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Hundertjähriger Lausbub mit Sprungkraft

Allan Karlsson flüchtet aus der Seniorenresidenz und verändert den Lauf der Weltgeschichte: Die absurde Story fand bei der Berlinale viele Fans.
Von Fred Filkorn, MZ

  • Dieser Sprung hat Folgen: Robert Gustafsson als Allan Foto: Concorde Filmverleih
  • Robert Gustafsson als Allan in „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ Foto: Concorde Filmverleih

Berlin.Warum dürfen immer nur die Superschlauen, Mächtigstarken oder außergewöhnlich Begabten die Helden einer Geschichte sein? Warum nicht mal die Schüchternen, Unentschlossenen oder geistig Minderbemittelten? Jonas Jonassons Bestseller „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ hat sich hierzulande über zwei Millionen Mal verkauft und vielleicht den Traum vieler Menschen erfüllt: Endlich mal ein Normalo, ein sehr unbedarfter noch dazu, der zum Helden mutiert und den Lauf der Weltgeschichte verändert.

Allan Karlsson ist so ein Typ. Er nimmt hin, wie es gerade kommt. Er sieht in allem das Positive, denn alles hat seinen Sinn und Zweck. Diese Entspanntheit macht ihn zu einem sympathischen Zeitgenossen.

Der schwedische Regisseur und Comedian Felix Herngren hat den großartigen Stoff mit Komiker-Ass Robert Gustafsson in der Hauptrolle verfilmt. Bevor „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ am 20. März ins Kino kommt, hatte er seine Deutschlandpremiere in der Reihe „Berlinale Special“, wo das Publikum ihn mit enthusiastischem Applaus aufnahm.

Kurz vor seinem runden Geburtstag – die Altenpflegerin bestückt die Geburtstagstorte mit Hundert Kerzchen – flieht der geistig agile Allan aus der öden „Seniorenresidenz“. Hervorragend inszeniert und nicht einmal allzu abstrus, ergibt eine Tat die nächste und Allan findet sich mit einem Koffer voller Geld, neuen Freunden und einem Elefanten in einem Waldstückchen bei Malmköping wieder. Skinhead-Rocker mit überschaubarem IQ sind der Gruppe um Allan auf den Fersen, angetrieben von einem britischen Gangsterboss im fernen Bali. Ein ebenfalls etwas traniger Kommissar versucht der undurchschaubaren Gemengelage Herr zu werden.

Die Handlung, die in der Gegenwart spielt, wird mit Allans Lebensgeschichte, die in Episoden nacherzählt wird, aufgefrischt. Als ewiger Lausbub hat Allan ein Faible fürs Sprengen. Nach einer Jugend in der Nervenheilanstalt ergibt ein aberwitziger Zufall den nächsten, so dass Allan im Spanischen Bürgerkrieg landet, wo er unversehens vom Republikaner zum Franquisten mutiert. Ähnlich wie Tom Hanks „Forrest Gump“ beeinflusst der tumbe Tor den Lauf der Weltgeschichte, ohne dass ihm das je bewusst wird. Allan gibt Oppenheimer den entscheidenden Hinweis zum Bau der Atombombe, wird von Stalin in Sibirien kaserniert (immer die Wahrheit zu sagen, kann auch mal nach hinten losgehen) und feuert als Doppelagent den Kalten Krieg an. Wie Gorbatschow zur Perestroika kam, ist ein äußerst gelungener (und natürlich frei erfundener) Treppenwitz der Weltgeschichte.

Mit hierzulande unbekannten, nichtsdestotrotz glänzenden Schauspielern ist Regisseur Herngren ein extrem amüsanter Film gelungen, den man nicht verpassen sollte.

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