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Donnerstag, 19. Juli 2018 29° 6

"Shoah"-Regisseur Claude Lanzmann ist tot

  • Trauer um Claude Lanzmann: Der französische Filmemacher ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Foto: Pascal Le Segretain/Getty Images
  • 1985 drehte Claude Lanzmann seinen Dokumentarfilm "Shoah", der ihn weltberühmt machte. Foto: Claude Lanzmann
  • Der Holocaust ließ Lanzmann nicht los - immer wieder beschäftigte er sich mit dem Massenmord an den europäischen Juden. Foto: Antony Jones/Getty Images
  • Im Jahr 2013 wurde Lanzmann auf der Berlinale für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Foto: Vittorio Zunino Celotto/Getty Images
  • Szene aus "Shoah": Der polnische Eisenbahner Henrik Gawkowski, der von der SS eingestellt wurde, lebte in dem kleinen Dorf Malkinia, ungefähr zehn Kilometer von Treblinka entfernt. Foto: ARTE France / D.R.

Er zeigte wie kaum ein anderer Regisseur die Schrecken des Holocausts: Claude Lanzmann, dessen neuneinhalbstündige Dokumentation "Shoah" den Blick auf den Massenmord an den europäischen Juden prägte. Jetzt ist der französische Filmemacher im Alter von 92 Jahren in Paris verstorben.

Elf Jahre lang - von 1974 bis 1985 - reiste Lanzmann für "Shoah" durch Europa, um Zeitzeugen des Holocaust zu befragen. Ohne Einbeziehung von Fremd- oder Archivmaterial sprachen die Überlebenden und die Täter frontal in die Kamera, sie antworteten auf die insistierenden Fragen des Interviewers. Wer geglaubt hatte, alles über den Holocaust (im Hebräischen: "Shoah") zu wissen, wurde eines Besseren belehrt. Die Wahrheitsfindung suchte in ihrer Unerbittlichkeit ihresgleichen. "Das Gerüst des Films ist die Radikalität des Todes. Ist letztendlich die Vernichtung", sagte Claude Lanzmann nach der deutschen Erstaufführung des Films.

Lanzmann kam 1925 in Paris zur Welt, seine Großeltern waren als jüdische Immigranten nach Frankreich gekommen. Als junger Mann erlebte er den Antisemitismus in seiner Heimat und engagierte sich in der Résistance. Nach dem Krieg studierte Lanzmann in Deutschland Philosophie und unterrichtete später in Berlin. Er war mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir befreundet, mit der er auch mehrere Jahre in einer Beziehung lebte. Nach vielen Jahren als Journalist und Schriftsteller, die ihn unter anderem als ersten westlichen Besucher nach Nordkorea führten, begann er in den 70er-Jahren, dokumentarische Filme über die Judenvernichtung zu drehen.

Neben "Shoah" zählt der fast vierstündigen Dokumentarfilm "Der Letzte der Ungerechten" (2013) zum Hauptwerk Lanzmanns. Für sein Porträt von Rabbiner Benjamin Murmelstein, dem letzten Vorsitzenden des sogenannten Judenrates in Theresienstadt, schnitt er Aufnahmen eines Interviews aus dem Jahr 1975 mit modernen Ansichten von Theresienstadt zusammen. "Der Film zeigt die absolute Grausamkeit des Nazi-Regimes", so Lanzmann. "Und zwar "noch viel stärker als 'Shoah'. Es geht um die Genesis der 'Endlösung'. Innerhalb von nur zwei Jahren änderte sich die Politik damals von der öffentlichen Verfolgung der Juden hin zu den Massenmorden in den Gaskammern. So etwas nachzuvollziehen, ist sehr schwierig. Mein Film gibt meiner Meinung nach zum ersten Mal den Schlüssel dazu."

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