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Ausstellung

Madame Justitia, ganz in weiß

„Da schau her!“: Ingo Kübler und Wilma Rapf-Karikari präsentieren in Regensburg ihren aktuellen Kunstpartner-Kalender 2015.
Von Florian Sendtner, MZ

Tone Schmids „Justizia“ sieht aus wie makelloses, glänzend weißes Porzellan, ist aber ein Produkt von Zufall und Willkür, entstanden an der Produktionsmaschine einer Plastikfabrik.
Tone Schmids „Justizia“ sieht aus wie makelloses, glänzend weißes Porzellan, ist aber ein Produkt von Zufall und Willkür, entstanden an der Produktionsmaschine einer Plastikfabrik. Foto: Sendtner

Regensburg.Als der Kunstverein Weiden im Sommer die Ausstellung „Kunst und Partner – das Museum auf Papier“ zeigte, wurde das Projekt Kunstpartner-Kalender von Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler in einer wandfüllenden Grafik veranschaulicht: In einem großen Kreis waren die bald 200 Künstler zu sehen, die schon mal „drin“ waren, daneben der Kreis der über 200 Sponsoren, die den Kalender seit 20 Jahren tragen, darunter der kleinere Kreis der Essayisten, im Zentrum der enge Zirkel der Macher – eine kaum mehr überschaubare Vielzahl an Namen, ein beeindruckendes Schaubild, das dennoch unvollständig blieb, denn es fehlten die porträtierten Künstler.

Der noch ziemlich exklusive Kreis der Künstler wird durch den Kalender 2015 gleich durch zwei Namen erweitert. Barbara Regner porträtierte für den Jahresbegleiter 2015 die Malerin Irene Fastner mit ihrer Methode des „negativen“ Stickbildes: die Fäden hängen „schlampig“ im Gesicht herum und erwecken es damit zum Leben. Barbara Regner meinte bei der Präsentation des 2015er Kalenders im gewohnt vollen Leeren Beutel: „Die schöne Seite ist immer die langweilige! Die Rückseite interessiert mich!“

Geometrische Schönheit

Der genaue Gegenpol dazu hängt im Restaurant Leerer Beutel folgerichtig auf der gegenüberliegenden Wand: Peter Liebls großes Ölporträt der Bühnenbildnerin und Performancekünstlerin Katharina Dobner, als geometrisch strenge, ätherisch-entrückte Schönheit. Selbst die schwarze Katze zu Füßen der Porträtierten trägt eine weiße Halskrause.

„Da schau her!“, heißt er aktuelle Kalender. Illustre Köpfe finden sich in ihm noch eine ganze Reihe: Florian Geisslers ausdrucksstarker blauer Keramikkopf mit goldenem Haar und roten Lippen auf dem Titelblatt, zwei Exkursionen ins Tierreich (Silvia Jilgs Charakterköpfe von vier Kamelen und Alina Bugas Terrakottahunde), Tone Schmids „Justizia“, eine Plastik aus Plastik, die indes wie makelloses, glänzend weißes Porzellan anmutet. Der Künstler verrät, wie sie entstanden ist: die Produktionsmaschine einer Plastikfabrik wurde zu spät ausgeschaltet, das Ergebnis war ein unbeabsichtigtes, unbrauchbares Stück Plastik, das Tone Schmid vor dem Müllcontainer gerettet hat. Unverkennbar die alte Büste der Gerechtigkeit mit der Augenbinde als Zeichen der Unparteilichkeit, ironisch verfremdet durch die höhere Gewalt des Zufalls und der Willkür.

Die Ausstellung im Restaurant Leerer Beutel läuft bis 30. Januar, der Kalender ist exklusiv in der Buchhandlung Dombrowsky in Regensburg zu kaufen.

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