MyMz

Ein Liederabend zum Niederknien

Weiden verzichtet womöglich künftig auf seine Max-Reger-Tage. Welchen Schatz die Stadt besitzt, dafür lieferte jetzt ein Konzert den Beweis.
Von Thomas Göttinger, MZ

Bariton Peter Schöne gastierte im Weiden: ein Genuss. Foto: Gisela Schenker

Weiden.„Die Diskussionen sind heftig“, sagte Weidens Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz am Dienstag und meinte die Zukunft der „Max Reger Tage“. Weiden muss sparen und spart sich womöglich das Festival. Entschieden ist noch nichts, richtig ernst wird es erst nach dem Reger-Jubiläumsjahr 2016, aber die Musikfreunde sind schon mal auf der Hut. Wohl nicht ganz zufällig zitierte Horst Petzold, der Vorsitzende des Freundeskreises der Reger-Tage, einen früheren Konzertbesucher: „Es muss auch noch in 100 Jahren Max-Reger-Tage in Weiden geben.“

Unbedingt, möchte man anfügen. Denn gleich im Anschluss an die Einlassungen von Vorsatz und Petzold führten der Bariton Peter Schöne und der Pianist Moritz Eggert auf wunderbare Weise vor Augen und Ohren, welchen Schatz die Stadt mit ihrem Festival hat. Die beiden feierten das vermeintlich Randständige mit Liedern von Reger und seinen Zeitgenossen aus den Jahren von 1900 bis 1914. Namen wie Alexander von Fielitz, Paul Graener oder Karl Weigl fanden sich in einem Programm, das man so mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nirgends sonst zu hören bekommt.

Ein wenig dada

Schon allein Weigls Lieder „Der Einsamste“ und „Der Tag klingt ab“, reduziert in den musikalischen Mitteln, zart, ja bezaubernd, waren das Eintrittsgeld allemal wert. Paul Graeners Galgenlieder „Palmström singt“, ein bisschen gaga, vielleicht auch schon ein wenig dada, sind schlichtweg ein Vergnügen. Und im Anfang von Alexander von Fielitz’ „Abendläuten“ entdeckte am Dienstag nicht nur Pianist Eggert erstaunliche Parallelen zu John Barry und dessen Musik zu „Moonraker“.

Peter Schöne sang das alles mit seinem ungemein weichen, geschmeidigen Bariton, fand bei Bedarf auch zu einer überaus kultivierten Härte, überzeugte aber vor allem, weil ihm das große Kunststück gelang, die von ihm dramatisch bis ins kleinste Detail durchgearbeiteten Lieder auf eine sehr natürliche, ganz und gar ungekünstelte Weise lebendig werden zu lassen. Moritz Eggert am Flügel wiederum bewegte sich mit einer Sicherheit und einem großen Verständnis in den zum Teil schon sehr komplexen Strukturen des jeweiligen Klaviersatzes, die nun auch nicht gerade alltäglich ist.

Ohne professoralen Dünkel

Ein kleine musikwissenschaftliche Lehrstunde lieferte das Duo mit ihren Erläuterungen zwischen den einzelnen Werken obendrein – mit intellektuellem Anspruch, ja, aber ohne jeden professoralen Dünkel. Kurzum: Dieser Liederabend war schlicht zum Niederknien. Und ein verdammt überzeugendes Plädoyer für die Zukunft der Reger-Tage auch über 2016 hinaus.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht