiegelt sich in den Berggipfeln wieder. Nachdem die römischen Häscher dem Todgeweihten sein Gewand genommen haben, streiten sie sich wie zwei Kinder, wer es behalten darf.

Techno-Beat hallt durch die Kirche

Ein gedrosselter Techno-Beat dröhnt während der Öffnungszeiten durch die Hallen der Dominikanerkirche – er symbolisiert das pulsierende Herzschlag Jesu Christi. Mal schneller, mal etwas langsamer, aber immer schön dumpf. Eine witzig-poppige Adaption des Kreuzwegthemas ist dem schelmisch über seinen Brillenrand blickenden Mátrai da gelungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 31. Oktober. Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag jeweils von 14 bis 16 Uhr. Ort: Dominikanerkirche St. Blasius, Albertus-Magnus-Platz 1 (nahe Bismarckplatz), Der Eintritt ist frei.

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