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Ausstellung

Faltenhunde und Bilderstürmer

„Drops, Plastixs and Brands“: Die Hörl-Schüler Urban Hüter, Iryna Pryval und Jens-Ole Remmers zeigen bei ArtAffair herrlich irritierende Werke.
Von Helmut Hein, MZ

  • Iryna Pryvals „C-Wurf“ in der Galerie ArtAffair Foto: altrofoto.de
  • Urban Hüter sitzt auf seinem Werk „Plastixs 10112 Hotspot“Foto: altrofoto.de
  • Vernissagengäste vor Jens-Ole Remmers’ „Global Player“ Foto: altrofoto.de

Regensburg.Im Titel der neuesten ArtAffair-Ausstellung findet sich auch das Wort „Brands“. Und weil „Branding“ schon seit einiger Zeit in der Kunst, aber nicht nur dort, die Diskurse ganz wesentlich bestimmt, könnte man leicht auf eine falsche Fährte geraten. Als gehe es bei dem, was Hüter, Pryval und Remmers zeigen, um Design oder Strategien der Werbe-Ästhetik, also um so etwas wie kommerzielle Kommunikation.

Aber so ist es nicht. Die drei jungen Künstler sind Schüler von Otmar Hörl, einem in Regensburg nicht ganz unbekannten Künstler, der gern für Verwirrung sorgt, indem er politische und sonstige Symbole oder Zeichen de-kontextualisiert und re-kodiert. Man sollte nie zu sicher sein, könnte man seine Botschaft zusammenfassen. Werte und Normen geben keinen Halt. Sie sind meist nur Oberfläche, ohne Tiefe. Und darunter wüten andere Semantiken und Materialien, die umso leichteres Spiel haben, wenn man sich für gefeit hält.

Das Ur-Biild, der Faltenhund

Hüter, Pryval und Remmers liefern also, um sich eines Begriffs aus der aktuellen NSA-Debatte zu bedienen, Meta-Daten zu unserem Welt- und Selbstverhältnis. Sie machen das Selbstverständliches sichtbar, indem sie dafür sorgen, dass es uns zuerst einmal fremd wird. Sie metaphorisieren unsere Praktiken und Wahrnehmungs-Routinen. Sie geben sich mit den vertrauten Daseins-Inhalten nicht zufrieden, sondern unterwerfen sie einer Metamorphose.

Am Anfang war das Wort? Nicht bei Iryna Pryval. Ihr Ur-Bild, aus dem alles weitere folgt, ist der Faltenhund; in China populärer als hierzulande. Der Faltenhund liefert das Muster für ihre Faltenbilder, die so flauschig daherkommen, obwohl sie aus synthetischen Stoffen bestehen (MDF, Schaumstoff, Flock), dass man sie am liebsten berühren würde. Geht aber nicht. Sie reagieren nämlich äußerst empfindlich auf den natürlichen Fettfilm der Haut. Händewaschen hilft da nicht wirklich weiter.

Die Falten des Faltenhunds hat sie in ihren Faltenbildern deponiert; folglich können die Polymergips-Hundeplastiken (Titel „C-Wurf“) so faltenlos daherkommen, als hätte man die Tiere gerade geliftet oder mit Botox traktiert. Wenn Pryval die Abstraktion und Reduktion noch weiter treibt, entstehen monochrome Wandbilder (oder -plastiken?) in Neon-Orange oder Schwarz im Format 80 X 80 cm. Da ist der Hund endgültig plattgemacht bzw. aus dem Bild verschwunden.

Brand, Bauhaus und Banane

Urban Hüters Techno-Objekte, die er „Plastix“ nennt (mit jeweils individualisierendem Zusatz, zum Beispiel „GM 9035852“), bestehen zwar, wie er anführt, aus „diversen Materialien“, wirken aber wie frisch aus der billigsten „Bauhaus“-Ecke. Wenn Technik dysfunktional wirkt, entfaltet sie ganz eigene ästhetische Effekte, wird skurril, grotesk, surreal. So geht es manchmal in Träumen zu, wo alles nur noch Bruchstück oder Andeutung ist.

Am meisten „Brand“ ist zweifellos Jens-Ole Remmers. Sein Material ist billig: „Kartonage“. Die Logos findet er vor; er muss sie nur noch bearbeiten. Andy Warhols „Velvet Underground“-Banane, die eine Zeitlang, als handle es sich um ein Erkennungszeichen, diverse Galerien-Eingänge schmückte, serialisiert Remmers, bis sich die einzelne Banane zum unendlichen Bananen-Kreis schließt. Wobei: Was heißt hier Banane? Es handelt sich unübersehbar um eine „Chiquita“. Und wenn dem Künstler danach ist, dann stapelt er sie zum „Chiquita Tower“. Seine „Global Player“ sind Kartonagen-Sterne, dichter mit Firmenzeichen bepackt als Vettels Rennanzug.

Was soll uns das sagen? Urban Hüter scheint die Skepsis zu teilen. Seine vielleicht beste Arbeit heißt „Iconoclast“, leuchtet von hinten, wofür unübersehbar ein Kabelgewirr zuständig ist, das irgendwann in einer Steckdose landet, und ruft zum Bildersturm auf. Erst dann kann Ruhe herrschen, wenn alle Bilder weg sind. Wie die Ausstellung alles in allem ist? Otmar Hörl hätte sicher seine reine Freude daran.

Service

Bis 22. November in der Galerie ArtAffair, Neue-Waag-Gasse 2, Regensburg. Geöffnet: Di. bis Fr. 11 bis 13 und 14 bis 19 Uhr, Sa. 11 bis 18 Uhr

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