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Konzert

Und täglich grüßt der Balkanbeat…

RotFront bietet nur wenig musikalische Abwechslung, doch den Tanzwütigen im Gloria hat es gefallen
Von Fred Filkorn, MZ

Sängerin Dorka Gryllus flirtet mit Rapper Mad Milian. Foto: Filkorn

Regensburg. Erinnern Sie sich an den Spielfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“? Bill Murray als Fernseh-Wetterfrosch Phil, der dazu verdammt ist, den „Groundhog Day“ jeden Tag aufs Neue zu erleben? So ähnlich war es am Mittwochabend im Gloria. Jedes einzelne Lied der laut Promotion-Text „ultimativen Berliner Partyband RotFront“ hörte sich in etwa gleich an. Auch wenn ein bratzendes Rockintro mal etwas Abwechslung versprach – nach wenigen Sekunden war die achtköpfige Band wieder beim immergleichen Ska-Offbeat: tschak, tschak, tschak. Ende der 80er Jahre hatte die Münsteraner Band El Bosso & die Ping-Pongs mit „Immer nur Ska“ einen Hit, aber das nur nebenbei gesagt.

Angereichert mit Elementen osteuropäischer Folklore lässt sich der klassische Ska-Sound bestens als Balkanbeat verkaufen. Die dominante Bläsersektion teilen sich ja ohnehin beide. Um Internationalität unter Beweis zu stellen, wird dann gerne auch innerhalb eines Liedes in mehreren Sprachen gesungen. Im Falle von RotFront sind dies Deutsch, Englisch, Ungarisch und Russisch. Ein Rapper, der etwas frechen Sprechgesang mit einbringt, gehört ebenfalls zum guten Ton. Genauso wie die Schnapsflaschen, aus denen sich die Musiker hin und wieder Einen genehmigen.

„Spätestens nach den ersten Songs verschwindet die Grenze zwischen Bühne und Tanzfläche spurlos“, erfährt man aus dem Pressetext noch. Okay, im Gloria dauert’s bis zur Zugabe: Als Rapper Mad Milian einen ausgibt, sind die verschwitzten Tänzer aus der ersten Reihe hellauf begeistert.

Um den Wiedererkennungswert ihrer Songs zu erhöhen, baut RotFront auch mal Versatzstücke bekannter Evergreens mit ein. Hier ein bisschen „Light my Fire“ (The Doors), dort ein wenig „Those were the days“ (altes russisches Volkslied). Mit dem abgeschmackten „Revolution Disko“ versuchen sie vermutlich bei Shantels „Disko Partizani“ anzudocken. Das Balkanbeat-Mastermind hat nämlich auch ihr erstes Album „Emigrantski Raggamuffin“ herausgebracht. Mit „Berlin – Barcelona“ wagen sie dann den Brückenschlag zum musikalisch ähnlich gelagerten Mestizo-Sound, der aus der katalanischen Metropole schallt. Reichlich schräg kommt ihre Neubearbeitung des Beastie-Boys-Klassikers „No Sleep Till Brooklyn“ daher.

Highlight des Abends ist, man kann es nicht anders sagen, die dunkeläugige Schönheit Dorka Gryllus, die in ihrem selbstgemachten roten Kleid auf der Bühne tanzt und hüpft, als sei sie als kleines Kind in einen großen Topf Energy Drink gefallen. Irgendwie kommt einem die Sängerin auch bekannt vor. Ja, richtig: die ungarische Schauspielerin hat man kürzlich als Physiotherapeutin in der Fatih-Akin-Komödie „Soul Kitchen“ im Kino gesehen. Und in Wolfgang Murnbergers „Knochenmann“ wurde sie von einem verliebten Josef Bierbichler aus der Prostitution befreit.

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