mz_logo

Kinokritik
Freitag, 20. Juli 2018 31° 2

Die Frau, die vorausgeht

Es ist schwer, tapfer zu sein
von Andreas Fischer

  • Ein bisschen heroischer und schöner als die Wirklichkeit: In epischen Bildern erzählt "Die Frau, die vorausgeht" von zwei Menschen, die sich gegen den Untergang der Indianerkultur stemmen. Foto: TOBIS Film GmbH
  • Sitting Bull (Michael Greyeyes) ist ein ziemlich edler Wilder, auf den Catherine Weldon (Jessica Chastain) trifft. Foto: TOBIS Film GmbH
  • Der Soldat Silas Groves (Sam Rockwell) soll dafür sorgen, dass die Sioux einen Vertrag unterzeichnen, mit dem sie ihr Land für immer aufgeben. Störenfriede wie Catherine Weldon (Jessica Chastain) sind ihm bei seiner Mission nicht willkommen. Foto: TOBIS Film GmbH
  • Störrisch und eigensinnig: Catherine Weldon (Jessica Chastain) stapft mit ihrem Reisekoffer durch die staubige Prärie. Nichts kann sie aufhalten in ihrem Streben, Gutes zu vollbringen. Foto: TOBIS Film GmbH
  • Die romantischen Andeutungen zwischen Sitting Bull (Michael Greyeyes) und Catherine Weldon (Jessica Chastain) sind zwar hübsch fürs Auge, konterkarieren aber den Film. Foto: TOBIS Film GmbH
  • Motiv aus "Die Frau, die vorausgeht" Foto: TOBIS Film GmbH
  • Motiv aus "Die Frau, die vorausgeht" Foto: TOBIS Film GmbH
  • Motiv aus "Die Frau, die vorausgeht" Foto: TOBIS Film GmbH
  • Motiv aus "Die Frau, die vorausgeht" Foto: TOBIS Film GmbH
  • Motiv aus "Die Frau, die vorausgeht" Foto: TOBIS Film GmbH
  • Motiv aus "Die Frau, die vorausgeht" Foto: TOBIS Film GmbH
  • Motiv aus "Die Frau, die vorausgeht" Foto: TOBIS Film GmbH
  • Motiv aus "Die Frau, die vorausgeht" Foto: TOBIS Film GmbH
  • Motiv aus "Die Frau, die vorausgeht" Foto: TOBIS Film GmbH
  • Motiv aus "Die Frau, die vorausgeht" Foto: TOBIS Film GmbH

Am Anfang fliegt ein Bild durch die Luft, darauf in Ölfarben verewigt der verstorbene Gatte von Catherine Weldon (Jessica Chastain). Die New Yorker Malerin hat es selbst in einen Fluss geworfen und damit ihre Vergangenheit. Jetzt macht sie sich auf den Weg in den Westen. Sie will selbst ein Bild malen: von einem Mann, der noch viel wichtiger werden wird in ihrem Leben. Häuptling Sitting Bull vom Stamm der Sioux. Regisseurin Susanna White erzählt in "Die Frau, die vorausgeht" von einer wahren Begebenheit, die sich 1890 in den Vereinigten Staaten abgespielt hat - fiktionalisiert als gut gemeinter Botschaftswestern mit romantischen Andeutungen.

Miss Weldon hat tatsächlich gelebt. Sie hieß zwar nicht Catherine, sondern Caroline, hat sich aber als emanzipierte Frau in einer Zeit für Indianerrechte eingesetzt, in der die indigene Bevölkerung von der US-Regierung den Todesstoß bekam. Chauvinismus, Rassismus und Frauenfeindlichkeit sind die großen Themen des Films, der sich kritisch mit historischen Wahrheiten auseinandersetzt und Amerikas Umgang mit Entrechteten anklagt.

Die Sinne schärfen für die Gräuel, zu denen Menschen fähig sind, das ist ein hehres Unterfangen. Man kann die unsäglichen Unmenschlichkeiten auch nicht oft genug anprangern. Damals waren es die Indianer, die ihrer Freiheit beraubt wurden, heute sind es die Immigranten aus Mittelamerika, denen man die Kinder entreißt.

In epischen Breitbandbildern von wahrhaftigem Westernformat erzählt "Die Frau, die vorausgeht" eine Story, die stets das Gute will, aber bisweilen nur das Belanglose schafft. Da stapft also Miss Weldon erstmal eigensinnig und stur meilenweit durch die staubige Prärie, zieht einen riesigen Koffer hinter sich her und lässt sich auch nicht davon beeindrucken, von einem schweigsamen Indianer bestohlen zu werden.

Sie ist stark, sie geht ihren Weg, der sie trotz vieler Widerstände vonseiten des Militärs, allen voran eines zynischen Colonels (Sam Rockwell), zu Sitting Bull (Michael Greyeyes) führt: Der Häuptling ist genauso stattlich, wie Catherine schön ist. Ein stolzer Mann, der mit stoischer Ruhe Kartoffeln anbaut. Das findet er nicht erquicklich, hat sich aber gezwungenermaßen mit dem Leben im Reservat arrangiert.

Eine aufgeklärte Frau und ein (scheinbar) gebrochener Mann: Susanna White lässt die Geschichte von der Vernichtung der indianischen Kultur wortreich von zwei Menschen erzählen, die beide vom weißen Mann nicht ernst genommen werden. Es ist eine Geschichte von Dämonen der Vergangenheit, aber auch von Emanzipation und demokratischen Prozessen als Form des Widerstands gegen die Kürzung der Lebensmittelrationen und den geplanten Landraub der Regierung.

"Es ist schwer, tapfer zu sein", sagt Weldon einmal dem einst fremden Indianerhäuptling, der längst ein Freund wurde. Ihr Miteinander ist eine reizvolle Konstellation, die einen modernen Blick hinter die Westernoberfläche ermöglicht. Da mag man der "Frau, die vorausgeht" dann sogar verzeihen, dass die Menschen, die sich auflehnen, in Hollywood schöner und heroischer sind, als sie es in der Wirklichkeit waren.

teleschau - der mediendienst

Filmname: Die Frau, die vorausgeht
Studio: Tobis Film GmbH
Starttermin: 05.07.2018
Regisseur: Susanna White
Schauspieler: Jessica Chastain, Michael Greyeyes, Sam Rockwell
Land: USA
Genre: Drama
Bewertung: überzeugend

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht