MyMz

Filme, bis einem die Augen übergehen

Das Kurzfilmfestival Regensburg startet am 19. März mit überbordendem Programm. Enthusiasten können sich sieben Tage lang Kino nonstop gönnen.
Von Marianne Sperb, MZ

Sie stehen für die Internationale Kurzfilmwoche Regensburg (von links): Insa Wiese, Philipp Weber, Andreas Komes, Birgit Bockschweiger, Stefan Grundwald-Wiese und Michael Fleig. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Der Kino-Enthusiast stellt am 19. März seine Tätigkeiten auf allen Lebensfeldern ein und konzentriert sich auf den Höhepunkt des Jahres: die Kurzfilmwoche, die wieder sieben Tage dauert (bis 26 März), in der erprobten Konstellation antritt, heuer aber zum 20. Mal stattfindet und ihren Namen geändert hat.

„Internationale Kurzfilmwoche“ heißt das Festival ab sofort – und international sind die Fäden, die die Macher spinnen. Bis in den Libanon reicht das Netzwerk. Dem relativ kleinen Land (4,5 Millionen Einwohner) mit den relativ vielen syrischen Flüchtlingen (1,5 Millionen) ist der Länderschwerpunkt gewidmet, angeregt durch die Kooperation mit dem Goethe-Institut. Die libanesischen Gäste zeigen in ihren Filmen eine Welt, von der der Westen lernen kann. Die Eignung zum Titel „International“ zeigt ein zweiter Umstand: Mit 1076 Stunden Material, verteilt auf 4979 Kurzfilme, wurde heuer für den Internationalen Wettbewerb, das Herzstück des Festivals, eine Rekordzahl an Filmen eingereicht.

Horror und Herzenssachen

Im Prinzip hält sich die Reihe ans erprobte Gerüst: mit der Vierer-Formation im Wettbewerb, der das Fenster auf internationales, deutsches, bayerisches und regionales Terrain öffnet, und mit einem Rahmenprogramm, in dem die Zündfunkparty seit Jahren der ausgemachte Liebling ist. Ein anderer Termin hat durchaus Chancen auf diese Position: Unter dem Titel „A Wall is a Screen“ folgt ein Pulk von Menschen, der im Lauf des Rundgangs beeindruckend anschwillt, Programmdirektoren durch das nächtliche Regensburg und schaut ausgewählte Filme auf ausgewählten Fassaden.

Die Festivalmacher um Chef-Organisator Philipp Weber und die künstlerische Leiterin Insa Wiese präsentierten am Freitag in der Filmgalerie Leerer Beutel ihr Programm – im Kurzdurchlauf und in einem Tempo, das einem Hören und Sehen verging. Tja: ein Angebot, das so dicht und so reich ist, hat für Bedächtigkeit eben keine Zeit – nicht einmal für „Horror“ oder für die „Herzensangelegenheiten“, wie zwei weitere Reihen heißen, von denen das Team sehr verheißungsvolle Worte zu sagen wusste. Insa Wieses Tipp: „Vieles kann man gar nicht erzählen. Man muss einfach kommen und sich die Filme anschauen.“

Kurz vor dem Festivalstart wählt Regensburg seinen neuen Oberbürgermeister. Das Kurzfilm-Team bat deshalb am Freitag die Kandidaten ins Kino; drei von ihnen hatten im Wahlkampfstress Zeit. Bürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) gab einen Ausblick darauf, wie er das Festival fördern würde: mit einer Grundsicherung auf fünf Jahre, die den Organisatoren Planungssicherheit schenkt und die die Miete sowie eine Intendanten- und eine Zuarbeiterstelle sichert. Richard Spieß (Die Linke) sieht die Sache ähnlich: Als Sozialist stehe er dafür, die Wertschätzung für wertvolle Arbeit auch finanziell auszudrücken.

Ein Bett wär’ nett

Jürgen Huber (Bündnisgrüne) gab ein Bekenntnis ab: Der große Fächer an Lebensentwürfen und Haltungen, die Kurzfilme transportieren, sei eine Art Lebensschule und nicht zu unterschätzen. Huber spornte auch an: Das Festival müsse sich befreien vom Zuschuss-Tropf und den kommerziellen Bereich ausbilden. Bis es so weit sein wird, ist das Festival aber sehr froh um seine Gönner. Hauptsponsor BMW hat fürs Jubiläumsfestival seinen Zuschuss sogar um ein Viertel erhöht.

Zum Gönner kann übrigens auch jeder werden, der ein Bett frei hat: Der aktuell dringendste Wunsch der Festivalmacher ist es, noch viele Gastgeber zu finden, die sich die kreativen Akteure nach Hause einladen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht