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Ganz entspannt im Hier und Jetzt

Das Regionalfenster der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg richtet die Linse auf Hiesiges. Die Auswahl ist klein, heuer aber besonders fein.
Von Gabriele Mayer, MZ

  • Ein Filmstill aus „Letztkönig“ von Konstantin Maria Ferstl, zu sehen im Regionalfenster der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg.
  • Eine Aufnahme aus „Tarzan – der Dschungel ruft“ von Georg Hahn, zu sehen im Regionalfenster der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg.

Regensburg.Das Regionalfenster der Kurzfilmwoche ist auch in diesem Jahr eher klein, gemessen am Umfang anderer Wettbewerbe. Aber es ist eine wichtige Plattform. Weil die Filme und ihre Macher, die meist (noch) keine Profis sind, aus unserer Mitte kommen. Und weil das Herstellen eines Films das Medienbewusstsein und das Gespür dafür stärkt, wie schwer es ist, einen sinnvollen Einfall zu haben und ihn filmisch umzusetzen.

Nicht in jedem Jahr war die Qualität der Beiträge gleich gut. Heuer brauchen sich die Regisseure der insgesamt 19 Filme, die in zwei Programmen laufen, nicht verstecken. Das Regionalfenster kann sich in diesem Jahr sehen lassen, was das handwerkliche Niveau, aber auch was die Interessantheit der Themen betrifft. Von Schüler-Kurzfilmen bis zu den Werken alter Hasen ist alles dabei, freilich können nicht sämtliche Beiträge hier Erwähnung finden. Alle Filme sind Anwärter auf verschiedene Preise: auf den Mittelbayerische-Regionalfensterpreis und den FFF-Förderpreis, der für sämtliche bayerischen Produktionen ausgeschrieben ist.

Herzerfrischende Charaktere

Außerdem wurden drei Filme auserkoren zur Teilnahme an dem Wettbewerb für den Publikums-Online-Preis „Miteinander“, den Volksbank Regensburg eG und Mittelbayerische.de ausloben. Bei diesen drei Filmen sollen das Hier und das Jetzt, das eigene Umfeld eine zentrale Rolle spielen. „Hartwurst oder Leberkäs“ von Anja Lange berichtet über das Ende einer Traditionsbäckerei in der Altstadt, die einem Neubauprojekt weichen muss. Man sieht Leute, die in dem kleinen Geschäft einkaufen und dabei über den Ladentisch hinweg noch den nachbarschaftlichen Kontakt pflegen. Und absolut herzerfrischend wirkt die schon ältere Bäckersfrau mit ihren Erzählungen über die Geschichte ihres Betriebs und ihres Lebens. Sie ist eben ein Charakter, wie nur ältere Leute es sein können.

Es fällt übrigens immer wieder auf, dass in vielen, auch internationalen Kurzfilmen, alte Menschen die Hauptpersonen sind, als Erzählende, als Vorbilder, zur Rückenstärkung. Der zweite „Miteinander“-Film „Slum-GMBH“, von Berthold Foit und der Filmgruppe des Goethe-Gymnasiums, gibt der Moral ein Gesicht: dass man nicht mit dem Mitgefühl anderer Leute spielen soll. Der dritte Film, „Zombie-Nation“ von Sebastian Harrer, erzählt davon, dass man mit seiner versteckten Andersartigkeit nicht allein ist, die Anderen sind nämlich auch ganz anders als sie nach außen hin tun.

Doch nun zu den alten Hasen. Auch in ihren Filmen geht es um uns: „Kneipensterben“ von Erik Grun ist ein kleines, melancholisches Rock-Musical, bei dem alles stimmt: die Bilder, der Sound, der Tanz, der Schnitt, das Licht, die Stimmung. Peter Kollross erzielt wie immer mit unaufwendigen, aber treffenden Bildern und Worten starke und subtile Effekte. Lakonisch verbindet er Zeitanalyse, Humor und Tiefsinn. Diesmal geht es um Drive-Ins rund um Regensburg.

Gewalt und Ignoranz verstehen sich

Mehrere gelungene Filme halten uns gesellschaftskritisch den Spiegel vor: „Die Hexe brennt“ von Oliver Gilch verdeutlicht anhand einer fiktiven Fernsehreportage, wie plausibel zum Beispiel Hexenverfolgung auch heute rasch sein könnte, wenn sie nur medial entsprechend eingängig präsentiert würde. Auch „Integration brutal“ von David Liese überzeugt und zeigt pointiert, dass Gewalt sich mit „gesundem“ Rechtsverständnis und Ignoranz aufs beste versteht. „Mussorgski the game“ von Chris Baumann und „Load „Hebbel, 8“ von Philip Singh demonstrieren, wie locker Animation und Kultur zueinander finden können.

Junge Leute dürfen wolkige Ideen bewegen, wenn die Bilder gelungen sind. Einer dieser Filme, „Sind denn in diesem Hause die Kammern all´besetzt“ von Carl Klein, ist sarkastisch schwarze, bayerische Romantik. Und sehr lustig wirkt Georg Hahns ironisch das Altmodische und das Neumodische verknüpfende Geschichte „Tarzan – der Dschungel ruft“.

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