MyMz

Kunst

Reflexionen über sprachliche Ästhetik

Zeitgenössische Autoren stellen auf der donumenta ungarische Gegenwartsliteratur vor. Die Theatergruppe „Symptoms“ zeigt eine preisgekrönte Performance.

Kriszta Bódis versucht, in ihren Werken Grenzen zu überwinden – menschliche wie politische. Foto: Francisco Gozon

Regensburg. Die donumenta geht auf die Bühne: Die Budapester Theatergruppe „Symptoms“ zeigt heute um 20 Uhr im Theater an der Universität eine virtuos-skurrile Nummernrevue mit Kabinettstückchen ihrer Darstellungskunst. „From Scratch“ nennt sich ihre preisgekrönte Performance. Es ist ein „Crossover“ aus Tanz, Musik, Comedy, Sprechtheater, choreografischen- und akustischem Theater. Mit den Symptoms präsentiert die donumenta eine der vielseitigsten freien Theatergruppen aus dem neuen Ungarn, die beweist, dass Performance und Komik sich durchaus vertragen.

Auch literarisch schöpft die donumenta aus dem Vollen: Ungarn verfügt seit jeher über hochkarätige Schriftsteller. Mehrfach lässt die donumenta sie zu Wort kommen. Zur achten Ausgabe des Kunst- und Kulturfestivals der Donauländer sind vier Autorinnen und ein Autor der jungen etablierten Generation eingeladen, aus ihren neuen Texten zu lesen.

Lesung mit preisgekrönten Autoren

Kriszta Bódis, Noémi Kiss, Gábor Schein, Krisztina Tóth und Ilma Rakusa wurden jeweils für ihre Werke ausgezeichnet. Sie verbindet ein permanentes Nachspüren, literarisches Umarbeiten und Überwinden von Grenzen – menschlichen, politischen oder ästhetischen. Subjektive, fiktive Erinnerungssplitter und Reste der untergegangenen Welt vor 1989 gehören zu den Bindemitteln ihrer Texte. Die für die neue ungarische Schriftsteller-Generation typische Hinwendung zum Erzählen von Episoden und Geschichten geht einher mit einer aufregenden Reflexion über Sprache und ihre ästhetischen Mittel. Das Literaturprogramm der donumenta ist teilweise zweisprachig.

Die donumenta eröffnet ihr Literaturprogramm mit einem Duett: Am 1. Oktober entführen Noémi Kiss und Gábor Schein um 20 Uhr im Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg/Literaturhaus Oberpfalz in ihre literarischen Welten. Kiss und Schein bewegen sich beide in der Literaturwissenschaft und in der literarischen Produktion und gelten als herausragende Stimmen der Literaturszene in Ungarn.

Gábor Schein veröffentlichte 2004 mit „Lazarus“ einen Aufsehen erregenden, kunstvollen Roman über eine Familiengeschichte. Noémi Kiss promovierte über Paul Celan. Mit ihrem Prosaband „Was geschah, während wir schliefen“ lieferte sie im vergangenen Jahr eine anspruchsvolle Gestaltung sensibler Figuren, die immer wieder Identitäts- und Grenzverluste durchleben. Kiss und Schein lesen außerdem am 3. Oktober um 11 Uhr in der Lesehalle der Stadtbücherei Regensburg.

Zu ihnen gesellt sich Kriszta Bódis. Die Autorin und Dokumentarfilmerin findet ihre Stoffe an den Rändern der Gesellschaft bei Roma, Heimkindern und anderen Ausgeschlossenen. Ihr Roman „Artista“ ist ein raues und gnadenloses Dokument der Geschichte eines weggesperrten Jugendlichen, der versucht, durchs Leben zu kommen. Beide Lesungen wird der preisgekrönte Autor György Dalos („Der Vorhang geht auf“) moderieren, der schon im Juni als Vorhut der donumenta das Leseprogramm eröffnet hatte.

Je einen Soloabend bestreiten die Schriftstellerinnen Ilma Rakusa und Krisztina Tóth. Ilma Rakusa stellt am 31. Oktober um 18.30 Uhr im Slowenischen Lesesaal im Wissenschaftszen-trum Ost- und Südosteuropa ihren Erinnerungsband „Mehr Meer. Erinnerungspassagen“ vor. Die in Zürich lebende Schriftstellerin, Literaturdozentin und Publizistin erzählt in lakonischen Sätzen von ihrem eigenen Werdegang als Wanderin zwischen Kultur-, Sprach- und Denkwelten in den 1950er und 1960er Jahren. Die Lesung ist eine Kooperation mit dem Slowenischen Lesesaal im Wissenschaftszentrum Ost- und Südosteuropa.

Tür in die Vergangenheit geöffnet

Auch die Dichterin Krisztina Tóth öffnet in ihrem ersten Erzählband „Liniencode“ die Tür zur Vergangenheit – wenn auch auf der Grundlage eines vollkommen anderen literarischen Erzählkonzeptes. Der Liniencode war das Symbol für die vom Ungarn der Kádár-Ära aus noch unerreichbaren westlichen Welt. Am 4. November um 19.30 Uhr stellt Tóth den Band in der Lesehalle der Stadtbücherei Regensburg vor. Elfi Hartenstein liest den deutschen Text. Tóth steht auf der Nominierungsliste für den „Laureate“-Preis, eine der höchsten Auszeichnungen für ungarische Literatur.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht