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In Cannes wird es richtig spannend

Ein junger Kanadier? Eine Japanerin? Oder doch ein Türke? Das Rennen um die Goldene Palme ist in diesem Jahr besonders spannend.
Von Aliki Nassoufis, dpa

  • Am Samstag werden in Cannes die begehrten Palmen vergeben. Das Rennen ist in diesem Jahr besonders spannend. Foto: dpa
  • Preisverdächtig: Regisseur David Cronenberg und seine Hauptdarstellerin Julianne Moore stellten in Cannes die Hollywoodsatire „Maps to the Stars“ vor. Foto: afp
  • Channing Tatum zeigt in „Foxcatcher“ eine großartige schauspielerische Leistung. Gewinnt der Film jedoch die Goldene Palme, geht der Darsteller leer aus. Foto: dpa

Cannes.Möglicherweise gehen die älteren Herren in diesem Jahr leer aus. Im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes sind die männlichen Regisseure über 50 in diesem Jahr zwar in der Überzahl. Dennoch könnten die höchsten Auszeichnungen wie die Goldene Palme am Samstagabend an Filmemacher gehen, die in den vergangenen Tagen eher unterrepräsentiert waren – an den jüngsten Regisseur der Konkurrenz oder an eine von nur zwei Frauen. Sie brachten ganz eigene, intensive Kinovisionen an die Côte d’Azur.

Da wäre zum einen der Kanadier Xavier Dolan. Mit nur 25 Jahren legte er mit „Mommy“ um einen verhaltensauffälligen Teenager und dessen Mutter eines der mutigsten und kraftvollsten Werke vor: packende Emotionen, schnelle Dialoge, dröhnende Musik plus kunstvolle Spielereien mit der Größe der Leinwand. Doch auch die Japanerin Naomi Kawase hat gute Chancen auf eine Auszeichnung. Ihr meditativ-poetisches, um zwei Heranwachsende kreisendes Drama „Still the Water“ bestach mit seiner symbolkräftigen Erzählweise und der so kreierten, ausdrucksstarken Bildsprache.

Ein kompliziertes Regelwerk

Und doch kann es in diesem Jahr fast keine falsche Entscheidung geben. Immerhin war der Wettbewerb – bis auf sehr wenige Ausnahmen – so stark, dass fast jeder Film eine Auszeichnung verdient hätte. Die internationale Jury könnte daher auch einen der vielen sozial- und gesellschaftskritischen Beiträge auszeichnen.

Zum Beispiel ein Werk wie „Timbuktu“ aus Mauretanien, das auf die Drangsalierungen islamistischer Rebellen in einem kleinen Ort und den Widerstand der Bewohner fokussierte. Oder den Beitrag „Winter Sleep“, in dem Nuri Bilge Ceylan in mehr als drei Stunden die Gelähmtheit der türkischen Intellektuellen herausarbeitete.

Bei diesen Spekulationen spielen aber auch die Regularien des Festivals eine wichtige Rolle. Denn demnach kann ein Film nicht die Goldene Palme und eine weitere Auszeichnung wie für die Regie oder die Darsteller gewinnen. Das macht die Preisvergabe ziemlich kompliziert, hätten doch oft auch die Darsteller aus den favorisierten Beiträgen eine Ehrung verdient.

Anne Dorval hätte Palme verdient

„Foxcatcher“ des US-Amerikaners Bennett Miller ist so ein Fall. Dessen subtile Charakterzeichnung und das Spiel mit unter der Oberfläche lodernden Emotionen würden eine Goldene Palme durchaus rechtfertigen – doch auch Channing Tatum als unsicherer Ringer und Steve Carell als dessen psychisch labiler Sponsor gelten als Anwärter auf eine Trophäe. Ebenso bei „Mr. Turner“, wo Mike Leigh das Leben des britischen Malers J.M.W. Turner gemäldeähnlich inszenierte und Timothy Spall in der Titelrolle mit seinem grummelnden und grunzenden Spiel in Erinnerung blieb.

Ähnlich sieht es bei den Frauen aus. Allen voran Anne Dorval, die um ihren Sohn kämpfende, lebensbejahende und fluchende Mutter aus Dolans „Mommy“. Julianne Moore hingegen tobte und heulte sich als verzweifelte Schauspielerin am Ende ihrer Karriere durch die Hollywoodsatire „Maps to the Stars“. Vielleicht gewinnt aber auch deren Regisseur David Cronenberg etwas. Der ist 71 Jahre alt. Dann hätte sich doch einer der älteren Herren durchgesetzt.

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