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In Cannes dominieren die Altmeister

Es ist eines der größten Ereignisse der Filmbranche: die Festspiele in Südfrankreich. Junge Regie-Talente sind in diesem Jahr kaum vertreten.
Von Aliki Nassoufis, dpa

  • Blick durch das Palmen-Symbol des Internationalen Filmfestivals von Cannes Foto: Ian Langsdon, dpa
  • Die australische Schauspielerin Nicole Kidman: In Cannes ist sie in ihrer Rolle als Fürstin Grace zu sehen. Foto: Paul Buck, dpa
  • Eine Dame in langer Abendrobe bei einem der Filmfestivals in Cannes, die 2014 zum 67. Mal stattfinden Foto: Christophe Karaba, dpa

Cannes.Es liest sich ein bisschen wie die Gästeliste zu einem Klassentreffen von Absolventen einer reinen Männerschule: Der Wettbewerb des diesjährigen Filmfestivals im südfranzösischen Cannes (14. bis 25. Mai) strotzt nur so vor den vielen Namen ehrwürdiger Regisseure. Frankreichs Legende Jean-Luc Godard und Hollywoodstar Tommy Lee Jones sind dabei, ebenso Arthouse-Größen wie David Cronenberg, die belgischen Dardenne-Brüder und die Briten Mike Leigh und Ken Loach. Junge Talente aber? Die sind klar in der Unterzahl. Und Frauen? Die dürfen vor allem wieder als Stars der Filme auf dem roten Teppich strahlen. So wie zum Beispiel Nicole Kidman, die als monegassische Fürstin in „Grace of Monaco“ das Festival am 14. Mai eröffnen wird.

Trotz aller Kritik schafft es das Filmfest an der Côte d’Azur jedoch wie in den Vorjahren, seinem Ruf als wichtigstes und glamourösestes Festival der Welt gerecht zu werden. Schließlich zieht kein anderes Filmfest so viele internationale Stars an. Selbst in den Nebenreihen laufen neue Werke von Regisseuren, die so manch anderes Festival sicher auch gern gehabt hätte. Darunter etwa das Regiedebüt „Lost River“ von Hollywood-Beau Ryan Gosling.

Festival wird politischer

Zurück aber zum Wettbewerb, wo dieses Mal unter den 18 Beiträgen mehrere politische und gesellschaftskritische Themen auffallen. So bringt der Kanadier David Cronenberg mal wieder den ehemaligen „Twilight“-Vampir Robert Pattinson an die Croisette. Der darf sich zusammen mit Julianne Moore in „Maps to the Stars“ in einer Satire auf Hollywood versuchen.

Ken Loach geht in „Jimmy’s Hall“, angeblich der letzte Film des 77-Jährigen, auf die Lebensgeschichte eines irischen Kommunisten ein, und Jean-Pierre und Luc Dardenne lassen Marion Cotillard in „Deux jours, une nuit“ verzweifelt um ihren Job kämpfen. Michel Hazanavicius, der in Cannes zuletzt mit der Premiere seines späteren Oscar-Gewinners „The Artist“ für Furore sorgte, schlägt nun ebenfalls ernstere Töne an: „The Search“ spielt im ehemaligen Kriegsgebiet Tschetschenien.

Godard wagt 3D-Experiment

Mit Spannung werden aber auch andere Werke erwartet: Tommy Lee Jones etwa konnte für seine zweite Regiearbeit, den Western „The Homesman“, Oscar-Preisträgerinnen Hilary Swank und Meryl Streep verpflichten, während der 83-jährige Jean-Luc Godard mit „Adieu au langage“ ein Experiment in 3D wagt. Möglicherweise stellt aber auch Xavier Dolan als jüngster Mitstreiter seine Konkurrenz in den Schatten und nimmt am 24. Mai den Hauptpreis, die Goldene Palme, mit nach Hause. Das „kanadische Wunderkind“ stellt mit dem Familiendrama „Mommy“ bereits seinen fünften Spielfilm vor – und das im Alter von gerade einmal 25 Jahren.

Was aber auch auffällt: Bei fünf Beiträgen aus Nordamerika und acht aus Europa ist kein einziger deutscher Film im Wettbewerb dabei. Mal wieder. Denn dass in Cannes ein Werk aus Deutschland im Wettbewerb lief, liegt schon lange zurück – das war „Palermo Shooting“ von Wim Wenders im Jahr 2008. Eben dieser Regisseur hat es nun zumindest auch in die renommierte Nebenreihe Un Certain Regard geschafft und zeigt dort „The Salt of the Earth“, eine Doku über den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado.

Deutsche in Nebenrollen

Ansonsten dürfen die Deutschen beim diesjährigen Festival noch als Ko-Produzenten oder Nebendarsteller dabei sein, so wie etwa Lars Eidinger und Hanns Zischler neben Kristen Stewart in Olivier Assayas‘ Theaterdrama „Clouds of Sils Maria“. Doch auch den Frauen geht es in Cannes kaum besser; im Wettbewerb sind nur zwei Filme von Regisseurinnen zu sehen. Einen Trumpf gibt es aus weiblicher Sicht aber doch: Als Präsidentin der Jury hat die neuseeländische Regisseurin Jane Campion („Das Piano“) immerhin das letzte Wort.

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