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Programm

Kino mit radikalen Themen

Die donumenta gewährt einen Einblick in das aktuelles Filmgeschehen Ungarns.
Von Fred Filkorn, MZ

Der radikale Film „Taxidermia“ ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Foto: Verleih

Regensburg. „Wir wollen einen repräsentativen Querschnitt der aktuellen ungarischen Filmszene bieten“, erzählt Doris Klein, die gemeinsam mit ihrem Mann Holger John das Filmprogramm der donumenta zusammengestellt hat. Um neue Filme zu sichten, hat die Slawistin im Februar das Budapester Filmfestival besucht. Dabei ist ihr vor allem eines aufgefallen: „Ungarische Filmemacher lassen sich mehr Zeit, Geschichten zu erzählen“. Bei der Auswahl habe sie möglichst viele Themen abdecken wollen.

Das urbane Leben kommt im Animationsfilm „Nyócker! – The District“ zum Ausdruck, der humorvoll den Streit zweier Familienclans zeigt. Der im Motion Capture-Verfahren hergestellte Film – Realpersonen werden am PC nachgezeichnet – erzählt, wie eine Jugendclique durch eine Zeitreise für Frieden im achten Budapester Bezirk sorgt. Rap, Breakdance und Graffitiwände belegen, dass die Hip-Hop-Kultur auch in Ungarn angekommen ist.

Das Thema Familie wird auch im schrägen Roadmovie „Kalandorok – Adventurers“ verhandelt. Géza, ein erfolgloser Musiker, begibt sich mit seinem spielsüchtigen Sohn Andris auf den Weg nach Rumänien, um seine Eltern zu besuchen. Dumm nur, dass der trinkfreudige Großvater die Finger nicht von den Frauen lassen kann und von der Großmutter soeben vor die Tür gesetzt wurde. Auf der Rückreise nach Ungarn geraten die drei Gesellen in allerlei knifflige Situationen.

Der ambitionierteste Film des Programms stammt vom derzeit wohl bekanntesten ungarischen Regisseur György Pálfi. Vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund von Faschismus, Kommunismus und Kapitalismus zeigt „Taxidermia“ eine eigenwillige Familienchronik. Filmfreunde mit schwachen Nerven und einem flauen Magen sollten diesen Film eher meiden. Die Körpersäfte fließen in Strömen, im dritten Teil mutiert die makabere Komödie zum kunstvollen Horrorfilm. Definitiv kein Popcorn-Kino. Ein Taxidermist ist übrigens ein Tierpräparator.

Die Abwesenheit des Vaters stimmt Lali traurig. Als er über den Gewinn einer Vespa informiert wird, macht sich der Roma-Junge auf den Weg in die Hauptstadt. Unterwegs lernt er einen Wassergläserspieler kennen, der ihm ein Ersatzvater sein könnte. Auch im Drama „Fehér tenyér – White Palms“ steht ein Heranwachsender im Mittelpunkt. Dongó wird zu turnerischen Höchstleistungen angehalten, später muss er sich mit seiner schwierigen Kindheit auseinandersetzen.

Das aktuelle Filmprogramm finden Sie unter: www.filmgalerie.de

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