MyMz

Vampire Weekend

Blutsauger auf der Sonnenseite des Lebens

Vampire Weekend nehmen auf ihrem neuen Album "Father Of The Bride" vieles ernst, lassen dabei aber zum Glück immer auch Raum für ein Augenzwinkern.

  • Klanglich einmal rund um die Welt: Ein passenderes Cover hätten Vampire Weekend für das neue Album "Father Of The Bride" kaum finden können. Foto: Sony Music
  • Nach sechsjähriger Pause veröffentlicht Ezra Koenig mit seiner Band Vampire Weekend das neue Album "Father Of The Bride". Foto: Monika Mogi

Vielseitigkeit, das ist wohl die Eigenschaft, die Ezra Koenig am meisten auszeichnet. Schon bei ihrem selbstbetitelten Debüt (2008) arbeitete seine Band Vampire Weekend afrikanische Klänge in ihren Indie-Rock, und auch in den Folgejahren blieb der Blick über den Tellerrand bestehen. Die sechs Jahre, die seit Veröffentlichung der letzten, Grammy-prämierten Platte "Modern Vampires Of The City" vergangen sind, verbrachte Koenig entsprechend eklektisch: Er schrieb und produzierte einen Song für Beyoncés Album "Lemonade", aber auch eine Anime-Parodie für Netflix (die Serie namens "Neo Yokio" hatte allerdings eher bescheidenen Erfolg); ganz nebenbei wurde er Vater. Er hätte also sicher auch genug zu tun gehabt, wenn sein Kumpan Rostam Batmanglij, Songschreiber und Produzent der ersten beiden Vampire-Weekend-Alben, die Band nicht verlassen hätte. So aber ist Koenigs Antwort auf das gesteigerte Pensum nicht etwa eine Reduktion aufs Wesentliche, sondern: noch mehr. Noch mehr Songs, noch mehr Einflüsse.

In 18 Liedern mischt das neue Album "Father of the Bride" Folk und Progrock, Flamenco und Elektro und, natürlich immer wieder, auch afrikanische Dancefloor-Klänge zu einem wilden, vielleicht nicht durchgehend geschmackssicheren, aber immer unterhaltsamen Ganzen. Hätte man nur die Lyrics zur Hand, man hielte das Album wohl für eine depressive Betrachtung des menschlichen Daseins: Religionskriege, Existenzängste, Klimawandel und der ganz alltägliche zwischenmenschliche Verrat werden hier thematisiert. Doch die Klänge, in die Koenig und Co. diese Betrachtungen kleiden, sprechen eine ganz andere Sprache.

Ein Album für mehr als einen Sommer

Zeilen wie "I don't wanna live like this, but I don't wanna die" ("Harmony Hall") könnte man mit einer großen Portion Verzweiflung inszenieren, stattdessen werden sie begleitet von einem schwungvollen Piano. Die eigentlich ziemlich niederschmetternde Erkenntnis "I been cheatin' on you, you been cheatin' on me, but I been cheatin' through this life" ("This Life") überkommt den Sänger zu schnuffeligen Percussions und einer freundlich gezupften Gitarre. Und wenn dann doch mal ein Song in gedrückter Stimmung endet wie das mit kleinen Lo-Fi-Schrammeleien angereicherte Stück "My Mistake", rückt das nächste Intro das mit einem dahingemurmelten "It's not that serious" zurecht - bevor "Sympathy" mit Elektro-Flamenco-Rock ordentlich Tempo macht.

Bereichert wird das Album außerdem durch Danielle Haim, die Koenig gleich in mehreren Songs als Duettpartnerin unterstützt - unter anderem im Opener "Hold You Now", der wiederum ruhige folkige Passagen durch einen geradezu sakral verzerrten Chor durchbrechen lässt. So bietet fast jeder Song auf "Father Of The Bride" mehr als nur eine Ebene, ohne dass die Musik dadurch angestrengt oder anstrengend wird. Dieses Album hat auf jeden Fall genug Gehalt und auch die richtige Leichtigkeit, um den anstehenden Sommer zu überdauern.

Sabine Metzger

Vampire Weekend - Harmony Hall

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht