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Doku

Im Kino: Tipps zum Glücklichsein

Er will Menschen zu einem glücklicheren Leben verhelfen: In einem Film teilt der weltbekannte Psychotherapeut Irvin D. Yalom seine Erfahrungen.
Von Barbara Munker, dpa

Irvin D. Yalom und Marilyn Yalom im Film „Yaloms Anleitung zum Glücklichsein“: Die Doku kommt am 2. Oktober ins Kino. Foto: DasKollektiv/Alamode Film

Palto Alto.Ein kleiner Weg – mitten durch Lavendelbüsche, Blumenbeete und Obstbäume – führt zu dem Büro des emeritierten Stanford-Professors Irvin D. Yalom, einem der bedeutendsten Psychotherapeuten der USA. Viele Stunden am Tag verbringt der 83-jährige Bestsellerautor in seinem Gartenhaus im kalifornischen Palo Alto. Mit dem Fahrrad kann er von dort schnell die renommierte Universität erreichen. Vor dem Eingang plätschert ein Springbrunnen. In dieser Umgebung empfängt er Patienten, schreibt Bücher und beantwortet Hunderte E-Mails von Menschen, die sich hilfesuchend an ihn wenden.

Seit über 30 Jahren wohnt er mit seiner Frau Marilyn (82) nebenan in dem ruhigen, beschaulichen Landhaus, ein kleines Paradies. Vier Kinder hat das seit 60 Jahren verheiratete Paar großgezogen. „Ich bin recht zufrieden mit meinem Leben“, versichert Yalom mit tiefer, eindringlicher Stimme. „Ich sehe Patienten, schreibe Bücher und tue damit genau das, was mich erfüllt“. Das glaubt man dem graubärtigen Mann aufs Wort.

Familie begleitet

Die Schweizer Regisseurin Sabine Gisiger („Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard“) liefert in ihrer Dokumentation „Yaloms Anleitung zum Glücklichsein“ ein Porträt des Therapeuten, der sich selbst allerdings nicht als „Glücksforscher“ versteht. „Als Psychiater arbeitet man nur indirekt am Glücksgefühl, man versucht die Probleme auszuräumen und die Dunkelheit zu bekämpfen“. Er verstehe sich mehr als eine Art Reiseleiter auf dem Weg der Selbsterforschung.

Für den Film ging die Regisseurin mit Yalom und seiner Familie, darunter zahlreiche Enkelkinder, auf Reisen. Gefilmt wurde beim Badeurlaub auf Hawaii, beim Besuch in der Provence, beim Radfahren auf dem Stanford-Campus, bei Vorträgen und Gesprächen mit Freunden. „So viel Aufmerksamkeit ist etwas peinlich“, grinst Yalom. Doch die Botschaft sei ihm wichtig. Viele Menschen seien sehr viel unglücklicher, als man denkt, sagt er auch in dem Film. Ihm kommt es darauf an, dass die Leute nicht ihre Probleme verdrängen. Man soll Fragen stellen, seinen tiefen Gefühlen und Ängsten begegnen, eine Therapie machen, durch Gespräche Hilfe suchen, oder Bücher lesen.

Keine Langeweile

Er selbst habe über Jahre hinweg eine intensive Analyse mitgemacht, und immer wieder Kollegen und Freunde um Hilfe und Anleitung gebeten, sagt Yalom offen. „Ich rate auch meinen eigenen Kindern zur Therapie, wenn es Dinge gibt, die ihren Lebensweg blockieren“.

Der in Washington geborene Sohn jüdisch-russischer Einwanderer wuchs in einfachen Verhältnissen auf, entdeckte aber schon als Junge seine Liebe zu Büchern und seine Berufung zum Heilen. Als 15-jähriger Schüler traf er seine spätere Frau Marilyn, die er nach dem Medizinstudium heiratete. Er ließ sich zum Psychiater und Therapeuten ausbilden, sie studierte Literatur. „Wir haben das große Glück, so lange zusammen zu sein“, sagt die 82-jährige Buchautorin. Natürlich hätten sie auch Probleme gehabt, aber mehr noch Stabilität und keine Langeweile.

Anfragen aus aller Welt

In den 1960er Jahren kam der Ruf nach Stanford, eine knappe Autostunde südlich von San Francisco. Dort machte sich Yalom schnell als Pionier der Gruppentherapie und der existenziellen Psychotherapie einen Namen. Er arbeitete mit Todkranken und Patienten in schweren Lebenskrisen. Er schrieb zahlreiche Lehrbücher, aber auch Geschichtensammlungen mit Beispielen aus seiner psychotherapeutischen Praxis. Schließlich veröffentlichte er Romane, darunter den Bestseller „Und Nietzsche weinte“ und „Die Schopenhauer-Kur“.

Seine Bücher sind in zig Sprachen übersetzt, volle Regale säumen die Wände seiner Büropraxis. „Viele Menschen haben noch nie einen Therapeuten besucht, aber meine Bücher würden ihnen helfen, versichern sie mir jeden Tag in Emails“, erzählt Yalom. Er bekomme Anfragen aus Ländern wie Griechenland, Japan, Brasilien und dem Iran. „Ich arbeite hart daran, jede Email zu beantworten. Ich halte das für eine buddhistische Qualität, das hat mit Güte zu tun. Ich weiß, dass meine Antwort einigen Menschen viel bedeutet.

„Wenn mein Mann einmal stirbt, dann kann er getrost sagen, dass er nichts bereut. Er zählt zu denen, die ihr Versprechen erfüllt haben“, sagt Marilyn Yalom. Ihr Mann versichert: „Solange ich es schaffe, möchte ich Patienten sehen und Bücher schreiben.“ Der Titel für sein nächstes Buch steht schon fest. „Denn alles ist vergänglich“ soll im Frühjahr in Deutschland erscheinen.

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