MyMz

The Big Moon

Auf zum großen Mond!

Das zweite Album des Londoner Quartetts The Big Moon kombiniert raffinierte Arrangements mit eingängigen Melodien. Das Ergebnis besitzt einen eigenwilligen Charme, der an große Namen der Indie-Szene erinnert.

  • The Big Moons zweites Album "Walking Like We Do" zeigt: Das selbstbewusste Indie-Quartett hat sich spürbar weiterentwickelt. Foto: Fiction Records
  • The Big Moon haben sich mit ihrem eigenwilligen Mix aus Indie-Rock und massentauglichen Melodien bereits eine große Anhängerschaft erspielt. Foto: Pooneh Ghana

Es gehört zum Selbstverständnis von Indie-Bands, gegen den Strom zu schwimmen. Das Londoner Quartett The Big Moon ging noch einen Schritt weiter: Als Frontfrau Juliette Jackson die Gruppe 2014 formierte, schwammen sie gegen die Unterströmungen, denn gitarrenlastiger Indie-Rock war seinerzeit eigentlich auch in Querdenker-Kreisen aus der Mode gekommen. Doch der Erfolg gab dem stilistischen Starrsinn der Truppe recht: Das 2017 erschienene Debüt "Love In The 4th Dimension" wurde für den Mercury Music Price als bestes britisches Album nominiert. Im selben Jahr folgte eine US-Tour als Support für Marika Hackman. Ein weiterer Meilenstein war der Auftritt beim renommierten Glastonbury Festival 2019. Hier bekamen die Fans auch einen ersten Eindruck von dem nun erscheinenden neuen Album "Walking Like We Do".

Big-Moon-Mastermind Juliette Jackson schrieb die Songs des zweiten Albums wie beim Vorgänger im Alleingang, doch ist der Zusammenhalt mit Gitarristin Soph Nathan, Bassistin Celia Archer und Schlagzeugerin Fern Ford mittlerweile laut Aussage der Band zu einer "engen Freundschaft" gewachsen. Und zu einem demokratischen Debattierclub. Für Diskussionen gab es auch genug Stoff. "Wir spürten: Wir können diese Lieder in jede Richtung führen, jedes davon hat das Potenzial zur Single-Auskopplung", lässt Celia Archer sich von ihrer Plattenfirma zitieren. Tatsächlich gehen die Tracks von "Walking Like We Do" trotz aller Indie-Sperrigkeit schnell ins Ohr.

Musikalisch hat die Band sich aber auch weiterentwickelt. "Anfangs wollte ich beim Schreiben der Songs, dass das Album wie das erste klingt, aber nach sechs Monaten wusste ich: Sie sollten klanglich größer, tiefer und breiter als ein Rock-Album klingen", plaudert Juliette Jackson aus dem Songwriter-Nähkästchen. "Wir wollten weiterhin die Energie und die richtigen Gefühle", ergänzt sie, "aber wir wollten auch kreativer darin sein, wie wir eine Stimmung heraufbeschwören."

Experimentelle und surreale Noten

Zu diesem kreativen Upgrade zählt auch eine vielfältigere Instrumentierung. Neben der E-Gitarre sind es vor allem Klavier- und Elektronik-Klänge sowie der vierköpfige Frauenchor, die den Sound dominieren. Mal als atmosphärischer Klangteppich, mal als akustische Farbtupfer, mal in eingängigen Hooks. Nicht unwesentlich zum neuen Sound beigetragen hat Produzent Ben Allen, bekannt für seine Zusammenarbeit mit Künstlern wie Gnarls Barkley, Animal Collective oder Bombay Bicycle Club. Das Album entstand in dreieinhalb Wochen in seinem Studio in Atlanta, Georgia.

Die neue Musik von The Big Moon klingt im Vergleich zum überladenen Hightech-Mainstream-Pop weiterhin angenehm reduziert und weckt Erinnerungen an große Namen der Indie-Geschichte. Bei "Your Light" beispielsweise könnte man an MGMT denken, "Dog Eat Dog" klingt zeitlos wie eine Ballade von Velvet Underground mit Niko, und über vielen Songs schwebt auch der Geist der Pixies, für die The Big Moon bereits als Support auftraten. Die Bandbreite reicht von einem Stück wie "Why", in dem der Snythesizer blubbert und piept wie ein gutgelaunter Roboter, über den Track "Don't Think", der mit einer Funk-Bassline beginnt und in einer Rock-Oper endet, bis zum verschwurbelten Lovesong "Take A Piece" mit "Oooh Oooh"-Chor.

Gelungen sind nicht nur die experimentellen Klänge, die den eingängigen Melodien eine reizvolle surreale Note verleihen, sondern auch die Lyrics. Die stecken voller schöner Zeilen wie "We don't know where we're going, but we're walking like we do" ("A Hundred Ways To Land") oder "Is it really you or is it me or is it ADHD?" ("ADHD"). Auch schön: "This planet never needed gravity to drag you down" ("Your Light"). Das Album selbst aber zieht den Hörer definitiv nicht runter, sondern nach oben - zum großen Mond!

Michael Eichhammer

The Big Moon - Your Light

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht